Es gibt eine Kunstform, die in Deutschland zur Hochblüte gekommen ist: Die staatlich finanzierte Moral. Man nehme eine noble Idee – Hass bekämpfen, Demokratie schützen, Kinder sichern – verpacke sie in eine gGmbH, zapfe Bundesministerien an und agiere fortan als unabhängige Zivilgesellschaft. Das Schönste daran: Je mehr man die eigene Unabhängigkeit betont, desto glaubwürdiger klingt es. Solange niemand hinschaut. HateAid schaut hin. Auf bestimmte Menschen. Auf bestimmten Hass. Aber nur von bestimmten Seiten.
600’000 Euro pro Jahr – und wem hilft das eigentlich?
Für das Jahr 2025 sind im Bundeshaushalt, Einzelplan 07 für das Justizministerium, 600’000 Euro als Zuschuss an HateAid eingestellt. Zusätzlich flossen Millionen vom Bundesfamilienministerium. Die Organisation wurde 2018 gegründet – von Campact, einer linken Kampagnenplattform, und Fearless Democracy – und präsentiert sich seither als überparteiliche Verteidigerin der Menschenrechte im Netz. Überparteilich. Das Wort verdient eine kurze Würdigung.
Denn wer sich die publizierten Inhalte auf der HateAid-Homepage ansieht, findet Artikel über Intersektionalität, White Privilege, Islamophobie und Queerfeindlichkeit. Er findet Warnungen vor Klimawandel-Leugnern, Corona-Leugnern und rechten Trollen. Er findet einen Beitrag über «stochastischen Terrorismus», der behauptet, wer Hass im Netz liked oder teilt, sei mitschuldig an realen Attentaten. Und er findet – kein einziges Wort über linken Extremismus, Hamas-Terror, Hisbollah oder die frauen- und homofeindliche Ideologie des iranischen Mullah-Regimes. Das nennt man überparteilich. Mit deutschem Steuergelder.
Die zwei Geschwindigkeiten der Hilfe
Der aufschlussreichste Teil der HateAid-Analyse, die Judith Sevinç Basad für trigger-warnung.com verfasst hat, ist nicht die Ideologie. Es ist die Praxis.
Renate Künast, Luisa Neubauer, die Streamerin Shurjoka – sie alle erhielten von HateAid unaufgefordert Hilfe. Die NGO eilte von sich aus zu Hilfe, ohne dass diese Menschen einen formellen Antrag gestellt hatten. Wunderbar. Genauso soll Unterstützung funktionieren. Und dann gibt es die anderen Fälle.
Die Biologin Marie-Luise Vollbrecht, die über Jahre von Trans-Aktivisten mit Gewalt- und Hassfantasien überzogen wurde, weil sie sagt, es gibt zwei biologische Geschlechter. Dutzende User verlinkten HateAid und wiesen auf die Hasswelle hin. HateAids Antwort: Man helfe nur Menschen, «die selbst keinen Hass verbreiten oder zu diesem anstacheln.» Vollbrecht verbreite Hass, weil sie eine biologische Tatsache ausspricht. Konsequenz: Null Hilfe.
Ahmad Mansour, Islam-Kritiker, veröffentlicht öffentlich Morddrohungen von Islamisten. Jemand fragt HateAid, ob die NGO nicht aktiv werden müsste. Dieselbe Standardantwort. Kein Interesse.
Nina Kirsch, alleinerziehende Mutter, Opfer einer koordinierten Hasskampagne inklusive Doxing – ihre Privatadresse wurde veröffentlicht, sie musste umziehen. Sie wandte sich mehrfach an HateAid. Keine Hilfe. Dafür führt HateAid bis heute Jorinde Wiese – die Orchestratorin dieser Hasskampagne – als Werbegesicht. Man lasse das kurz wirken.
Der Trusted Flagger und sein Interessengeflecht
HateAid-Co-Chefin Josephine Ballon sitzt seit 2024 im Beirat des zuständigen «Digital Services Coordinators» der Bundesnetzagentur, seit November sogar als stellvertretende Vorsitzende. Gleichzeitig ist sie als Lobbyistin für HateAid im Lobbyregister des Bundestags eingetragen und tritt regelmässig als «unabhängige Sachverständige» in Parlamentsausschüssen auf – zu Themen wie Hasskriminalität und NetzDG-Reformen, also genau den Gesetzgebungsverfahren, die HateAid selbst betreffen und finanzieren.
Im Juni 2025 wurde die HateAid gGmbH von der Bundesnetzagentur zum Trusted Flagger ernannt. Das bedeutet: HateAid kann Inhalte bei Plattformen melden und Löschanträge stellen – mit behördlichem Gewicht dahinter. Wer entscheidet, was gemeldet wird? HateAid. Wer definiert, was Hass ist? HateAid. Wer sass im Beirat der Behörde, die HateAid zertifizierte? HateAid. Das ist kein Interessenkonflikt. Das ist Interessenidentität.
Islamismus totgeschwiegen, Geschichte umgeschrieben
Besonders instruktiv ist HateAids Umgang mit dem Antisemitismus im Islam. In einem Artikel auf der NGO-Homepage wird der Judenhass im arabischen Raum kurzerhand auf die Nationalsozialisten zurückgeführt: Es seien die Nazis gewesen, die die «ideologische Ablehnung des Judentums» im arabischen Raum verbreitet hätten.
Das ist Geschichtsklitterung von beträchtlicher Dreistigkeit. Der Grossmufti von Jerusalem, Amin al-Husseini, organisierte bereits in den 1920er Jahren Pogrome gegen Juden und suchte aus eigener Initiative den Kontakt zum NS-Regime. Islamistischer Antisemitismus war keine Import-Ideologie aus Berlin. Er hatte eine eigene Geschichte, eine eigene Theologie, eine eigene Gewalt.
Aber eine NGO, die mit Organisationen kooperiert, die Verbindungen zu Islamisten pflegten – darunter Claim Alliance mit Verbindungen zur Muslimbrüderschaft und RAMSA mit Kontakten zu Millî Görüş und Erdogan-Anhängern – hat offensichtlich ein strukturelles Interesse daran, diese Geschichte nicht zu erzählen.
Was die ARD dazu sagt
ARD-Kontraste präsentierte HateAid kürzlich als seriöse, überparteiliche Organisation und führte Kritiker als Lügner vor. Das Gerichtsurteil gegen Jorinde Wiese – Hasskampagnen-Orchestratorin und HateAid-Werbegesicht – wurde im Beitrag nicht erwähnt. Nina Kirschs vollständige Stellungnahme wurde ignoriert. Ali Utlu, dem Hate Aid vorwarf, nie Kontakt aufgenommen zu haben, bestreitet dies.
HateAid erhält seit Jahren erhebliche Summen aus Bundesministerien. Staatlich finanziert, lobbyistisch vernetzt, ideologisch eindeutig – und vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk als neutrale Instanz präsentiert. Das Geschäftsmodell ist elegant: Man bekämpft Hass. Den richtigen Hass. Von den richtigen Leuten. Gegen die richtigen Opfer. Mit Steuergeld. Und wer das anspricht, verbreitet laut HateAid Hassrede.
Wer definiert Hass? HateAid. Die Frage, wer HateAid kontrolliert, beantwortet sich damit von selbst…




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