Friedrich Merz hat ein Zoom-Meeting in die Wand gefahren – und irgendwo in einem gläsernen Büroturm in New York hat Larry Fink kurz gelächelt. Alle anderen nicht.
Merz ist der Mann, den niemand wollte. Die CDU wählte ihn, weil niemand Besseres da war. Die Koalitionspartner ertragen ihn, weil sie müssen. Die Bevölkerung wählt ihn, weil die Alternativen auf dem Stimmzettel noch schlechter aussehen. Das ist kein Triumph der Demokratie – das ist eine kollektive Kapitulation.
Und dann das Zoom-Meeting. Ein Format, das jeden Politiker entzaubert, der kein Charisma mitgebracht hat. Merz hat keines mitgebracht. Der einzige Mensch auf diesem Planeten, der Merz aufrichtig mag, sitzt bei BlackRock und nennt ihn einen verlässlichen Freund des Kapitals – was auf gut Deutsch bedeutet: Verlässlich gegen alles, was dem kleinen Mann nützt. Die Bevölkerung schaut zu. Larry Fink nickt zufrieden. Das ist Demokratie, 2026!
Man stelle sich vor: Eine globale Energiekrise bricht aus, Kriege entflammen den Nahen Osten, Millionen Menschen werden quer über den Planeten verschoben, Überwachungskameras spriessen wie Pilze nach dem Regen – und in einem klimatisierten Thinktank-Büro lehnt sich jemand zurück, nippt an seinem Mineralwasser und sagt: «Läuft.» Jacob Nordangård, schwedischer Forscher, Autor und – man beachte die Poesie – Musiker, hat sich die Mühe gemacht, die Strukturen hinter diesem globalen Schauspiel auseinanderzunehmen. Seine Bücher «Rockefeller: Die Kontrolle über das Spiel» und «Der globale Staatsstreich» lesen sich wie eine Bedienungsanleitung für die Übernahme des Planeten. Und das Erschreckende daran: Es ist keine Fiktion.
Der Ausgangspunkt ist der Iran-Krieg. Nicht als Katastrophe, als Fehler, als tragisches Versagen der Diplomatie – nein. Als geostrategisches Werkzeug. Die Zerstörung der Energieinfrastruktur im Nahen Osten tut nämlich etwas Wunderbares: Sie torpediert die multipolare Weltordnung, die die BRICS-Staaten so frech anstrebten und platziert Amerika wieder bequem im Zentrum der globalen Energiepolitik. Petrodollar adé, Kontrolle durch Chaos – willkommen. Die unsichtbare Hand des Marktes? Eine Faust im Handschuh.
Der Plan hat einen Namen
«Technaten» nennt sich das Konzept, das Nordangård aus den Tiefen der Planungsdokumente ausgräbt. Regionale Regierungseinheiten, die anstelle souveräner Nationalstaaten treten. Nordamerika als Block, Europa als Block, Eurasien, Afrika, Südamerika – alles ordentlich aufgeteilt, wie ein fertiges Puzzle, bevor die Öffentlichkeit die erste Ecke findet. Der Rockefeller Brothers Fund und das Stimson Center in Washington haben diese Zukunft bereits auf Papier entworfen – Berichte mit wohlklingenden Titeln wie «Logic for the Future.» Logik für die Zukunft. Deren Zukunft, versteht sich.
Und wer finanziert den Übergang? Wer stellt die Brückenfinanzierung bereit, während Europa seine Schulen schliesst, um Panzer zu bauen? Wer gibt Schweden – das seit 1814 keinen Krieg mehr geführt hat – die Mittel, sich wieder in eine Militärmacht zu verwandeln? Die Antwort ist so simpel wie deprimierend: Kredite. Und wer die Kredite vergibt, schreibt bekanntlich die Bedingungen.
Nordangård hat den Klimawandel als Vehikel identifiziert, lange bevor es politisch bequem war, das auszusprechen. Nicht den Klimawandel als physikalisches Phänomen – das wäre zu einfach – sondern die Klimawandel-Narrative als Steuerungsinstrument. Die Rockefeller-Stiftung hat das bereits 1958 verstanden, unter Federführung eines gewissen Henry Kissinger: Ein globales Problem benötigt globale Lösungen und globale Lösungen brauchen globale Institutionen. Das ist keine Verschwörungstheorie. Das ist Protokoll.
