Es ist also soweit. Kein dramatischer Trommelwirbel aus Los Angeles, kein Streik vor den Studios, kein Oscar für «Beste Existenzkrise». Sondern eine nüchterne Ankündigung aus China: ByteDance, die Firma hinter TikTok, bringt ein KI-Videomodell namens Seedance 2.0. Ein Quantensprung, sagen die einen. Zivilisationsbruch, sagen die anderen. Hollywood sagt vermutlich gerade gar nichts, sondern ruft seinen Anwalt an.

Die bisher veröffentlichten Clips sind nicht «ganz nett für KI». Sie sind verstörend gut. Nicht in diesem charmant-holprigen Sinne früherer KI-Versuche, bei denen Menschen sechs Finger hatten und Autos rückwärts atmeten. Sondern in der Kategorie: Wenn du nicht weisst, dass es KI ist, hältst du es für eine teure Produktion mit Lichtteam, Tonmeister und einem Regisseur mit schwarzem Rollkragen.

Seedance 2.0 akzeptiert Vorgaben wie ein hypermotivierter Praktikant ohne Gewerkschaftsschutz: Textprompts, Tonspuren, erster Frame, letzter Frame, ein Cartoon-Panel, ein bestehender Videoclip, aus dem Kamerafahrten extrahiert werden. Zeichentrick oder fotorealistisch, Lippensynchronisation, Sounddesign, Special Effects. Alles drin. Lernkurve? Praktisch nicht vorhanden.

Aktuell sind es 15 Sekunden pro Clip. Voll vertont. Für rund einen Euro. Ein Euro. In Hollywood bekommt man dafür nicht einmal den Parkplatz vor dem Studio.

Das Beispiel ist fast schon gemein in seiner Schlichtheit: Ein Foto einer jungen Frau. Ein Foto eines Gesichtspflegeprodukts. Ein Prompt: «Erstelle ein Influencer-Video, in dem sie das Produkt benutzt und erklärt.»
Das Ergebnis: Schnitte, Zooms, Lippenbewegungen, Stimme, Ton, Stil. Kaum vom realen Influencer-Material zu unterscheiden. Und das ohne Kamera, ohne Drehgenehmigung, ohne Gage, ohne Cateringwagen.

Willkommen im Zeitalter der synthetischen Authentizität.

Der Tod der Traumfabrik – oder ihr Upgrade?
Für ambitionierte Filmemacher ist das natürlich ein Traum. Jahrzehntelang hiess es: Du brauchst Budget, Kontakte, Equipment, Glück. Jetzt benötigst du einen Laptop, eine Idee und Kleingeld für die Plattform. Die Demokratisierung der Filmproduktion ist keine Metapher mehr, sondern eine Abrechnung.

Doch während Indie-Kreative jubeln, dürften die Chefetagen von The Walt Disney Company, Warner Bros. oder Universal Pictures leicht nervös auf ihre Tabellen schauen. Wenn 15 Sekunden für einen Euro gehen – was passiert bei 90 Minuten? Was passiert, wenn KI Drehbuch, Casting, Kamera, Schnitt und Vertonung in einem Rutsch liefert?

Hollywood lebt von Kontrolle. Kontrolle über Stars, Narrative, Budgets, Verwertungsketten. KI-Videomodelle reissen diese Kontrolle auf wie eine Studiotür bei einem Orkan. Plötzlich kann jeder eine Szene erzeugen, die visuell mit Blockbustern konkurriert. Nicht perfekt, nicht sofort. Aber schnell genug, um das Machtgefüge zu verschieben.

Und dann ist da das Internet. Sobald Seedance 2.0 für alle verfügbar ist, wird es keine gemütliche Testphase geben. Es wird eine Flut. Werbung, Fake-News, Musikvideos, Kurzfilme, Propaganda, Deepfakes, Kunst, Trash. Alles gleichzeitig. Das Auge verliert seinen letzten Rest an Vertrauen.

Bisher konnte man zumindest noch sagen: «Das sieht zu gut aus, um fake zu sein.»
Dieser Satz ist abgelaufen.

Kreative Freiheit oder totale Verwirrung?
Die Euphorie ist verständlich. Endlich können Ideen ohne Studiofilter umgesetzt werden. Kein Produzent, der fragt, ob das massentauglich ist. Kein Casting-Direktor, der Marktanalysen zitiert. Reine Vision.

Aber Vision ohne Verifikation ist ein zweischneidiges Schwert. Wenn jedes Gesicht, jede Stimme, jede Szene generierbar ist, wird Realität zur Option. Die Grenze zwischen Dokumentation und Inszenierung löst sich auf wie Nebel im Scheinwerferlicht.

Hollywood hat jahrzehntelang Illusion verkauft. Jetzt bekommt es Konkurrenz von einer Maschine, die Illusion billiger, schneller und unermüdlich produziert. Und ohne Stars, die sich beschweren.

Der echte Wendepunkt
Das hier ist kein weiterer Hype-Zyklus. Kein Feature-Update. Es ist ein struktureller Bruch. Filmproduktion wird von einem kapitalintensiven Industrieprozess zu einer skalierbaren Softwarefunktion.

Die Studios können sich wehren. Mit Klagen, mit Lizenzen, mit Lobbyarbeit. Aber sie kämpfen gegen Mathematik. Und Mathematik gewinnt selten durch Nostalgie.

KI wird Hollywood nicht über Nacht auslöschen. Aber sie wird es entkernen. Drehbuchautoren, Cutter, VFX-Teams, Komparsen – viele Rollen werden schrumpfen, verschmelzen oder verschwinden. Die Traumfabrik wird zur Datenfabrik.

Und das Publikum? Wird konsumieren. Wie immer. Nur dass es diesmal nicht mehr weiss, ob es einem Menschen applaudiert oder einem Prompt.

Seedance 2.0 ist kein nettes Spielzeug. Es ist der Moment, in dem Film endgültig zu Code wird. Und Code kennt keine Gewerkschaft, keine Mittagspause und kein Ego.

Hollywood hatte hundert Jahre Vorsprung.
Der Algorithmus braucht offenbar nur ein paar Monate…

Hier ein paar Beispiele, die zeigen, was Seedance auf dem Kasten hat:

Bratt Pitt vs Tom Cruise

Hollywood, du kannst einpacken – die KI übernimmt, Seedance 2.0 ist da
Hollywood, du kannst einpacken – die KI übernimmt, Seedance 2.0 ist da

New Spiderman Trailer

Hollywood, du kannst einpacken – die KI übernimmt, Seedance 2.0 ist da
Hollywood, du kannst einpacken – die KI übernimmt, Seedance 2.0 ist da

Will Smith eating Spaghetti

Hollywood, du kannst einpacken – die KI übernimmt, Seedance 2.0 ist da
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Will Smith fighting a Spaghetti Monster, Epic Action Film Scene, different Cuts, 80s Movie Scene

Hollywood, du kannst einpacken – die KI übernimmt, Seedance 2.0 ist da
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