Seit Beginn der um sich greifenden und geifernden Ukraine-Massenhysterie, der sogar sonst kluge, politische Beobachter verfallen sind, klingeln bei mir mal wieder die Alarmglocken. Man muss sich schon zusammenreissen, um sich nicht der medial und global konzertierten, emotionalen Verführung hinzugeben und von der Triggermasse mitreissen zu lassen. Und es kostet wie immer ein wenig Mühe, bei den Fakten zu bleiben, nichts auszublenden und Gegenwind auszuhalten. Es geht vor allem darum, die Flut der irrationalen Reaktionen in ein Bild zu fügen, eine Logik dahinter zu erkennen, die Gegensätze und Widersprüche zusammenführt und plausibel macht.
Manchmal reicht ein Geistesblitz und ein Stichwort und plötzlich ergeben die Puzzleteile ein Erkärungsmuster. Bei mir war es der Vortrag von Professor Meaersheimer vom September 2015 in der Chicago University und seine Gegenüberstellung der 19th-century-people versus der 21-century-people. Putin ist ein 19th-century-man, was bei Maersheimer u.a. bedeutet, dass er an das Konzept der Balance und des Ausgleichs der Machtverhältnisse glaubt und meint, dies sei nicht mehr der Fall.
Die Kernfrage lautet: Warum richtet der Westen den Fokus so intensiv auf die Ukraine? Warum provoziert man über die Ukraine das nervöse Russland? Warum wurde weder auf Einhaltung der Minsk-Abkommen noch auf Nato-Neutralität gedrängt, sondern im Gegenteil, sogar noch gezündelt, mit atomarer Aufrüstung der Ukraine kokettiert und acht Jahre lang Menschenrechtsverletzungen, Verbrechen und das Morden ukrainischer Milizen von Menschen in den Donbass-Republiken ignoriert?
Warum engagieren sich der Westen, von den USA über Nato, EU bis hin zu Weltkonzernen und Millionen durch die Medien manipulierte Menschen in einem Feldzug für ein durch und durch korruptes, nazifiziertes, seit 2014 trotz Milliarden an Zuwendungen nicht weiterentwickeltes Shithole wie die Ukraine? Warum wurde eine weltweite Massenhysterie entfacht, mit der inzwischen politische Veränderungen durchgesetzt werden, die noch vor kurzem unmöglich schienen? Warum schliessen Konzerne wie BP und Shell innerhalb von wenigen Tagen einfach ihre Russland-Projekte, in die sie Milliarden investiert haben? Warum kündigt BMW an, die Produktion, Apple gar den Verkauf in Russland einzustellen?
Egal welche politischen Spannungen es auf der Welt gab, man sorgte bisher für wirtschaftliche Stabilität und sicherte die Investitionen und Projekte ab – warum nun diese selbstzerstörerische Radikalität?
Was liegt der westlichen Weltgemeinschaft an einer Ukraine, in der Kriegsverbrecher und Massenmörder geehrt, Antisemiten und Nazi-Kollaborateure an politischen Schaltstellen eingebunden und ultranationale, faschistische Milizen in die offiziellen Streitkräfte integriert sind? Wie passt das zum Wokismus und der Nazi-Hysterie in Europa und in den USA? Gar nicht!
Es geht übrigens um eine Ukraine, die sich einen guten Ruf geschaffen hat: Nämlich für die Vernetzung und die paramilitärische Ausbildung von Neo-Nazis aus aller Welt – unter der schützenden Hand der Regierung. Und für diese Regierung der Ukraine legt sich grade jeder «anständige» Westler ins Zeug und sortiert sich mit einem blau-gelben Profilbildchen bei den «Guten» ein, pflegt den Russen-Hass und eine geradezu fanatische Lust am Russen-Strafen. 15 Millionen Schmeissfliegen können einfach nicht irren oder falsch liegen, Scheisse duftet und schmeckt – basta!
Irrational und gefühlig verteidigt der angebliche «Wertewesten» eine Ukraine, in der die Staatsmacht gemeinsam mit ein paar Oligarchen mafiaartige Strukturen geschaffen hat.
Gutmenschen, die niemals selber auch nur einen Fuss in die Ukraine gesetzt haben, ignorieren mit einer Nonchalance das, was sie normalerweise in ihren NGO- und Menschenrechtsberichten zum Abgreifen von Staatskohle anprangern: Dass Justiz und Behörden in der Ukraine hochkorrupt sind und die Menschen mit einem monatlichen Durchschnittseinkommen von 412 Euro zurechtkommen müssen.
Faszinierend fragwürdig ist auch, dass sämtliche Warnungen und politische Analysen von strategischen Denkern und aussenpolitischen Hochkarätern – von Kissinger bis Mearsheimer – in Bezug auf die Ukraine komplett ignoriert werden. Wie sind Übersprungreaktionen, Furor und emotionale Radikalität im «Team Ukraine» zu erklären? Zum einen, weil es nach den gesellschaftlichen Zerwürfnissen und Spaltungen der letzten Jahre (Migration, Islam, Links/Rechts, Klima, Corona/Impfungen etc.) endlich wieder eine Möglichkeit bietet, sich gemeinsam für das vermeintlich Edle zu engagieren – eine bessere Einladung in die Harmoniespirale hätte es gar nicht geben können.
