Ein Grossgrundbesitzer sät nicht, er erntet. Er kauft das Land, auf dem andere arbeiten müssen, verpachtet es teuer und lässt die Pächter jene Hypothek abstottern, mit der er den Hof gekauft hat. Genau so funktioniert das moderne Infrastrukturgeschäft und BlackRock hat sich darin einen der drei grössten Höfe gesichert: Wasser, Strom, Häfen, Rechenzentren. Wer trinkt, surft oder einen Lichtschalter drückt, zahlt Pacht. Wie das Endstadium aussieht, lässt sich an der Themse besichtigen: Knapp 20 Milliarden Pfund Schulden, Fäkalien im Fluss, Halteprämien für die Verwalter und Hedgefonds, die um die Ruine feilschen, während der Staat schon den Rettungsring bereithält.
Der Gutshof heisst jetzt GIP
Am 1. Oktober 2024 schloss BlackRock die Übernahme von Global Infrastructure Partners ab, für 12,55 Milliarden Dollar. Larry Fink sprach von einer Anlagechance für Generationen. Gemeint war seine Generation von Anlegern, nicht deine Kinder, die später die Gebühren begleichen. GIP verwaltete schon damals über 100 Milliarden Dollar in Energie, Verkehr, Wasser, Abfall und Digitalem. Mit dem Kauf rückte BlackRock laut Branchendienst Preqin unter die drei grössten Infrastrukturverwalter der Welt, gleich hinter Brookfield und Macquarie. Merk dir den letzten Namen, er taucht gleich an der Themse wieder auf. In Frankreich gehören GIP 40 Prozent des Wasserkonzerns Suez. In Minnesota kaufte die BlackRock-Tochter mit einem kanadischen Pensionsfonds den Stromversorger Allete für 6,2 Milliarden Dollar. Eine Verwaltungsrichterin riet ausdrücklich ab: Die neuen Besitzer planten erhebliche Tariferhöhungen und würden die Firma drängen, die Tarifbasis aufzublähen, um die Rendite zu maximieren. Die Aufsicht winkte das Geschäft trotzdem durch, gegen ein Jahr Tarifstopp. Ein Jahr. Danach gehört die Ernte wieder dem Gutsherrn.
Im Juli 2026 kam der nächste Acker dazu: Mit dem Emirats-Investor MGX übernahm GIP die Rechenzentren von Aligned für rund 40 Milliarden Dollar, die beteiligte KI-Partnerschaft will bis zu 100 Milliarden mobilisieren, Schulden eingerechnet. Aligned betreibt 51 Standorte mit über 6,4 Gigawatt geplanter und laufender Leistung, also der Leistung von rund sechs grossen Atomkraftwerken, die künftig nicht für Haushalte, sondern für Serverhallen surren. Nur am Panamakanal kam dem Gutsherrn jemand zuvor. Panamas Oberstes Gericht annullierte die Hafenkonzession des Verkäufers CK Hutchison und brachte das 23-Milliarden-Paket für BlackRock und MSC ins Wanken.
Lehrstück an der Themse
Wie die Pacht im Endstadium eingetrieben wird, zeigt Thames Water. Der Gutsherr hiess dort nicht BlackRock, sondern Macquarie, das Lehrbuch ist dasselbe. 2006 kaufte ein Macquarie-Konsortium Londons Wasserversorger mit geliehenem Geld. Laut BBC wurden mindestens 2 Milliarden Pfund dieser Kaufschulden später über eine Tochter auf den Cayman-Inseln der Firma selbst aufgeladen, die Renditen lagen bei 15,5 bis 19 Prozent im Jahr. Gleich im ersten Jahr floss eine Dividende von 656 Millionen Pfund, mehr als der Gewinn. Bis 2017 summierten sich die Ausschüttungen auf rund 2,8 Milliarden, die Schulden stiegen von 3,4 auf 10,8 Milliarden. Heute sind es knapp 20 Milliarden.
Bezahlen dürfen die Pächter. Die Aufsicht genehmigte eine Erhöhung der Wasserrechnung um 35 Prozent auf 588 Pfund, verlangt hatte Thames 53 Prozent. Für marode Kläranlagen setzte es 104,5 Millionen Pfund Busse, dazu 18,2 Millionen für Dividenden von fast 170 Millionen, die laut Aufsicht nicht gerechtfertigt waren. Gleichzeitig kassierten 21 Kaderleute Halteprämien von 2,46 Millionen, die zweite Tranche wurde erst nach öffentlichem Aufschrei vertagt. Inzwischen hängt der Konzern am Tropf einer Notkreditlinie, 2,48 von 3 Milliarden sind gezogen, zum fünfzehnten Mal betteln die Manager bei den Gläubigern um Aufschub. Scheitert auch das, droht die Sonderverwaltung und dann steht der Steuerzahler für den Betrieb gerade.
Die Verkäufer sitzen im Rathaus
Der Gutsherr kauft nur, was ihm jemand verkauft. 1999 verscherbelte der Berliner Senat knapp die Hälfte seiner Wasserbetriebe an RWE und Veolia, für 3,3 Milliarden Mark. Damit sich das für die Käufer auch lohnte, stand eine Gewinngarantie im Vertrag. Die Wasserpreise stiegen, die Verträge blieben geheim, bis die Bürger sie per Volksentscheid ans Licht zerrten. Dann kaufte Berlin zurück: 618 Millionen Euro an RWE, 590 Millionen an Veolia, plus Nebenkosten.
Zuvor hatte das Bundeskartellamt eine Senkung der Trinkwasserpreise um 18 Prozent verfügt, ein amtliches Geständnis, wie üppig die Garantierendite kalkuliert war. Getilgt wird der Kredit aus den Gewinnen der Wasserbetriebe, also aus deiner Wasserrechnung. Die Berliner haben ihr Wasser damit zweimal bezahlt: Einmal als Garantierendite für die Konzerne, einmal als Rückkaufpreis. So läuft das Spiel von Bürgermeistern, Senatoren und Gemeinderäten. Sie stopfen ein Haushaltsloch für eine Legislatur und verpfänden dafür die Quelle für eine Generation. Fink benötigt dafür keine Bestechung, ihm genügt ein Kämmerer mit Bilanzsorgen.
Der Pöbel liest beim Gutsherrn Zeitung
Bleibt die Frage, warum sich die Pächter das gefallen lassen. Vielleicht, weil sie ihre Nachrichten bei denselben Herren beziehen. BlackRock zählt neben Vanguard und State Street zu den grössten Aktionären von Warner Bros. Discovery, dem Konzern hinter CNN. Passive Indexanlage, heisst es dann. Sicher. Auch der Grossgrundbesitzer betritt seinen Acker selten, er lässt verwalten. Dass er seine Weltordnung offen predigt, steht hier schon unter «Blackrock propagiert den Feudalismus». Wie er sich dazu passende Politiker hält, zeigt der BlackRock-Kanzler und wohin die Reise geht, beschreibt der Great Reset nach BlackRock-Art. Die Larrys dieser Welt wären nichts ohne Kämmerer, die verkaufen, Aufseher, die durchwinken und Bürger, die zahlen, statt zu fragen. Die Dividenden sind ausbezahlt, die Schulden liegen bei den Kunden in London. Der Gutsherr wechselt, die Pacht bleibt. Früher benötigte ein Feudalherr Landsknechte, um den Zehnten einzutreiben, heute genügt ein Zähler im Keller. Und wer seine Quelle einmal verkauft hat, darf sie danach ein Leben lang zurückkaufen, Tropfen für Tropfen!











«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.







