Es gehört absolut kein Mut dazu, sich einen Karton zu schnappen, einen dicken Filzschreiber und ein Hashtag aufzumalen, um ein Bekenntnis zu verkünden, dass einem als vermeintlichen Gutmenschen dastehen lässt. Aufgerufen von einem Möchtegern-Promi, folgen da euch weitere verblassende Sterne des Show-Himmels und ich hoffe, Veranstalter, Agenturen und Lokale, die das Ganze überleben, erinnern sich daran, welche Künstler ihnen in den Rücken gefallen sind.
Ein paar Tausende haben am vergangenen Donnerstag auf Facebook und Twitter dagegen protestiert, dass ein grosser Teil der Corona-Massnahmen-Kritiker, die sich am vergangenen Wochenende in Liestal versammelten, keine Maske trugen und erst noch ohne Busse davonkamen. Diese virtuelle Gegendemonstration wäre grundsätzlich in Ordnung, wenn sich nicht ein erstaunlich grosser Teil des Protests gegen die Meinungsfreiheit Andersdenkender richtete. Etwa dann, wenn die Teilnehmer der Liestal-Demo pauschal als «Nazis», «Faschisten», «Schwurbler», Covidioten» und «Dummköpfe», um noch die harmloseren Ausdrücke zu verwenden, verunglimpft werden.
Da gehen einige Menschen auf die Strasse, übrigens immer noch ein Grundrecht, und nur weil es die Polizei nicht schafft, eine Verordnung (ja, es ist tatsächlich immer noch kein Gesetz) durchzusetzen, obwohl nachgewiesenermassen Draussen an der frischen Luft praktisch keine Übertragungsgefahr durch das Virus vorhanden ist, wird eine ganze Demo aufs gröbste verurteilt – und noch schlimmer, es wird sich die Frechheit rausgenommen ein ganzes Stedtli zu diffamieren! Wer gibt diesen selbsternannten Guten das Recht dazu, über 10’000 Menschen schlecht zu machen?
Ein Karton, ein dicker Filzschreiber und eine Hashtag-Botschaft, schon gehört man zu den Guten, heuchelt Solidarität und zeigt ganz offensichtlich, dass man keine Ahnung hat, was Solidarität tatsächlich bedeutet. Sämtliche Kollateralschäden der Massnahmen werden einfach ausgeblendet und man kann den Rest des Tages damit verbringen, «Ferien trotz Corona» zu googeln. Beschämend was aus der Meinungsfreiheit in Zeiten der Corona-Krise geworden ist und wie respektlos miteinander umgegangen wird. So werden die selbsternannten Guten zu Bösen, ohne Weitsicht oder jegliches Mitgefühl.
Diese NoLiestal-Kampagne zeigt wie die Menschen auf unlösbare Probleme reagieren, mit Symbolik. Wie bei den Religionskriegen, aus Angst vor der Ohnmacht, dem Übermächtigen bzw. dem Tod erfinden die einen den lieben Gott und die andern Allah und schlagen sich die Köpfe darüber ein, wer denn recht habe, nur sterben werden sie trotzdem alle, aber sie haben endlich einen Feind. Ähnlich geht es jetzt bei Covid zu, NoLiestal gegen Covidleugner, das Virus wird es herzlich wenig beeindrucken.
Doch ein Vorteil hat das Ganze: Man erkennt nun auf einen Blick, welche «Promis» gegen die Freiheit sind und ich hoffe, Veranstalter, Agenturen und Lokale, die das Ganze überleben, erinnern sich noch lange Zeit daran, welche Künstler ihnen in den Rücken gefallen sind.
Ich demonstriere, aber ohne andere anzustecken.
Für frühe und wirksame Massnahmen. Für Masken. Gegen weitere Wellen. Gegen die Rücksichtslosigkeit von Liestal.
Demonstrierst du mit?Dann schreib #NoLiestal zu deinem Bild dazu.
Die Vernünftigen sind mehr.#NoCovid #NoAltdorf pic.twitter.com/N60phSoOKs— Nils Althaus (@NilsAlthaus) March 25, 2021
Hab die Schnauze voll von den selbstgefälligen Virusschleudern. Darum demonstrier ich auch. Aber ohne andere anzustecken. Für wirksame Massnahmen. Gegen die Rücksichtslosigkeit von Liestal.
Helft mit, macht so ein Bild mit #NoLiestal dazu und zeigt:
Die Vernünftigen sind mehr. pic.twitter.com/wfViMagugv
— Renato Kaiser (@Renato_Kaiser) March 25, 2021
obwohl es verrückt ist, zu meme-zeiten ein blatt in die kamera zu halten.
das ist wichtig! helft mit und teilt oder postet auch ein solches bild. demonstriert so für die vernunft und solidarität und gegen die menschenverachtung der coronademos pic.twitter.com/HBPDSLixSD
— Knackeboul (@Knackeboul) March 25, 2021
Und es wird Zeit, endlich wieder normal miteinander diskutieren zu können und einen vernünftigen Diskurs zu halten. Wenn Argument gegen Argument steht und kein Konsens erreicht werden kann oder nicht will, sind aktuell folgende Techniken üblich:
- Diskreditiere die Person mit der anderen Meinung («hat Ahnung von …,», «Nazi», «Schurbler» usw), denn wenn ein Argument nicht sticht, muss die Person angegriffen werden
- mit der Mehrheit argumentieren («die meisten sind ja dafür», «die Mehrheit hat recht») und demnach war früher die Erde die Mitte des Universums. Die Meinungshoheit ist nicht automatisch die Mehrheit, weil viele «stille Dulder» nicht wahrnehmbar sind
- mit klaren Fakten argumentieren («es ist doch eindeutig erwiesen, dass»), doch wenn aktuell jemand mit «Fakten» kommt, sollten sämtliche Alarmglocken schrillen, denn das ist ein Totschlagsargument, um in komplexen Situationen die notwendige Debatte schlicht zu beenden
Es ist an der Zeit von den genannten Techniken abzusehen, da sie ausser Keile zwischen die Menschen zu treiben und die Bevölkerung spaltet, keinen weiteren Nutzen haben. In der aktuellen Situation brauchen wir ECHTEN Zusammenhalt dringender denn je.







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