FRAGE: Wie ist es möglich, dass Veränderungen in Verhaltensnormen, die jedermann für gegeben und gültig hält, in solcher Geschwindigkeit vonstatten gehen können, wie wir es am Beispiel besonders der Frühphase des «Dritten Reiches» beobachten können?
ANTWORT: Im Ergebnis bedeuten diese normativen Veränderungen, dass eine Gruppe von Gesellschaftsmitgliedern sukzessive aus dem «Universum der allgemeinen Verbindlichkeit» ausgeschlossen wird, das für die Anderen, die Zugehörigen zur Mehrheitsgesellschaft, nach wie vor in Geltung ist, nun aber exklusiv wird.
Dieser Vorgang ist, wie gesagt, die zentrale Voraussetzung für die Entstehung genozidaler Prozesse. Denn die Ausschliessung verläuft über die Definition, dass die auszuschliessende Gruppe an sich und das heisst: jedes ihrer Mitglieder, eine Bedrohung für das Wohlergehen und letztlich für die Existenz der Mehrheitsgesellschaft ist – die dann folgerichtig ihr Heil darin erblickt, diese als bedrohlich wahrgenommene Gruppe unschädlich zu machen und, in letzter Konsequenz, zu vernichten.
Deshalb geht allen bekannten Vernichtungsprozessen eine Definition der bedrohlichen Gruppe voraus und dieser Definition schliesst sich eine sich beschleunigende soziale, psychologische, materielle und juristische Deprivierung an, die die zunächst nur behauptete Andersartigkeit der ausgeschlossenen Gruppe zunehmend in eine von den Zeitgenossen gestaltete und gefühlte Realität überführt.
aus: «Täter – Wir aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden» von Harald Welzer (2005)







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