Eine Komödie über Selbstmordattentäter zu drehen, ist mutig. «Vive La France – Gesprengt wird später» ist dabei so herrlich überzogenen, das man ihn nicht wirklich ernst nehmen kann, sich aber grossartig über die 90 Minuten amüsiert. Die Geschichte ist lustig, die beiden Hauptdarsteller agieren so richtig schön unbeholfen und das ist genau das, was diese Komödie ausmacht. Wer den Film «Willkommen bei den Sch’tis» schon lachen konnte, wird sich hier kugeln.
In seiner Heimat Frankreich ist Schauspieler und Komiker Michaël Youn ein Superstar, bei uns dürfte ihn nur eine besonders frankophiles Publikums kennen oder wer ihn zufällig an der Seite von Jean Reno in der Komödie «Kochen ist Chefsache» oder seinen Auftritt als Billy The Kid neben Oscarpreisträger Jean Dujardin in «Lucky Luke» gesehen hat. Für seine Terroristen-Satire «Vive La France – Gesprengt wird später» übernahm der Mime nicht nur eine der Hauptrollen, sondern auch die Regie und schrieb das Drehbuch. Die Mischung aus «Borat» und «Four Lions» erreicht nie das satirische Potential der Vorbilder, bei der die anfangs noch politisch unkorrekten Gags aufdringlichem Patriotismus weichen. Wie ihre Seelenverwandten aus der ähnlich gestrickten schwarzen Komödie «Four Lions» lösen die beschränkten Protagonisten aus «Vive La France» Chaos aus, wo immer sie auftauchen.
Allerdings legt Michaël Youn deutlich weniger Mut zur Kontroverse an den Tag und verlässt sich lieber auf jede Menge Klamauk und Running Gags – die trotz allem zu amüsieren wissen. Anfangs betont politisch inkorrekt, werden diese aber letztlich viel zu handzahm. Während die Prämisse für eine Komödie noch vielversprechend klingt und die Darsteller ausreichend Charme versprühen, flaut das Vergnügen an den infantilen Geschlechterklischees und überdrehten Slapstickeinlagen mit zunehmender Spieldauer etwas ab. Nur im ersten Teil hat «Vive La France» noch anarchistische Verve, die zum Beispiel die rotzigen Punker-Komödie «Der Tag wird kommen» auszeichnetet. Mit zunehmender Spieldauer verflacht das Geschehen aber leider etwas zur Nummernrevue. Sobald die verpeilten Ziegenhirten die Französin Marianne kennen lernen, wandelt sich das Road-Movie zur besinnlichen und beliebigen Culture-Clash-Komödie, mit der er wohl in die Fussstapfen von Publikumshits wie «Willkommen bei den Sch’tis» oder «Nichts zu verzollen» treten will. Regelmässig verweilt die Kamera auf malerischen, aber nichtssagenden Postkatenmotiven von französischen Landschaften und Stadtansichten. Und natürlich kommen die depperten Selbstmordattentäter auf ihrer Sightseeing-Tour von Korsika über Marseille bis Paris auch mit jedem erdenklichen Frankreich-Klischee in Berührung – bis die „amour fou“ mit der Grande Nation ihren patriotischen Höhepunkt schliesslich in den Feierlichkeiten rund um den Nationalfeiertag findet.
Dass Frankreich selbst eigentlich schon ein Pulverfass ist, das fremder Unruhestifter kaum bedarf, darin besteht der satirische Kniff, der aus «Vive La France – Gesprengt wird später» einen heiteren Stoff macht. Statt Franzosen finden Muzafar und Feruz nur Korsen, Marseiller und die «Leute im Südwesten». Wie wenig diese Gruppen einander mögen, dürfen die verirrten Schäfer situationskomisch am eigenen Leib erfahren. So richtig lieben, das ist nicht die einzige bissige Pointe, können Frankreich eigentlich nur die Fremden, wenn sie wie Muzafar und Feruz im goldenen Sonnenlicht am südfranzösischen Fluss Vézère entlang fahren. Solche Aufnahmen bieten eigentlich die einzigen Verschnaufpausen zwischen den Lachanfällen. Während die amerikanische Komödie gerade im – oft sehr zotigen – Wortwitz verharrt, knüpft «Vive La France – Gesprengt wird später» an die atemlose Turbulenz von Louis-de-Funès-Streifen mit ihren absurden Umkehrungen, irrwitzigen Verfolgungsjagden und hübschen Kettenreaktionen an. Zugeben, ein Teil der Einfälle verlangt fürs Amüsement Frankreich-Kenntnis. Michaël Youns «Vive La France – Gesprengt wird später» ist eine spassige Komödie über zwei unbedarfte Möchtegern-Terroristen, die einen Anschlag auf den Eiffelturm verüben wollen – und sich Hals über Kopf in Frankreich verlieben.




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