Der Kampf für das Gute bietet zudem die Möglichkeit, sich selber heroisch zu positionieren: In Tweets und Postings verkünden Deutsche, sie wollten nun zwei Pullis übereinanderziehen und die Heizung 2 Grad runterdrehen, damit in der Ukraine keine Menschen wegen Putins Gas sterben müssen. Die narzisstischen Gesellschaften können die Ukraine-Russland Eskalation also für eine kurzfristige Quelle der Selbsterhöhung und Aufmerksamkeit nutzen. Stichwort narzisstische Kränkung und noch eine Rechnung offen haben: Da ist auch die Sache mit Bashar al-Assad. Der Westen verzeiht Putin natürlich nicht, dass der syrische Präsident noch immer im Amt ist und sich mit Hilfe der Russen weder den westlichen Bomben, noch den IS-Terroristen gebeugt hat.
Mit Selensky und Putin stehen zwei gegensätzliche Figuren im Fokus der Aufmerksamkeit: Der eine als Protagonist und Sympathieträger aus der Schauspieler-Datenbank gecastet und emotional gekonnt in Szene gesetzt, der andere als Antagonist und Möchtegern-Zar verteufelt. Na, mit wem man sich da wohl identifizieren will? Putin wird als massenmordender Dämon mit Hass belegt, Selensky wird mit einigen gezielt platzierten Aussagen und alten Fotos in Militärweste posierend zum Erlöser des freien Europas hochgejubelt.
Der Plot reicht, um im degenerierten Westen und allen Ländern, die in wirtschaftlicher Abhängigkeit zu ihm stehen, Veränderungen herbeizuführen, an die vor zwei Wochen nicht mal zu denken war. In Deutschland zum Beispiel den Wehr-Etat mit 100 Milliarden aufzustocken, verbunden mit der Ansage, Europas leistungsstärkste Armee aufbauen zu wollen. Psst, die Polen werden bestimmt ganz aus dem Häuschen sein! Doch sind es diese politischen 180-Grad-Schwenks, um die es geht? Oder gibt es ein weniger offensichtliches, vielleicht auch unvorstellbares Ziel?
Ich meine JA. Es geht um nichts Geringeres, als den Versuch, in Russland einen Regime-Change herbeizuführen. Putin soll weg, die russische Föderation soll zerfallen und sich in ethnisch-religiösem Chaos zerreiben. Doch Putin als «19th-century man» hat wohl die destruktive Macht der «21-people» unterschätzt. Der Leute, die alles zerstören, jeden gegen jeden aufhetzen, spalten, vereinzeln, Chaos stiften, das sie dann mit viel ideologischem Kitt wieder notdürftig zusammenkleben – notfalls mit Gewalt und totalitärem Zwang.
Seine anfänglich «milde» Invasion mit Panzern ohne Infantrie, um wie immer wieder angekündigt im Brudervolk keine zivilen Opfer zu verursachen, ging in die Hose, wurde als Schwäche ausgelegt und die mediale Maschine fing an, das Märchen vom Sieg der Ukraine gegen die Russen in die Köpfe zu pflanzen. Natürlich benutzte man den Schauspiel-Profi Selensky dazu, diese Illusionen anzuheizen – ein Verbrechen, denn die Ukrainer werden so zu Kanonenfutter degradiert. Ein Federgewicht boxt ja auch nicht gegen einen Klitschko, in der Annahme die 12 Runden zu überstehen.
Die Anfeuernden mit den blau-gelben Profilbildchen aus dem Westen hätten auch gern, dass die Ukrainer die Ukraine bis zum letzten Mann verteidigen, während sie am Bildschirm auf TikTok-Filmchen und gefakte Fotos starren, Erfolgskontrolle betreiben und «Ihr schafft das!» brüllen. Natürlich schaffen sie es nicht, denn die Russen rücken massiv vor und zeigen nun deutlich mehr, was sie militärisch draufhaben. Spätestens in zwei Tagen dürfte der Spuk vorbei sein – wenn Selensky sich ergibt, zurücktritt oder von Kadyrovs Special Forces einen Kopf kürzer gemacht wurde. Die Tschetschenen hätten gern eine Trophäe, mit der sie sich in der xlam*schen Welt feiern lassen können.
Selensky hätte ALLES mit einem simplen Satz verhindern können: «Die Ukraine wird nicht nuklear aufrüsten und weder die Nato- noch die EU-Mitgliedschaft beantragen, sondern neutral bleiben.» Stattdessen kamen ständige Provokationen gegen Russland, dazu das Kriegsgerassel der USA, der Medien, die Dämonisierung Putins und Russlands, jetzt die völlig überbordenen Strafen, die nun Russen in aller Welt treffen und gegen Putin aufbringen sollen – all das wirkt wie Teile eines Putschversuchs.
Ein Coup von aussen. Ein Regime-Change. Es geht um Zersetzung, Zerfall, die Balkanisierung Russlands. Das ist das Ziel amerikanischer Eliten und der US-Aussenpolitik. Ich sage nicht, dass es so IST, aber für mich macht nur das Sinn.



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