Das Chaos als Dienstleistung
Die Massenmigration? Kein Unfall. In Schweden – acht Millionen Einwohner zur Jahrtausendwende, heute zehn Millionen – hat man das Labor beobachten können. Importiertes Chaos, gefolgt von einer Antwort, die schon in der Schublade lag: KI-gestützte Gesichtserkennung, digitale ID, Überwachungskameras auf jeder Strasse in Norrköping. Die Bevölkerung sagt Danke. Sicherheit gegen Freiheit – und die Leute kaufen es, weil vorher Schiessereien und Bomben den Preis gesenkt haben.
Das nennt sich nicht Zynismus. Das nennt sich Schockdoktrin und Naomi Klein hat ein ganzes Buch darüber geschrieben. Krise erzeugen, Reaktion provozieren, Lösung präsentieren. Die Lösung war immer schon fertig. Die Krise war die Dienstleistung.
Und die Transhumanisten? Die sitzen auf beiden Seiten des politischen Spektrums, wie Nordangård präzise beobachtet. Links: Wir verbessern die Menschheit für das Kollektiv. Rechts: Wir verbessern uns selbst, weil es unser Recht ist. Gleiche Agenda, andere Verpackung. Im Hintergrund dieselben Technokraten, dieselbe Philosophie: Die Menge ist zu dumm, um selbst zu entscheiden. Wir entscheiden. Für sie. An ihnen.
Psychopathen suchen immer die Schaltstellen
Nordangård formuliert am Ende eine Beobachtung, die man sich merken sollte: Egal welches System – sozialistisch, kapitalistisch, technokratisch – Psychopathen streben nach Macht. Sie finden die Schaltstellen. Sie besetzen sie. Die Frage ist nicht, ob das neue System besser ist. Die Frage ist, ob irgendjemand ernsthaft glaubt, dass ein globales Kontrollsystem weniger anfällig für Machtmissbrauch ist als das jetzige. Die Antwort kennen wir.
Was bleibt, ist ein nüchternes Bild: Der Iran-Krieg umstrukturiert die Energiegeopolitik. Die Energiekrise schafft neue Abhängigkeiten. Die Migrationskrise liefert den Vorwand für Biometrie und Überwachung. Der Klimawandel-Apparat liefert die Rechtfertigung für Ressourcenkontrolle. Und am Ende dieser Kette steht nicht die Demokratie. Nicht die Freiheit. Nicht der Wohlstand für alle.
Am Ende dieser Kette steht jemand in einem klimatisierten Büro. Mit seinem Mineralwasser. Und er lehnt sich zurück. «Läuft…»
The TECHNOCRATIC AGENDA Behind the Global Energy Crisis | JACOB NORDANGÅRD Interview
Es gibt Menschen, die Krieg kennen. Nicht aus dem Fernsehen, nicht aus der Tagesschau, nicht aus den Reden von Politikern, die noch nie eine Waffe in der Hand hatten und auch nie eine halten werden. Sondern aus dem eigenen Leben. Aus der eigenen Kindheit. Aus dem Moment, in dem eine Mutter ihr Kind in eine Decke wickelt, um es durch eine Strassenkontrolle zu schmuggeln, und Soldaten mit Maschinengewehren ans Fenster klopfen und erklären, dass sie sie erschiessen, wenn sie auch nur nach hinten greift.
B-Lash, 1982 im Iran geboren, heute in Deutschland ansässig, ist so ein Mensch. Sein erster Fluchtversuch scheiterte in Ankara — Mutter und Kind zogen die Arschkarte, wurden verraten, mussten zurück in den Iran. Der zweite Versuch gelang: Mit fünf Jahren wurde er in ein Flugzeug geschmuggelt, als Verwandter eines Flugbegleiters deklariert, der dabei sein Leben riskierte. Er trug eine Armeeuniform mit deutscher Fahne darauf. Das Kind wusste nicht, was gespielt wurde, ausser dass es ruhig sein und den fremden Mann nicht ansprechen sollte.
Das ist kein Thriller. Das ist ein Lebensweg. Und dieser Lebensweg endet nicht in Verbitterung, Resignation oder Hass – sondern bei einem Mann, der heute politisch arbeitet, Musik macht, Journalismus betreibt, ein Buch schreibt und mit einer Klarheit über die Mechanismen der Welt spricht, die man sich mit Jahrzehnten schwieriger Erfahrung erworben hat und mit keiner anderen Methode. Derweil bereitet Deutschland seine Kinder auf den Krieg vor.
