Manchmal braucht die Welt einen dritten Anlauf. 1994 bekam sie Jean-Claude Van Damme als Guile, einem Charakter, der in der Spielegeschichte für seinen ikonischen Flattop-Haarschnitt und amerikanischen Patriotismus bekannt ist und nun von einem Belgier mit Akzent gespielt wurde. Das war weniger Fanservice als mehr ein Beweis dafür, dass Hollywood die Spielereihe ungefähr so gut verstanden hatte wie ein Karate-Anfänger den Shoryuken.
2009 versuchte man es mit «The Legend of Chun-Li». Das Ergebnis landete auf diversen Worst-of-Listen und wurde von Time Magazine zu einem der schlechtesten Videospielfilme überhaupt gekürt. Kristen Kreuk als Chun-Li, keine Hadoukens, kein Turnier – man hatte einfach den Kern des Spiels vollständig ignoriert und einen generischen Actionfilm hingestellt, dem man nachträglich den Namen Street Fighter aufgeklebt hatte.
Und jetzt: Versuch Nummer drei. Directed by Kitao Sakurai, produziert von Legendary Entertainment gemeinsam mit Capcom, verteilt von Paramount Pictures. Starttermin: 16. Oktober 2026.
Das Casting-Sheet als Ereignis für sich
Der Film spielt im Jahr 1993 – eine Entscheidung, die unmissverständlich sagt: Wir wollen das Arcade-Core-Feeling, nicht das Gritty-Reboot-Feeling. Das ist klug. Street Fighter II war 1993 das Mass aller Dinge, der Masstab für ein ganzes Genre. Das Arcadeautomat-Zeitalter auf der Leinwand einzufangen ist ambitioniert – und für einmal die richtige Ambition.
Jason Momoa als Blanka. Curtis Jackson alias 50 Cent als Balrog. Roman Reigns als Akuma. Cody Rhodes als Guile. Niemand scheint sich zu schämen, dabei zu sein – und jedes merkwürdige Kostüm, jedes Knurren, jede absurde Haarpracht wird vollkommen ernst genommen. Was genau der richtige Ansatz für dieses Material ist.
Dazu kommen Andrew Koji als Ryu, Noah Centineo als Ken – die eigentlichen Hauptfiguren, die im Gegensatz zu früheren Adaptionen nun spielgetreu im Mittelpunkt stehen – Callina Liang als Chun-Li, David Dastmalchian als M. Bison und Vidyut Jammwal als Dhalsim. Andrew Schulz spielt Dan Hibiki, den wohl schlechtesten Kämpfer der gesamten Spielreihe, was entweder Selbstironie oder Grausamkeit ist. Wahrscheinlich beides.
Der Cast ist so divers und abgefahren wie das Roster des Spiels selbst – und das ist eigentlich das erste Mal in der Geschichte dieser Filmreihe, dass man das sagen kann.
Was der Trailer verspricht
Der Trailer zeigt Ken, der in der klassischen Autozertrümmer-Bonusrunde aus Street Fighter II ein Auto zerschmettert. Ryu lädt einen Hadouken auf. Chun-Li rekrutiert Kämpfer aus aller Welt für das World Warrior Tournament. Und M. Bison tut im Hintergrund sehr M.-Bison-hafte Dinge.
Das ist Fanservice. Echter, liebevoller, unentschuldigter Fanservice. Und nach dreissig Jahren Wartens darf man das ruhig zelebrieren.
Für Jahre haben Videospielfilme versucht, die merkwürdigen Teile abzuschleifen. Sie wollten dunkler sein, erdiger, glaubwürdiger. Was schwierig ist, wenn das Ausgangsmaterial grüne elektrische Bestien, Yoga-Feuerbälle und einen Mann enthält, dessen Haar von Natur aus in militärischer Aufmerksamkeitsstellung steht.
Sakurai – bekannt für «Bad Trip», einer absurden Actionkomödie – scheint begriffen zu haben, was seine Vorgänger nicht begreifen wollten: Street Fighter muss nicht realistisch sein. Es muss Street Fighter sein.
Ob es funktioniert, steht noch aus
Die Philippou-Brüder hätten wohl einen dunkleren, intensiveren Film gemacht – ihr Horrorfilm «Talk to Me» war eines der überzeugendsten Debüts der letzten Jahre. Dass sie ausgestiegen sind und Sakurai übernommen hat, verschiebt den Ton eindeutig Richtung Komödie und Spektakel. Ob das die richtige Entscheidung war, wird Oktober 2026 entscheiden.
Was sicher ist: Die Messlatte liegt auf dem Boden. 1994 Van Damme. 2009 Namenloser Actionfilm. Alles, was Ryu einen Hadouken werfen lässt und dabei nicht lächerlich aussieht, ist bereits ein Schritt nach vorne. Und wenn Jason Momoa als grünes Muskelmonster Blanka die erste Szene bestreitet, in der er jemanden mit Elektrizität traktiert – dann ist das Ziel bereits halb erreicht

«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








