Es ist eine Kunst. Nicht jede Redaktion beherrscht sie, aber das SRF hat sie über Jahre perfektioniert: Die Kunst, wochenlang über etwas zu berichten, das bereits erledigt ist, um ja nicht über etwas berichten zu müssen, das noch brennt. Patrick Fischer, ehemaliger Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft, hat an den Olympischen Spielen 2022 ein falsches Covid-Zertifikat verwendet. Er hat seine Strafe bezahlt. Er hat sich öffentlich entschuldigt. Der Fall ist, juristisch gesprochen, abgeschlossen. Nicht beim SRF. Dort wurde der Fall Fischer zu einem wochenlangen Medienereignis aufgeblasen, kommentiert, eingeordnet, moralisch bewertet und nochmals kommentiert – mit einer Ausdauer, die man sich für andere Themen nur wünschen könnte.
Etwa für die Covid-Impfverträge des Bundes, die das Bundesamt für Gesundheit jahrelang unter Verschluss hielt und erst nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vollständig veröffentlichen musste. Ein Urteil, das erzwungene Transparenz über Verträge schuf, die der Staat mit Moderna und Novavax abgeschlossen hatte – Verträge, über deren Inhalt die Öffentlichkeit schlicht nicht informiert werden sollte. Man frage sich: Wie viele SRF-Sendeminuten hat dieser Vorgang erhalten? Wie viele Beiträge, wie viele Einordnungen, wie viele kritische Nachfragen an das BAG, das bis heute auf seiner Website die Impfung als «sicher» und «wirksam» bezeichnet, während die eigenen internen Protokolle – soweit sie vorliegen – ein anderes Bild zeichnen?
Die Antwort kennt jeder, der die letzten Jahre aufmerksam verfolgt hat.
Das ist kein Versehen. Das ist Selektion. Journalismus entscheidet jeden Tag aufs Neue, worüber er berichtet und worüber er schweigt. Diese Entscheidungen sind nie neutral. Sie spiegeln Interessen, Abhängigkeiten, institutionelle Loyalitäten und manchmal schlicht die Angst, ein Narrativ zu beschädigen, das man selbst jahrelang mitgetragen hat. Wer lange Zeit die frohe Kunde verbreitet hat, dass die Impfung unbedenklich, effektiv und gesellschaftliche Verpflichtung sei, steht nun vor einer gewaltigen Herausforderung, da er nun zugeben müsste, dass die Verträge nur auf gerichtlichen Druck hin veröffentlicht wurden, da die Behörde sie freiwillig niemals herausgerückt hätte.
Die Alternative: Patrick Fischer. Ein Sporttrainer, ein falsches Zertifikat, eine bereits abgeleistete Strafe. Moralisch einwandfrei aufzubereiten, klar konturiert zwischen Gut und Böse, ohne dass irgendjemand in der Redaktion sein eigenes Verhalten der letzten fünf Jahre infrage stellen müsste.
Bemerkenswert dabei ist, was in den Kommentarspalten passiert – jenem letzten verbliebenen Ort, an dem die Leserschaft noch ungefilterter Meinung ist als die Redaktion darüber. Dort solidarisiert sich ein erheblicher Teil der Leserschaft mit Fischer. Nicht nur jene, die das Zertifikatsystem von Anfang an ablehnten. Auch Geimpfte schreiben: «Im Rückblick hat Fischer alles richtig gemacht.» Das ist kein Randphänomen. Das ist ein Kippsignal. Das sind Menschen, die das offizielle Narrativ gegen ihre eigene Erfahrung abgleichen – und feststellen, dass die Rechnung nicht aufgeht. Die Redaktion bemerkt das. Und berichtet weiter über Fischer.
Dann sind da noch die Epstein-Akten. Dokumente, die in den USA schrittweise veröffentlicht wurden und die Verstrickungen einer kriminellen Elite in systematischen Kindesmissbrauch und Netzwerke aus Macht, Erpressung und institutioneller Straflosigkeit dokumentieren. Die Reaktion vieler etablierter Medienhäuser darauf war bemerkenswert konsistent: Abwiegeln, relativieren, «Verschwörungstheorien bekämpfen». Wer die Akten ernst nahm, galt als Extremist. Wer fragte, welche bekannten Namen darin auftauchen und welche Verbindungen gezogen werden müssen, wurde in jene Schublade gesteckt, aus der kein Journalist mehr herauskommt, ohne beschädigt zu sein.
Das ist kein Zufall. Das ist eine Schutzfunktion. Nicht zum Schutz der Öffentlichkeit – sondern zum Schutz jener, über die berichtet werden müsste.
Und die RKI-Protokolle? Tausende Seiten interner Kommunikation, die zeigen, dass das Robert Koch Institut intern wusste, was es extern bestritt. Dass die Pandemiedefinitionen, die Massnahmenbegründungen, die Kommunikationsstrategien intern anders bewertet wurden als öffentlich kommuniziert. Der Whistleblower, der diese Protokolle herausgab, hätte eigentlich eine Lawine an kritischer Berichterstattung auslösen müssen. Was folgte, war ein verhaltenes Raunen in einigen alternativen Medien und weitgehende Stille in den Leitmedien.
Fischer. Immer wieder Fischer.
Das System, das hier sichtbar wird, ist nicht kompliziert. Institutionen, die fünf Jahre lang Botschaften verbreitet haben, die sich als falsch, übertrieben oder bewusst manipuliert herausstellen, haben kein Interesse an Aufarbeitung. Weil Aufarbeitung bedeutet, das eigene Versagen einzugestehen. Weil das Gesicht kosten würde, das man fünf Jahre lang als unfehlbare Stimme der Vernunft in Stellung gebracht hat. Und weil jeder ernsthafte Journalismus über Impfverträge, Epstein-Netzwerke oder RKI-Protokolle unweigerlich die Frage aufwerfen würde: Wo wart ihr, als das alles passierte?
Die Antwort ist bekannt. Man war damit beschäftigt, Andersdenkende zu diffamieren, Kritiker als Verschwörungstheoretiker abzustempeln und Fischer-ähnliche Fälle als moralische Verfehlung aufzubereiten, die dem Publikum das Gefühl geben, man habe es mit echter journalistischer Arbeit zu tun. In den Kommentarspalten bildet sich derweil eine Gegenwelt. Die Leserschaft rechnet ab – leise, sachlich, unaufhaltsam.
Das Narrativ kippt bereits. Die Redaktionen merken es als letzte…









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