Kriegstüchtigkeit ist das neue Wort der Saison. Rüstungsausgaben in Höhen, die das kollektive Gedächtnis bereits wieder vergessen hat, dass sie mal undenkbar waren. Eine Diskussion über Wehrpflicht, die nicht mehr als Randposition gehandelt wird, sondern als verantwortungsvoller Realismus. Und eine Medienlandschaft, die das alles begleitet mit jenem ruhigen Sachlichkeitston, den sie für Sachlichkeit hält und der tatsächlich die vollständige Abwesenheit von historischem Bewusstsein ist.
B-Lash hat dazu einen einfachen Vorschlag: Geht mal an die ukrainische Grenze. Sammelt die Restmenschen ein. Packt sie in Eimer. Zeigt den Leuten, was das Game ist. Und fragt sie dann, ob sie noch spielen wollen.
Das ist kein rhetorisches Mittel. Das ist eine ernste Empfehlung. Wer Krieg als abstrakte geopolitische Notwendigkeit diskutiert, ohne je die Konkretion gesehen zu haben, was Krieg mit Menschen macht – mit Kindern, mit Müttern, mit Familien – der diskutiert etwas, das er nicht versteht. Und der entscheidet darüber, als ob er es verstünde.
Das ist der eigentliche Skandal: Nicht dass Menschen Krieg erleben müssen. Das ist so alt wie die Menschheit. Der Skandal ist, dass Menschen, die Krieg nie erlebt haben, mit vollkommener Selbstverständlichkeit über die Notwendigkeit sprechen, andere in ihn hineinzuschicken. Dass die Entfernung vom Konkreten zum Abstrakten so vollständig vollzogen wurde, dass der Befehl zu schiessen und der Tod des Schiessenden und des Beschossenen zwei verschiedene Realitäten geworden sind, die nichts mehr miteinander zu tun haben.
B-Lash versteht diese Entfernung nicht. Er kann sie nicht verstehen. Weil für ihn die Mutter, die ihre Hände heben muss, während das Maschinengewehr auf sie gerichtet ist, kein abstraktes Bild ist. Es ist eine konkrete Erinnerung. Und weil er diese Erinnerung hat, hat er auch etwas, das den meisten Kriegsdiskutanten fehlt: Ein Bewusstsein dafür, was auf dem Spiel steht, wenn man leichtfertig redet.
Was ihn dabei auszeichnet – und das ist vielleicht das Bemerkenswerteste — ist kein Zynismus und keine Resignation. Sondern ein Optimismus, der sich nicht ableiten lässt aus der Lage, die er beschreibt. Er hat sechzehn Alben aufgenommen und damit noch nie Geld verdient. Er hat über Dinge geredet, für die man ihn angefeindet, bedroht und angegriffen hat, als es noch keine Dividende brachte. Er hat jahrelang in einem Raum gesessen, in dem er der einzige war, der die Fragen stellte, die er stellte, und er hat weitergemacht.
Das ist kein Held. Das ist jemand, der nicht anders kann. Und das ist der Unterschied zu denen, die jetzt auf den Zug aufspringen, weil er Fahrt aufgenommen hat. Sie können auch anders. Sie tun es nur gerade nicht, weil es sich lohnt. B-Lash konnte nicht anders, als es sich nicht lohnte. Das ist keine moralische Überlegenheit – es ist eine biographische Tatsache.
Der Weg in eine gute Zukunft, den das Interview umkreist, ohne ihn vollständig zu fassen, hat weniger mit Programmen und Büchern zu tun als mit einer einzigen Verschiebung: Wer Krieg kennt, redet anders über Krieg. Wer Flucht kennt, redet anders über Flucht. Wer die Mutter gesehen hat, die die Hände hebt, während das Maschinengewehr auf sie zeigt, versteht, was ein Staat tut, wenn er das für notwendig erklärt.
Deutschland hat gerade kollektiv entschieden, das nicht verstehen zu wollen. Es hat gewählt, Rüstung für Verantwortung zu halten und Kriegstüchtigkeit für Reife. Es hat beschlossen, dass das Lernen aus Geschichte bedeutet, dieselben Fehler mit besserer PR zu wiederholen.
