Zwei Jahre alt, 4,4 Millionen Aufrufe allein auf YouTube und die Wunde klafft wie am ersten Tag: «Hexenjagd» von Weimar ist die musikalische Ohrfeige für die Zahnfee aus Berlin und ihren gesamten Hofstaat. Die Jagd, die der Song besingt, wurde nie abgeblasen. Sie hat bloss das Revier gewechselt.
Wer Weimar seit «Anders als die Andern» kennt, weiss, dass die Band Texte schreibt und ihre Gegner Etiketten kleben. Im Mai forderten rund 130 Kulturschaffende unter dem Motto «Keine Bühne für rechte Kultur!» die Absage des Konzerts in Holzerode bei Göttingen, Universal hatte die Zusammenarbeit längst gekündigt. Am Ende wurde der Auftritt wegen «sicherheitsrelevanter Mängel» am Veranstaltungsort per Beschluss untersagt und die Ersatzbühne scheiterte an der Bürokratie. Der Nachgeschmack: Zwei Göttinger Vereine und eine Einzelperson unterschrieben strafbewehrte Unterlassungserklärungen, räumten «ggf. wahrheitswidrige oder jedenfalls nicht beweisbare Tatsachenbehauptungen» ein und zahlten zusammen 7860 Euro. In Magdeburg durften Weimar am 18. September spielen und lieferten ein verdammt starkes Konzert ab.
Dieselbe Inquisition tobt in der Schweiz munter weiter. Granit Xhaka kniet vor dem Staatsanwalt und fehlt der Nati. Breel Embolo, der sich im Februar 2021 zwei gefälschte Testzertifikate bestellte, als nur Risikopersonen impfberechtigt waren und sich später dreimal impfen liess, wird für einen längst akzeptierten Strafbefehl nachträglich vom Zusammenzug ausgeladen. Patrick Fischer wurde bereits verbrannt. Wer damals widersprach, landete am Pranger oder wie Deutschlands Ärzte vor dem Richter. Angeklagt werden die Zweifler, nie die Verkäufer des Zweifelsfreien.
Vergessen? Nein. Verdrängen? Nein. Abhaken? Nein. Weimar halten es mit Brecht: Wer die Wahrheit weiss und sie eine Lüge nennt, «der ist ein Verbrecher». Ohne lückenlose Corona-Aufarbeitung gibt es kein Verzeihen und bis dahin läuft «Hexenjagd» in Dauerschleife, laut, dreckig, unversöhnlich…


«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.







