Ein Leiden ohne Namen frisst im Dunkeln. Wer es benennt, zerrt es ans Feuer. Auf dieser frühmittelalterlichen Gewissheit ruht «Læknisgaldr», das neue Stück von Heilung, seit dem 13. Oktober samt Musikvideo in der Welt und erster Vorbote des Albums «Sagas».
Der Titel spaltet sich in zwei alte Klingen. «Læknir» ist der Arzt, «Galdr» das beschwörende Lied. Schon im Hávamál rühmt Odin einen Gesang für jene, die heilen wollen. Kai Uwe Faust, Maria Franz und Christopher Juul nehmen diesen Faden auf und spinnen ihn aus Trommelschlag und Wiederholung, bis der Klang Wunden schliesst, die kein Verband erreicht. Geist, Körper, Seele. Bei der Aufnahme wollen sie mit menschlichen Knochen einen Geist eingefangen haben. Der Tod liefert das Werkzeug, mit dem die Lebenden genesen.
Geboren wurde das Stück für «Hellblade II: Senua’s Saga», die Wanderung einer Kriegerin durch die Stimmen in ihrem eigenen Kopf. Nach zehn Tagen zwischen Islands Eishöhlen und Vulkanen blieb mehr Material, als das Spiel fassen konnte. «Sagas» bündelt es am 11. Dezember, eine zweite Scheibe trägt acht Ambient-Stücke weiter in die Stille. Das Video von Gornoss, gedreht in Norwegen und Island, zeigt Krieger nach der Schlacht. Sie finden ihre Erlösung nicht im Sieg, sondern im neurogenen Zittern. Der Körper schüttelt ab, was der Verstand nicht tragen kann.
Kein Gott nimmt dir diese Arbeit ab. Du sprichst den Namen selbst aus und zitterst, bis das Alte aus den Knochen fällt…






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