Fünfzig Organisationen, ein Software-Tycoon in Schanghai und ein Spendentopf bei Goldman Sachs: Mit dieser Formel erklärt man im Amerika gerade, warum Frankreichs Gymnasiasten Schulen blockieren. Die Ratten in den Klassenzimmern kommen in der Rechnung nicht vor, sie haben keinen Sponsor.

NGO-Söldner mit Steuerabzug: Wer Frankreichs Schülerprotest wirklich gekauft hat

Fox News hat Anfang Oktober ein Netz aus 50 Gruppen kartiert, das die französischen Schülerproteste trägt. Nur 15 davon sind Jugendverbände, der Rest besteht aus Gewerkschaften, kommunistischen Zirkeln, La France Insoumise, der Kommunistischen Partei und einer Palästina-Gruppe. Ein interessanter Befund. Ein Beweis, dass die Strassenschlachten von ihnen bezahlt werden, ist dies indessen nicht. Wer genau hinschaut, findet etwas Hässlicheres: Politik wird heute nicht mehr gemacht, sie wird gestiftet. Und zwar von allen Seiten, mit Steuerabzug, Briefkastenadresse und einem Pressesprecher, der die eigene Kasse immer für sauber hält.

Der Marxist mit dem Bankberater

Neville Roy Singham ist kein chinesischer Milliardär, sondern ein in den USA geborener Unternehmer, der seine Softwarefirma Thoughtworks 2017 für 785 Millionen Dollar an einen britischen Finanzinvestor verkaufte und heute in Schanghai sitzt. Das Geld floss danach in die Revolution, über einen Kanal, den sich kein Satiriker ausdenken dürfte: Laut Fox gingen 22,44 Millionen an das New Yorker People’s Forum über einen Spendenfonds von Goldman Sachs. Die Bank beendete die Beziehung erst Anfang 2024. Insgesamt summiert Fox 278 Millionen Dollar seit 2017. Ein Kommunist, der sein Klassenkampf-Budget ausgerechnet vom Flaggschiff der Wall Street verwalten lässt, ist entweder ein Genie der Tarnung oder der ehrlichste Kapitalist der Welt. Vor seinem Ausflug in die Weltrevolution hatte er übrigens sieben Jahre lang Huawei beraten. Man hilft eben, wo man kann.

NGO-Söldner mit Steuerabzug: Wer Frankreichs Schülerprotest wirklich gekauft hat

Der Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses spricht von Briefkastenfirmen und Spendenfonds, die die wahre Herkunft des Geldes absichtlich verschleiern. Manche dieser Stiftungen residierten schlicht in einem gemieteten Postfach im Paketshop. Wer Wohltätigkeit sagt, meint in diesem Gewerbe Steuerersparnis mit Weltanschauung, wie schon das Kapitel Philanthropie als Geschäftsmodell zeigte.

Was Fox finanzieren nennt, heisst im Netz Verstärken

Nun der Haken. Die Untersuchung belegt kein einziges Euro-Bündel, das von Singham an eine französische Schülergewerkschaft wanderte. Belegt ist, dass sein Medienarm BreakThrough News die Proteste weltweit ausschlachtete und ein Video rund 346’000 Likes an einem Tag sammelte. Das ist Propaganda auf fremde Rechnung, keine Lohnbuchhaltung für Steinewerfer. Auch die «Islamisten» schrumpfen bei näherem Hinsehen auf einen muslimischen Studentenverband und eine Palästina-Gruppe, das Etikett liefert ein Zitat der Heritage Foundation.

Die Wut selbst benötigt keinen Sponsor. Eine Schülerin in Saint-Denis berichtete der Agentur Reuters von Kakerlaken und Ratten im ganzen Gebäude, die Blockaden erreichten 356 Gymnasien, während Paris den Sparhaushalt 2027 vorbereitete. Innenminister Laurent Nuñez meldete 625 Festnahmen an einem einzigen Tag, die meisten davon Minderjährige, dazu Angriffe mit Salzsäure auf Polizisten. Gewalt ist echt, Verzweiflung auch. Beides lässt sich hervorragend vermarkten, von links als Aufstand der Jugend, von rechts als Beweis der kommunistischen Unterwanderung. Dass Parteien und Stiftungen sich auf solche Proteste stürzen wie Geier auf ein Aas, kennt man von gesponserten Massenbewegungen zur Genüge. Bloss erfindet der Geier das Aas nicht.

NGO-Söldner mit Steuerabzug: Wer Frankreichs Schülerprotest wirklich gekauft hat

Fünfzig Empfänger, auch bei Soros und beim Staat

Auf der Fox-Liste stehen auch die Liga für Menschenrechte, SOS Racisme und der MRAP. Ausgerechnet. Die Open Society Foundations von George Soros führen die Liga in ihrem Länderblatt ausdrücklich als geförderten Partner und zählten 2017 in Frankreich exakt 50 Empfänger für 2,65 Millionen Dollar. Fünfzig. Die Zahl scheint im Stiftungswesen eine Art Gütesiegel zu sein. Der Einstieg in Frankreich begann laut eigener Darstellung Anfang der 2000er-Jahre mit Projekten für die muslimische Gemeinschaft und einer Studie über Polizeikontrollen nach Hautfarbe an Pariser Bahnhöfen. Rot-grün, nur eben mit Milliardärsstempel aus New York.

Noch peinlicher wird es für jeden, der hier eine ausländische Verschwörung wittert. Der französische Staat selbst überwies 2013 laut einer Antwort an die Nationalversammlung über eine halbe Million Euro an SOS Racisme, die Liga und den MRAP. Die angeblich subversive Front marschiert also teilweise mit Steuergeld und Soros-Zuschüssen gegen genau jene Regierung, die sie bezahlt. Allein die staatliche Agentur für sozialen Zusammenhalt schob SOS Racisme in jenem Jahr 255’000 Euro zu. Paris finanziert den Protest gegen Paris und wundert sich dann über die Rechnung. Wer also «ausländischer Einfluss» brüllt, sollte zuerst im eigenen Budget nachschlagen, wer da eigentlich wen kauft.

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Auch die Alarmanlage hat einen Sponsor

Bleibt die Gegenseite, die so empört auf die Geldflüsse zeigt. Fox lässt den Heritage-Mann Mike Gonzalez die «rot-grüne Allianz» erklären. Heritage gehört wiederum zu den Empfängern von DonorsTrust, das angebliche Branchenkenner als Geldautomaten der Rechten für dunkles Geld beschreiben. Derselbe Fonds schleust anonyme Spenden an Gruppen, die vor islamischer Unterwanderung warnen. Die Angst vor dem gekauften Protest ist also selbst ein gekauftes Produkt, nur mit besserem Marketing. Singham hat das Modell nicht erfunden, er hat es kopiert, wie die Linke einst Tides erfand (127 Millionen Dollar Ausschüttung in einem einzigen Jahr) und die Rechte nachzog.

Das ist keine Verschwörung, es ist ein Markt. Der eine kauft die Strasse, der andere kauft die Empörung über die Strasse und beide buchen es als Gemeinnützigkeit ab. Wer da noch glaubt, links und rechts kämpften gegeneinander, hat den Kontoauszug nie gelesen. Links kauft den Aufstand, rechts kauft die Panik davor. Beide Quittungen landen beim selben Steueramt als Spende. Die Schüler bekommen keine davon, sie bekommen Tränengas. Und die Ratten im Lycée Paul Éluard bleiben die einzigen Bewohner Frankreichs, die nachweislich niemand finanziert!

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