Die Weihnachtszeit ist eine Zeit der Ruhe und des Friedens, in der der Einkaufsstress das Schlimmste ist, was einem widerfahren kann – sollte man zumindest denken. Doch weit gefehlt! Der gehörnte, Teufels-ähnliche Krampus treibt sein Unwesen und führt all jene ihrer gerechten Strafe zu, die sich nicht zu benehmen wissen und deshalb von ihm als «unartig» eingestuft werden. Nach «Trick ‚r Treat» beweist Michael Dougherty erneut, dass er viel Liebe zum Horror-Genre hegt. Während der erste Teil des Films noch im Bereich der schwarzen Weihnachts-Comedy zu sehen ist, wird «Krampus» später zum waschechten Creature-Horror.
Für Leute, die mit Knecht Ruprecht sozialisiert wurden, steht nun eine neue Dimension der Angst auf dem Plan. Mit dem «Krampus» muss mein keine Angst mehr haben mit der Rute verprügelt zu werden, man wird gleich in den Höllenschlund gezogen. Die Österreicher haben einen lustigen Sinn für Humor. Den Krampus selbst hätte ich mir persönlich etwas «ziegenmässiger» vorgestellt, aber auch die gewählte Form ist sehr stimmig. Die Elfen sind grandios umgesetzt und auch die anderen Wesen haben mir als Fan von handgemachten Effekten und Puppen sehr imponiert. Es macht einfach Spass, die ganzen Kreaturen nach und nach zu entdecken. Der Film nimmt sich selbst nicht so ernst, daher kann er sich auch mehr Freiheiten erlauben. Man spürt die Liebe und den Spass aller beteiligten in jeder Minute des Filmes und es ist mir schleierhaft, wie man sich seinem Charme entziehen kann. Für mich reiht sich der Film in Klassiker der Horror-Comedy-Märchen Perlen wie Gremlins, Critters und dergleichen ein. Eine ernstzunehmende Message hat der Film auch – denn viel zu oft lassen wir uns von Hass, Enttäuschung und Negativität leiten, anstatt das Positive wertzuschätzen: die Hoffnung, die Liebe und das Miteinander. Daran möchte uns der Film erinnern und auch daran das innere Kind nicht sterben zu lassen.
Drehbuch und Setting wissen gänzlich zu gefallen und auch vom visuellen Aspekt her ist Dougherty’s blutarmes und gewaltzahmes Festtags-Spektakel ein echter Hingucker. Wer einen «richtigen» Schocker erwartet, wie es der Trailer teilweise suggeriert, wird dagegen herbe enttäuscht werden. Es gibt einiges zu Lachen und die ein oder andere unerwartete Wendung hat der Film auch. Krampus ist ein atmosphärischer Streifen mit einer für das Horrorgenre untypisch interessanten Story. Die Effekte sind an der Grenze zum Kitsch, was der ganzen Weihnachtsatmosphäre aber positiv zu gute kommt. Das ganze Setting mutet zwar weihnachtlich und dennoch düster, kühl und gruselig an und die tolle Ausleuchtung sowie die ungewöhnliche Kameraarbeit tun ihr Übriges. Manchmal erinnern die schiefen Kamerawinkel an Sam Raimis Horror-Meisterwerke und beschwören nicht selten deren atmosphärische Dichte herauf. Was man «Krampus» eventuell vorwerfen könnte ist, dass er hin und wieder etwas lautstark daherkommt. Statt dem subtilen Grusel Platz zu lassen, wird «Krampus» oft zu einem optischen Dauerfeuer ohne grosse Schockmomente. Ich empfand dies nicht als wirklich störend, bei diesen Kreaturen wäre aber mehr drin gewesen. Den Anspruch hat «Krampus“» aber nicht und darauf muss man sich eben einlassen.
Wie erwähnt verlässt sich Dougherty sehr wenig auf CGI und arbeitet in grossen Teilen mich echten Puppen, was im Creature-Design sehr positiv zu Buche schlägt. Dass er sich hierbei auf eine österreichische Sage stützt, macht das Thema noch sehr viel interessanter. Die Erzählung aus der Sicht des kleinen Max unterstützt das Märchen-Setting und statt billiger Jumpscares bekommen wir viel Spass und eine grosse Liebe zum Detail geboten. Sei es die furchteinflössende Aura des Krampus oder der melancholische Blick der Schneemänner, die Optik grenzt an Perfektion. Für den schaurigen Look von Krampus, die Computer-Effekte als auch die gruseligen Puppen zeigen sich die Designer von WETA verantwortlich. Beim Design des Sets hatte ich den Eindruck, dass man sich teilweise an Tim Burton Filmen orientiert hat. Toni Collette und Adam Scott als Eltern und Conchata Ferrell (Berta aus «Two and a Half Men») als sarkastische «Tante Dorothy» machen schauspielerisch auch einen guten Job. Zugegeben, der Film hat keine komplexe Handlung, doch die Reihenfolge der Opfer ist anders als man es sonst kennt und das Ende hat für mich einen hübschen «Dellamorte Dellamore» Touch, auch wenn es nicht ganz so WTF? rüberkam.
Krampus ist eine sehr gelungene Mischung aus klassischem Creature-Horror und einem urigen Vorstadt-Märchen. Das düstere, weihnachtsdekolastige und tief verschneite Set und die teils gruseligen Figuren sorgen für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Ich hab mich schon gefragt wo die ganzen innovativen Horrorfilme denn alle geblieben sind – hier ist einer! Krampus ist ein Film, auf den man wahrscheinlich Jahre warten musste. Ein Klassiker. Ein Fest für die Augen und die Sinne und eine Reise ins Labyrinth der Schreckfiguren. Definitiv ein sehr cooler Film und der wird wohl ab diesem Jahr für mich zum Pflichtprogramm gehören um in die richtige Weihnachtsstimmung zu kommen. Amüsante Unterhaltung zur Weihnachtszeit, wenn es mal kein versöhnlicher Familienfilm sein soll. St. Nicholas is not coming this year. This Christmas, be careful what you wish for…





«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








