Über die Demokratisierung der Kriegsrhetorik und ein Video, das mehr über seinen Absender verrät als über seinen Feind.
Der Informationskrieg beginnt zu eskalieren. Wochen zuvor: Israelisch-amerikanische Angriffe auf iranische Ziele. Teheran verspricht globale Vergeltung. Jetzt: IRIB, der iranische Staatssender, veröffentlicht ein KI-generiertes Video. Titel: «One Vengeance For All». Laufzeit: 54 Sekunden. Botschaft: Unmissverständlich.
Der Film beginnt mit einer Geschichtsstunde, die kein westliches Schulbuch so zusammenstellt: Vertreibung der Ureinwohner, Hiroshima, Vietnam, Jemen, Afghanistan, Irak, Gaza. Washington als roter Faden durch Jahrzehnte globalen Leids. Das ist nicht vollständig falsch – und genau deshalb so wirksam. Am Ende: eine Rakete. Sie trifft die Freiheitsstatue. Deren Kopf wurde durch Baal ersetzt – ein gehörntes Wesen, das im islamischen Kontext als Symbol für falschen Götzendienst gilt. Baal gegen Allah. Amerika gegen die Unterdrückten der Welt.
One vengeance for all. Für alle Unterdrückten. Gleichzeitig. Mit einer Rakete.
Was das Video über seinen Inhalt hinaus zeigt: Teheran hat die Sprache des modernen Informationskrieges gelernt. KI-Ästhetik, emotionale Bildsequenzen, universelle Opfernarrative – das ist nicht mehr die Propaganda der 1980er. Das ist eine sorgfältig kalibrierte Botschaft für ein globales Publikum, das auf Social Media konsumiert. Die Botschaft: Jeder zukünftige iranische Angriff ist kein Vergeltungsschlag – er ist ein Befreiungsakt für die gesamte unterdrückte Menschheit. Das ist entweder visionäre Selbstüberhöhung oder kalkulierte Eskalationsrhetorik. Vermutlich beides.

«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








