«Santas Slay» ist herrlich schrill, fies, tödlich! Man muss einfach diese Art Humor mögen und gerne hätte der Santa sich noch etwas blutiger durch die Festtage meucheln können, jedoch finde ich es auch so relativ brutal – und vorallem lustig. Denn Santa Claus ist in Wahrheit der Sohn des Teufels, der vor langer Zeit eine Wette gegen einen Engel verloren hatte und daraufhin gezwungen war, 1000 Jahre lang den Weihnachtsmann zu spielen. Doch nun, im Jahr 2005, ist dieser Zeitraum abgelaufen, und Santa zeigt sein wahres, dämonisches Gesicht – und er will Rache! Eine weitere Runde „Etwas andere Weihnachtsfilme“ ist eingeläutet.
Nur die wenigsten professionellen Wrestler schaffen es, tatsächlich zum Schauspieler zu mutieren. Pauschal ist Dwayne «The Rock» Johnson der einzige, der in meinem Gedächtnis spontan über die B-Movie-Hürde springen kann. Sein Kollege Bill Goldberg hat sich wesentlich seltener vor die Kamera gewagt und im Jahr 2005 den Weihnachtsmann in «Santa’s Slay» gegeben. Schon auf den ersten Blick kristallisiert sich vor allem eines heraus: Der Film mag vieles sein, aber er ist eindeutig kein ernstzunehmender Beitrag zum Horrorgenre. Das war dem Team um Regisseur David Steinman aber offensichtlich absolut bewusst, denn ernst nimmt sich der Film selbst ebenfalls nicht. Die Atmosphäre, die dadurch entsteht, ist dementsprechend auch angenehm selbstironisch. Es wird alles mit einem Augenzwinkern betrachtet, seien es nun die Leute, die Weihnachten durch und durch leben, die Verweigerer oder auch diejenigen, die aus Glaubensgründen ganz darauf verzichten. Auch Bräuche und nicht zuletzt auch die Kirche werden gezielt durch den Kakao gezogen.
Spannend ist die Geschichte dabei allerdings nur bedingt, denn die Story ist ganz offensichtlich auf dem Reissbrett entstanden. Natürlich ist die Hetzjagd des teuflichen Weihnachtsmannes ziemlich temporeich ausgefallen, aber trotzdem fällt es nicht sonderlich schwer, die Entwicklung schon recht früh vorauszusagen. Man beschränkt sich also grundsätzlich mehr auf die visuellen Unterhaltungswerte, was auch ganz gut funktioniert. Die Darsteller passen zum B-Moviecharme, den der Film von Anfang an versprüht. Bill Goldberg ist, schon bedingt durch seine Statur, ein sehr ungewöhnlicher Santa Claus. Er mordet sich durch die Gegend und haut dabei Oneliner raus, die stellenweise sogar recht gut funktionieren. Das erfordert nun nicht unbedingt übermässig viel darstellerisches Talent, macht aber trotzdem Spass. Auch die anderen Hauptfiguren, Mac und Nicholas, sind nicht übermässig tiefgründig ausgefallen, sondern erfüllen in erster Linie ihren Zweck. Sie treiben die Geschichte voran, sind in ihren Gedankengängen aber nicht immer besonders logisch aufgebaut. Die Darsteller Douglas Smith und Emelie de Ravin sind zwar offensichtlich mit Spass bei der Sache, aber man merkt ihnen doch deutlich an, dass es eben «nur» ein B-Movie ist. Macht aber nichts, denn das passt ja ins Unterhaltungskonzept.
Von den Effekten sollte man nicht zu viel erwarten. Die Kills unseres unfreundlichen Weihnachtsmannes sind nicht übermässig ausgefallen, auch wenn die Eröffnungssequenz zunächst darauf hindeutet. Gorehounds werden also mit «Santa’s Slay» definitiv nicht glücklich werden. Was zu sehen ist, ist aber technisch ganz ansprechend umgesetzt und man verzichtet komplett auf CGI-Spielereien, was ich nur mit einem dankbaren Kopfnicken zur Kenntnis nehmen kann. Obwohl das vielleicht speziell den vor dem BlueScreen gedrehten Flugszenen mit Santas diabolischem Rentierschlitten vielleicht noch einen gewissen Pepp hätte geben können. «Santa’s Slay» ist kein Film für die breite Masse. Man merkt an allen Ecken und Enden, dass es sich nicht um einen hochbudgetierten Hollywood-Blockbuster handelt. Vielmehr gibt es einen Film mit einer Menge B-Moviecharme, auf den konsequent gesetzt wird. Das fängt bei den Darstellern an, geht über die Geschichte und hört bei den Effekten auf. Ich mag B-Movies und habe mich in den knapp 82 Minuten gut unterhalten gefühlt. Wer allerdings nicht auf diese Art von Film steht, sollte lieber die Finger davon lassen. Meinetwegen könnte es mehr solcher Filme geben. Diesen werde ich mir auf jeden Fall noch öfter reinziehen…




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