Elf Jahre Studio-Funkstille – jetzt der Tritt vors Schienbein. Pro-Pain klatschen das Lyric-Video zu «Stone Cold Anger» auf den Tisch, Titeltrack ihres gleichnamigen Albums. Gary Meskil holt aus wie ein Boxer nach Zwangspause.
Der Track hämmert kompromisslos. Stumpfgrau, breitbeinig, riffschwer, mit dieser Pro-Pain-typischen Wand aus Bass und Wut, die keinen Raum für Schönwetter-Lyrik lässt. Meskils Vocals klingen, als hätte er sie aus einem Container voll abgenutzter Kampfsporthandschuhe destilliert. Kein Modepunk, keine Auto-Tune-Krücken – nur Hardcore, der nach Schweiss und Beton riecht. Das Lyric-Video schiebt die Textzeilen wie Sprengstoff-Stempel über brachiale Riff-Salven – keine Tanzeinlagen, keine Schwenkkamera-Kunst, nur die Botschaft auf der Faust. Inhaltlich gibt «Stone Cold Anger» laut Meskil «dem blanken Frust, den Millionen derzeit fühlen, eine Stimme». Übersetzt: Langwierige Konflikte, dauerhafte Korruption, Bürgerrechte, die schneller dahinschmelzen als arktisches Eis in einer NATO-Pressekonferenz.
Meskils Schlussfrage «Wenn nicht jetzt, wann dann?» bleibt rhetorisch – und genau dort beginnt die Ironie. Wo waren die Hardcore-Veteranen in den vergangenen elf Jahren, als das Pulverfass schon rauchte? Aber gut, besser spät als nie verstummt. Das Album erschien am 15. Mai, erste Studioplatte seit elf Jahren, exakt im 35. Bandjubiläumsjahr. Timing wie aus dem Marketing-Lehrbuch. Pro-Pain liefern den Soundtrack zur Wut…






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