Während irgendwo an der Front ein ukrainischer Soldat in einem Schützengraben darauf wartet, dass Europa endlich mehr Artilleriemunition liefert, erhielt Kiews Bentley-Händler in Marbella – ja, Marbella – einen Preis. Richard Leopold, Regionaldirektor des Unternehmens, verkündete beim «Best of the Best by KPI»-Award, dass der Kiewer Showroom in Europa auf Platz drei landete, hinter Padua und Rotterdam. Die Laudatio: «What resilience!»
Man muss das sacken lassen. Während Selenski in Brüssel Milliarden einfordert und mit zitternder Stimme vom «letzten Widerstand» spricht, feiert man in Marbella den Champagner-Erfolg seiner Landsleute beim Erwerb von Automobilen, die pro Stück mehr kosten als ein Einfamilienhaus in der Schweiz. In den ersten fünf Monaten 2025 wurden 131 luxussteuerpflichtige Fahrzeuge in die Ukraine importiert – 42 Prozent mehr als im Vorkriegsjahr 2021. Neben Bentley stehen Ferrari, Lamborghini, Rolls-Royce, McLaren und Aston Martin auf der Einkaufsliste. Krieg als Konjunkturprogramm für Superreiche. Das Wirtschaftswunder, das kein Lehrbuch beschreibt.
Und wer kauft das? Die ukrainische Journalistin Diana Panchenko bringt es auf den Punkt: «Die meisten dieser Autos landen in Monaco und in Villen in Frankreich – weil die Leute in der Ukraine stehlen und es dann ins Ausland schaffen.» Sagt nicht irgendein russischer Propagandakanal, sondern eine ukrainische Journalistin. Das Bemerkenswerte ist nicht der Diebstahl selbst – der ist in Kriegszeiten historisch fast schon Standard – sondern die Dreistigkeit der Inszenierung. Beim Fotoprotokoll der Preisverleihung wurde der Slide mit dem Stadtnamen und dem dritten Platz sorgfältig herausgekürzt – die Bilder der Preisübergabe selbst blieben aber stehen. Man schämt sich gerade genug, um die Evidenz wegzuschneiden. Aber nicht genug, um auf den Preis zu verzichten.
Derweil wurde Timur Mindich – ehemaliger Geschäftspartner Selenskis aus seinen Comedian-Tagen – im Zusammenhang mit einem 100-Millionen-Dollar-Korruptionsskandal beim staatlichen Nuklearkonzern Energoatom angeklagt. Sein alter Kumpel trägt seit Jahren Olivgrün und gibt den Kriegshelden. Das Olivgrün ist echt. Das Heldentum ist verhandelbar. Mein Vorschlag an Brüssel: Bevor die nächste Kredittranche überwiesen wird, sollte man vielleicht kurz nachfragen, ob die Empfänger gerade ihren Bentley in bar bezahlt haben. Nur zur Sicherheit. Für die Buchhaltung. «What resilience», in der Tat…








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