Kennst du Kurt Krömer, den Gastgeber der gleichnamigen TV-Show «Chez Krömer»? Dann weisst du, wie der linke Rassist aussieht (falls das eine Kategorie ist, in der du denkst), denn Kolumnist Jan Fleischhauer bringt es in seiner Kolumne treffsicher auf den Punkt:
Auf kaum etwas ist man links der Mitte so stolz wie auf die Sensibilität gegenüber Minderheiten. Wenn das Feindbild stimmt, ist dafür alles erlaubt: Da darf man als Linker seinen Ressentiments freien Lauf lassen.
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Krömer hat in der Medienwelt deutlich mehr Fans als Kawusi. Vor allem im Feuilleton, wo Gesinnung seit jeher vor Witzigkeit geht, gilt der RBB-Moderator als ganz große Nummer. […] viele der Leute, die Krömer nachweinen, haben seine Auseinandersetzung mit Kawusi nicht gesehen. Hätten sie diese gesehen, wüssten sie, dass es nicht nur rechte, sondern auch linke Rassisten geben kann.
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Solange das Feindbild stimmt, ist alles erlaubt, einschließlich der ubiquitären Verwendung von Beleidigungen wie „Arschloch“ und „Arschgeige“. Dann darf man dem Gegenüber sogar vorhalten, er habe wohl einen „Gen-Defekt“, weil er Witze reißt, die man geschmacklos findet, oder ihn „Diggi“ nennen, was nicht mehr weit weg vom N-Wort ist. Nur Scherze über K.-o.-Tropfen gehen auf keinen Fall. Dabei bleibt es, selbst bei Krömer.
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Ihren besten Moment hat die Abschiedsfolge von „Chez Krömer“ kurz vor Ende. „Warum trittst du immer nach unten?“, fragt Krömer da. Worauf Kawusi geistesgegenwärtig genug ist zu antworten: „Wo siehst du denn mich, das afghanische Flüchtlingskind? Wo trete ich denn nach unten? Ich bin doch selbst Kanacke. Das würde ja bedeuten, dass die Black Community in Deutschland unter der afghanischen Community steht. Wer erstellt denn diese Tabelle?“ Das ist eine unabweisbare Argumentation, zu der dem Moderator nichts mehr einfällt außer der lahmen Replik, dass dies immer noch kein Grund sei, sich rassistisch zu äußern.Fassen wir zusammen: Der gute Migrant betrachtet Schwarze auf der Minderheitenskala als eine Art Bodensatz, weshalb es sich verbietet, über sie so zu spotten, wie man über andere spotten würde. Weil: Das wäre ja nach unten treten. Das ist nicht nur reichlich verrückt, das ist, wenn man darüber nachdenkt, sogar ziemlich rassistisch. Zumal wenn es als Vorgabe von einem Moderator kommt, der so weiß ist wie ein Taschentuch. Ein privilegierter, weißer Dude, der Mobbingopfer darüber belehrt, was sie über Minderheiten sagen dürfen und was nicht: „Cringe, Digga“, wie man in der Szene sagen würde.
Die Linke bildet sich viel ein auf ihre Rücksichtnahme auf Minderheiten. Aber selbst der beste Linke kommt nicht ohne Ressentiments aus. Die gute Nachricht ist: Auch als linker Durchschnittsmann kann man seinen Vorurteilen freien Lauf lassen. Man muss halt nur darauf achten, dass diejenigen, über die man sich rassistisch oder homophob oder frauenfeindlich äußert, politisch auf der anderen Seite stehen. Dann ist alles okay. Dann ist man selbst in den feinen Etagen der „Süddeutschen“ oder der „Zeit“ weiterhin ein gern gesehener Gast.







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