Eine schrullige Komödie aus der Schweiz über einen ebenso schrulligen Lehrer mit einem ziemlich ausgefallenen Plan. Nicht alles ist hier komplett stimmig oder realitätstreu und vieles wird übertrieben plakativ oder vereinfachend vorgetragen, aber dennoch trägt «Flitzer» das Herz am rechten Fleck. Kurzweilige Unterhaltung mit skurrilen Figuren und Situationen sowie ein Thema, das ebenso originell wie, im positiven Sinn, bescheuert ist.

Die Schweizer haben ja das Image, behäbig, langsam und steif zu sein. Damit räumen Regisseur Peter Luisi und sein Ko-Autor und Hauptdarsteller Beat Schlatter in dieser Komödie gründlich auf! «Flitzer» zeigt Eidgenossen, die so flink, frech und sexy sind, wie man das bisher eher Dänen oder Schweden nachgesagt hatte. Das Drehbuch für dieses Schelmenstück wirkt dabei wie eine durchgeknallte Begegnung von Miguel de Cervantes und Gottfried Keller: Balthasar Näf leiht sich aus Kellers Erzählung «Kleider machen Leute» den Namen der Hauptfigur Strapinski und schickt Flitzer auf die Schweizer Fussballplätze. Frei nach Gottfried Keller «Keine Kleider bringen Geld» lässt sich darauf wetten, wie lange sich ein Flitzer auf dem Feld halten kann. Was der Lehrer und sein Friseur da aufziehen, ist so hinreissend witzig, weil Strapinski und seine Sprint-Stripper den textilfreien Hindernislauf als Spiel ohne Grenzen mit sportwissenschaftlicher Akribie angehen: mit Sportstudio in einer Scheune, Taktiktafeln und Fitnessparcours, wo man Flic-Flac übt und den idealen «Flitzwinkel» berechnet.

Mit feinen Strichen statt grossem Getue zeichnet Beat Schlatter den braven Lehrer Näf, der zum ersten Mal in seinem Leben ein Risiko eingeht, komplett scheitert und schliesslich über sich hinauswächst. «Manchmal muss man mutig sein!», schmachtet ihn seine neue Verehrerin beim ersten Date hoffnungsvoll an. Welche Lawine sie mit diesem Spruch auslöst, kann die verknallte Polizistin natürlich noch nicht ahnen. Die Episoden mit dem rabiaten Bauunternehmer oder einem eingeschleusten V-Mann in die Flitzer-Truppe mögen etwas arg klamottig ausfallen, aber sie haben durchaus dramaturgischen Mehrwert, schliesslich setzen sie den Helden wider Willen chronisch unter Zugzwang und zwingen ihn zu immer neuen Schachzügen. Mit einem recht flotten Tempo stolpert der verzweifelte Pädagoge von einem situationskomischen Schlamassel in das nächste, wobei im letzten Drittel vergnüglich die Spannungsschraube angezogen wird. Mit der schrägen Stripper-Truppe ist das Figurenkarussell gut besetzt. Ihre variantenreichen Flitzer-Auftritte fallen mit zunehmender Raffinesse immer amüsanter aus. Beim ganz grossen Finale vor vollbesetztem Stadion gelingt nicht nur die tricktechnische Illusion perfekt, auch der Feel-Good-Faktor gerät zum Volltreffer. Die Gehemmten und die Enthemmten, die Wabbeligen und die Gestählten schwärmen aus auf die Sportplätze, und die Schweizer schwärmen vom neuen Trend- und Volkssport, der den Fussball zur schönsten Nebensache macht, während alle auf den nächsten Nackten warten.

Mit «Kleider machen Leute» wurde Gottfried Keller einst berühmt. Die ihn verehrende Komödie zeigt originell, dass es auch ohne Kleider funktioniert. Mag sein, dass diese Komödie nicht hundertprozentig als Ganzes funktioniert, dennoch gibt der Regisseur dem Zuschauer kaum eine Chance auszusteigen. Denn dieser Detailverliebtheit kann man sich nicht entziehen. Der Spass entsteht vor allem darin, die immer absurderen Auswüchse dieses Treibens zu beobachten und sich der Faszination hinzugeben, wie eine Gruppe aus Exhibitionisten ihren nächsten Auftritt so akribisch genau durchplant, als hätte man es hier mit den nächsten Ocean’s Eleven zu tun. Charmante Darsteller, ein durchdachtes Drehbuch und lauter tolle kleine Ideen machen jegliche Schwächen locker wett. Das engagierten Spiel der Darsteller, vor allem die Truppe der Flitzer bildet hierbei ein Ensemble, wie man es sonst nur in den besten britischen Komödien findet, verzeiht man dem Film gerne jede kleine Schwäche und ergötzt sich an dem Spielwitz, die aus einem kleinen Verlierer einen ganz grossen Gewinner werden lassen. Schöner Film!


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