Drei Teenager aus einer kleinen Stadt aus der kleinen südpazifischen Nation Neuseeland haben es mit ihrem einzigartigen Thrash-Metal-Sound geschafft, die Fantasie der Menschen auf der ganzen Welt anzukurbeln. Viele Songs der Band „Alien Weaponry“ sind in einer Sprache produziert worden, die dem internationalen Publikum unbekannt ist – Neuseelands Muttersprache Te Reo Māori. Ein weiteres Element neben der Sprache ist die Orientierung am traditionellen Kriegstanz Haka.

Wenn man sich den Song „Rū Ana Te Whenua“ anhört, bekommt man eine Idee davon, was gemeint ist. Der Song beginnt mit einem wirklich furchterregenden Kriegsschrei – um dann dem Hörer in allerfeinster Thrash-Manier ordentlich um die Ohren zu fliegen. „Alien Weaponry“ spielen eine schwerfällige, groovebetonte Art des Thrash, der den Einfluss von „Sepultura“ und „Bolt Thrower“ mit neuseeländischen Touch paart. Das Trio junger Musiker stammt aus Waipu, Neuseeland und besteht aus den Brüdern Lewis de Jong (Vocals und Guitar) und Henry de Jong (Drums) und Ethan Trembath (Bass) und wurde 2010 gründet, damals waren sie gerade 10 und 12 Jahre alt. Alle drei stammen von Maori-Stämmen ab. Lewis und Henry besuchten eine Kura kaupapa Maori, eine Schule, in der die Sprache der Maori Unterrichtssprache ist. Dies ist ein Grund dafür, dass „Alien Weaponry“ die Maori-Sprache auch in ihren Songs verwenden.

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Das furiose Debütalbum „Tū“ steht kurz für „Tūmatauenga“, dem Māori-Gott des Krieges. „Tū“ bedeutet auch, stark und stolz für etwas zu stehen. Für etwas Wichtiges zu stehen ist etwas, was die Band in Englisch oder in Māori genauso gut macht. Bei diesem Album wird einem eine uralte Tatsache wieder bewusst und zwar, dass sich alle Kulturen ziemlich ähnlich sind. Es macht keinen Unterschied, ob eine Band aus Neuseeland, Brasilien oder den USA kommt, letztlich macht sie immer eine ziemlich ähnliche Art von Metal. Und selbst wenn man den Exotenbonus abzieht, handelt es sich bei „Tū“ um ein ziemlich fettes Album. Ein Highlight der Scheibe ist zweifellos „Kai Tangata“. Das Stück bietet ne Menge fette Riffs und einen interessanten Text, der von einer Kannibalenhöhle handelt. Das bereits Eingangs erwähnte „Rū Ana Te Whenua“ punktet mit der unerwartet breiten, stilistischen Palette, wo die Dynamik schier schwindelerregenden Wechsel erfährt.

„Rū Ana Te Whenua“ ist dem Urururgrossvater Te Ahoaho gewidmet, der im Jahr 1864 zusammen mit etwa 230 anderen Maori gegen die britische Armee kämpfte und sein Leben liess. Es war der schwerste Artilleriebeschuss, den die britische Armee je gegen die Maori richtete. Der nachfolgende Kampf brachte dann allerdings eine demütigende Niederlage für die 1700 britischen Soldaten. Die Band war sich zunächst unsicher, wie ihre Musik und auch die Themen, die sie in ihren Songs verarbeiten, bei den Leuten ankommen werden. Es geht zum einen um die Auseinandersetzung mit der Geschichte ihres Landes, aber auch um persönliche Themen. So hat Lewis einen Song über die Angst, aus der Gruppe von Gleichaltrigen ausgeschlossen zu werden, geschrieben. Das Schreiben habe ihm dabei geholfen, mit der Angst umzugehen. Er meint, dass es viele Menschen gibt, die Ähnliches erleben und der Song „Holding My Breath“ daher bei ihnen gut ankommen wird. Und er ist vielen zugänglich, da er in englischer Sprache verfasst ist.

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Die Unsicherheit, wie ihre Musik gerade auch bei den Maori ankommen würde, begründete sich auch in der Hellhäutigkeit der Jungs. Ein Teil der Neuseeländer entstammt der Verbindung aus Maori und Europäern und viele dieser „Pale Māori“ sagen, dass ihnen die Songs zu Verbundenheit und Stolz verholfen hätten. Nun wollen „Alien Weaponry“ der Welt zeigen, dass drei Teenager aus einer kleinen Stadt in einem kleinen Land am Ende der Welt, die in ihrer Landessprache singen, ein bemerkenswertes Album hervorbringen können. Ein paar schnellere Nummern hätten es zugunsten einer dynamischeren Atmosphäre aber schon sein dürfen. Interessant wird sein, ob sich die melodischen Ansätze, vor allem auch im Gesang, durchsetzen können und dem Trio einen noch alternativeren Touch verpassen. Der Vergleich mit dem Sepultura-Meisterwerk „Roots“ (1996) liegt auf der Hand, „Tū“ weist jedoch einen sehr viel stärkeren experimentellen Charakter auf. Den ganz grossen Wahnsinn kriegt man von „Alien Weaponry“ trotz der recht grotesken Grundvoraussetzung leider nicht geboten. Eine bunte Mischung, die auf zukünftiges hoffen lässt – noch nicht formvollendet, aber mit hohem Spannungspotenzial. Freunde des Groove Metal werden definitiv ihren Spass haben.

Tracklist:

  • Whaikorero
  • Rū Ana Te Whenua
  • Holding My Breath
  • Raupatu
  • Kai Tangata
  • Rage – It Takes Over Again
  • The Things That You Know (Bonus Track)
  • Whispers
  • PC Bro
  • Urutaa
  • Nobody Here
  • Te Ara
  • Hypocrite (Bonus Track)
Album Review: Alien Weaponry - Tū
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Originalität10
Tempo8
Musikalische Fähigkeiten9
Gesang9
Songtexte9.5
Substanz9
Produktion9.5
Langlebigkeit9
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