Nach den Turnieren in Russland und Katar hätte ich nicht gedacht, dass dieses Gefühl der Bocklosigkeit auf das eigentlich schönste Ereignis der Welt noch einmal steigerbar ist. Respekt, liebe Fifa, ihr habt es geschafft!
Gianni Infantino, der Pate der Fifa, verkauft eine Weltmeisterschaft auf drei Kontinenten und in sechs Ländern als «historische Einigung». Historisch stimmt. Einigung? Welcher Fan hat denn Lust auf ein Turnier, das mehr Gastgeber als Finger an der Hand hat? Spanien, Portugal und Marokko richten den Grossteil aus, am Anfang wird auch noch in Uruguay, Argentinien und Paraguay gespielt. Es ist einerseits ein Alptraum für das Prinzip Fan-Festival: Menschen aus allen Ecken dieser Erde reisen gleichzeitig in EIN Land und sprechen vier Wochen nur noch eine Sprache: Fussball. Beim Sommermärchen 2006 war die grösste Distanz zwischen den Stadien die Strecke von München nach Hamburg, knapp 600 Kilometer Luftlinie. Von Montevideo in Uruguay bis Madrid in Spanien sind es exakt 9941,25 Kilometer, ein Nonstop-Flug dauert 12 Stunden. Da kommt doch Freude auf!
Und das Bitterste ist: Mit der Vielflieger-WM der weiten Wege wird am Ende auch nur der Weg für das nächste absurde Sport-Event geebnet. 2034 ist Asien als Ausrichter-Kontinent wieder an der Reihe, betonte Infantino. Warum eigentlich? Achja: Weil 2030 mit Europa, Südamerika und Afrika gleich Kontinente abgehakt werden und Asien/Ozeanien wieder dran ist. Asien also. Australien prüft angeblich eine Bewerbung. Saudi-Arabien ist schon heute maximal gewillt. Die Stückel-Scheich-Monarchie vom Persischen Golf hat in diesem Jahr schon die Weltstars Cristiano Ronaldo, Neymar und Karin Benzema in die saudi-arabische Liga gelockt. Am sportlichen Reiz liegt das nicht, eher an der Vergütung. Mit Milliarden-Investitionen wie der Ausrichtung einer Weltmeisterschaft wird das Image ähnlich blank aufpoliert wie der WM-Pokal am Finaltag. Menschenrechte rücken da in den Hintergrund. Aber das kennen wir ja schon.
2018 Russland. 2022 Katar. 2026 USA und Kanada, ok, darauf kann man sich freuen. Dann kommt 2030 die absurde 6-Länder-WM. Und dann, ich könnte wetten, 2034 Saudi-Arabien. 2038 dann Nordkorea? Eigentlich eine logische Entwicklung. Spass macht das schon lange nicht mehr. Aber vielleicht können Infantino und Co. aufhören, etwas von Völkerverständigung und «globalem Fussballabdruck» zu faseln, wenn es einfach nur um Geld geht. Die Botschaft der Fifa lautet: Der Fussball gehört nicht mehr den Fans. Er gehört der Fifa. Man möchte rufen: Dann spielt doch ohne uns! Aber es ist eh egal…

(via NIUS)

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