Während die Modellierer den Weltuntergang in die Rechner tippten, tat ein Mann das Undenkbare: Er ging messen. John Ioannidis, Stanford-Professor und einer der meistzitierten Wissenschaftler der Welt, warnte im März 2020 vor Entscheidungen ohne verlässliche Daten, zählte die Kollateralschäden des Lockdowns auf und liess Blutproben auf Antikörper testen, statt Kurven zu malen. Zum Dank schrieben ihm die grossen Medien den Ketzer-Status zu, die New York Times versenkte seinen Text und YouTube löschte sein Interview mit einer Million Klicks. Am Ende bestätigten die Daten aus Zürich, Genf und Österreich seine Zahlen – bestraft wurde nicht der Irrtum, bestraft wurde die Messung.
Der Mann, der Daten wollte
Am 17. März 2020 veröffentlichte Ioannidis seine berühmt gewordene Warnung vor einem «Evidenz-Fiasko»: Die Staaten sprängen von der Klippe, ohne zu wissen, wo sie landen. Im British Medical Journal listete er auf, was die Ausgangssperren anrichteten: Herzinfarktpatienten, die sich aus Ansteckungsangst nicht mehr ins Spital trauten, verschleppte Krebsbehandlungen, steigende Suizidraten, mehr häusliche Gewalt und Kindesmisshandlung, explodierende Waffenverkäufe. Nutzen und Schaden sollten abgewogen werden, forderte er – eine Selbstverständlichkeit jeder Medizin, die 2020 als Häresie galt. Mit hochrangigen Kollegen versuchte er im März, bei der US-Corona-Taskforce vorzusprechen: Man solle das Land nicht auf unbestimmte Zeit stilllegen und stattdessen dort schützen, wo tatsächlich gestorben wird – in Pflegeheimen und Spitälern. Er wurde nicht einmal vorgelassen. Was das Wegsperren ganzer Bevölkerungen stattdessen brachte, wirkt bis heute nach.
Blut statt Bildschirm
Anfang April 2020 startete Ioannidis mit Kollegen im kalifornischen Santa Clara County eine Antikörper-Studie: Über 3000 Menschen wurde Blut abgenommen und auf durchgemachte Infektionen geprüft – erstmals wurde gemessen statt modelliert. Das Resultat, später im International Journal of Epidemiology publiziert, war eine Ohrfeige für die Panikrechner: Ende März 2020 gab es dort 56 Mal mehr Infektionen, als die Tests offiziell erfassten. Die Infektionssterblichkeit lag bei höchstens 0,2 Prozent, bei den unter 70-Jährigen bei 0,07 Prozent. Der Aufschrei folgte prompt: «Dubiose Methode», unplausibel, Rosinenpickerei – gerufen von Wissenschaftlern, deren eigene Schätzungen höher lagen und die selbst keinen einzigen Tropfen Blut gemessen hatten.
Gelöscht, umgeschrieben, abserviert
Was dann geschah, dokumentierte Ioannidis später selbst: Die New York Times schrieb seinen Gastbeitrag erst halb um und teilte ihm dann mit, man drucke ihn gar nicht. Stat News verlangte umfangreiche Revisionen und beschied dem Mitbegründer der evidenzbasierten Medizin, kein Experte denke wie er. YouTube löschte ein Interview mit ihm, das bereits eine Million Klicks hatte. Der Hintergrund war nackte Politik: Wer die Gefahr tiefer einstufte, galt als Trump-Helfer – und das wissenschaftliche Establishment wollte Trump loswerden. Wie weit der Furor reichte, zeigen Indizien, wonach US-Zulassungsbehörde und Pfizer die Impfstoff-Freigabe absichtlich bis nach der Präsidentschaftswahl hinauszögerten – mitten in der angeblich tödlichsten Seuche des Jahrhunderts liess man den Retter im Kühlschrank warten, um eine Wahl zu drehen.
Der einzige Narr mit Rückgrat
Dann leistete sich Ioannidis den Fehler, den ihm die Meute nie verzieh: Im April 2020 schätzte er gegenüber der Washington Post, Covid werde in jener Saison in den USA weniger als 40’000 Tote fordern. Es wurden weit über 100’000. Doch statt sich wie die Modellierer-Zunft in Szenario-Ausreden zu flüchten, tat er, was in diesem Gewerbe sonst niemand tat: Er gestand den Fehler öffentlich ein. Er habe sich wie ein Experte benommen – und damit wie ein Narr, schrieb er im Sommer 2020. Hätte er gewusst, dass positiv getestete Patienten massenhaft in Pflegeheime verlegt würden, hätte er seine Schätzung um ein Vielfaches erhöht. Und er benannte den Zähltrick: Als Covid-Todesfall galt inzwischen, wer «an», «mit» oder sogar «ohne dokumentiertes» Covid starb. Von den gut 103’000 US-Toten jener Saison hatten 94 Prozent schwere Begleiterkrankungen, 42 Prozent lebten im Pflegeheim. Wie beliebig sich mit solchen Definitionen jede gewünschte Notlage erzeugen lässt, ist ein Kapitel für sich.
Die Messlatte bestätigt den Ketzer
Und die Zahlen? Sein Weltdurchschnitt von 0,23 Prozent Infektionssterblichkeit erschien im Bulletin der WHO, für das ältere Europa schätzte er 0,3 bis 0,4 Prozent. Die Zürcher Antikörper-Studie ergab für Anfang April 2020 rund 0,3 Prozent, die Genfer Hochrechnung 0,45 bis 0,64 Prozent – und ohne die Pflegeheime, wo sich die Todesfälle konzentrierten, halbierte sich der Wert. Österreich mass für das impffreie Jahr 2020 gemittelt etwa 0,3 Prozent. Fairerweise: Es gab Ausreisser nach oben, das überalterte Tessin erreichte zeitweise über 1 Prozent – doch die grosse Mehrheit der Orte lag unter 0,3. Das Imperial College rettete seine Horrorzahl von 1,15 Prozent derweil mit einem Taschenspielertrick: Es liess nur Antikörper-Studien mit über 100 registrierten Todesfällen zu – wer die Studien mit wenig Toten aussortiert, erhält garantiert viel Sterblichkeit. Auch diesen Kniff deckte Ioannidis auf. Die Medienkarawane war da längst weitergezogen – zu den nächsten Propheten.
Die Moral von der Geschicht
Die Schlussabrechnung der Leitmedien las sich so: Die FAZ nannte Ioannidis einen angeschlagenen «Statistikhelden», der Corona verharmlose. Die Tamedia-Blätter fanden seine Zahl «unglaubwürdig» – zu einem Zeitpunkt, als Zürich exakt in seiner Spanne lag. Und der Berner Ein-Prozent-Prophet höchstpersönlich befand die Arbeit des Meta-Forschungs-Pioniers im NZZ Magazin als «erstaunlich schludrig» – der Mann, der um Faktor zwei danebenlag, benotete den Mann, der richtig lag! Der Einzige, der seinen Fehler eingestand, wurde als Narr verlacht – die Serientäter, die keinen einzigen eingestanden, wurden zu Rittern der Wissenschaft geschlagen! Wer mass, wurde gelöscht, wer modellierte, wurde gedruckt – die Wahrheit brauchte drei Jahre und Antikörper, die Panik nur eine Pressekonferenz! Und wer heute nachrechnet, wer damals recht hatte, gilt schon wieder als Verharmloser – man nennt dies «Konsens»!










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