Und anderswo sitzt ein Mann, der mit fünf Jahren in eine Armeeuniform gesteckt wurde, um aus einem Land zu fliehen, das gerade seine Bevölkerung im Namen einer Revolution terrorisierte, und der trotzdem – oder vielleicht genau deswegen – optimistisch in die Zukunft schaut. Manchmal hat derjenige die klarste Sicht, der am wenigsten Grund dazu hätte…
Deutschland rüstet auf. B-Lash weiss, was das bedeutet. Er hat es mit fünf Jahren am eigenen Leib erfahren.
Es gibt eine bewährte Methode, unbequeme Themen aus dem öffentlichen Diskurs zu entfernen: Man erklärt sie zur Verschwörungstheorie, bevor jemand nachschaut, ob die Dokumente existieren. Im Fall von Chemtrails und Geoengineering hat diese Methode jahrzehntelang funktioniert. Das Problem: Die Dokumente existieren. Sie sind öffentlich zugänglich. Und wer nachschaut, findet mehr, als ihm lieb sein dürfte.
Paul — Forscher, dessen Hintergrund in der Materialwissenschaft liegt — hat nachgeschaut. Was er gefunden hat, ist kein Schattenarchiv obskurer Whistleblower-Seiten, sondern das Unterrichtsmaterial der Chemtrail-Klasse an einer Militärakademie. Sprühpyrolyse, Partikelplasmen, Luftraumleitfähigkeit – öffentlich dokumentiert, in Militärforen diskutiert, von Militärangehörigen unter sich besprochen. Nicht geheim. Offen. Wer nicht hinsieht, sieht es nicht. Wer hinsieht, fragt sich, warum er vorher nicht hingesehen hat.
Die Ursprünge liegen im Militär. Die Logik ist simpel: Über den Ozeanen funktionierte Radarüberwachung gut, weil Salz in der Luft elektrisch leitfähig ist. Die Kontinentalstreitkräfte wollten dieselbe Leitfähigkeit – und begannen, sie künstlich herzustellen. Durch Partikelplasmen. Das ist keine Theorie. Das ist die dokumentierte Entwicklungsgeschichte einer Technologie, die heute in zivile Infrastruktur eingebettet ist.
Der Mechanismus ist dabei so elegant, dass man ihn fast bewundern müsste. Es werden keine Tanks an Flugzeuge montiert, keine geheimen Sprühdüsen installiert, kein aufwendiger Parallelapparat aufgebaut. Es genügt ein Additiv im Kerosin. Stadis 500 – ein Standardadditiv, das weltweit von Fluggesellschaften verwendet wird. Wer die Zulassungsverfahren für dieses Additiv liest, findet dort, dass es gemeinsam mit einem nicht namentlich genannten Zusatz zugelassen wurde, der Bariumsalze enthält. Im Triebwerk entsteht beim Verbrennen ein Temperaturgradient zwischen 750 und 600 Grad – genau jener Bereich, in dem sich Barium-Strontium-Titanat-Nanokristalle bilden. Das nennt sich Sprühpyrolyse. Das ist keine Raketenphysik. Das ist Chemie, die in jedem entsprechenden Lehrbuch steht.
Die Partikel, die dabei entstehen, sind in der Umweltanalytik unsichtbar. Nicht weil sie nicht existieren, sondern weil sie in keiner Säure löslich sind – ausser in Flusssäure, die kein Standardverfahren der Umweltmessung verwendet. Chemische Analyse ergibt nichts Auffälliges. Erst unter dem Mikroskop werden sie sichtbar: Barium-Strontium-Titanat mit Europium-Dotierung, Aluminiumoxid-Whisker aus Nachbrennertriebwerken. Exotische Materialien mit exotischen physikalischen Eigenschaften.
Was diese Partikel im menschlichen Körper anrichten, ist die Frage, bei der die Dokumentenlage dünner wird – und die Beobachtungslage dichter. Aluminium ist als Adjuvans in Impfstoffen bekannt: Es löst im Körper eine heftige Immunreaktion aus, damit die Impfung «angeht». Dieselbe Substanz, eingeatmet, hat dieselbe Wirkung auf dasselbe Immunsystem. Ein Homöopath mit dreissig Jahren Praxiserfahrung, der täglich mehr Kinder mit neurologischen Störungen und Entwicklungsauffälligkeiten sieht, fragt sich: Wie kommen Kinder, die nie geimpft wurden, an diese Aluminium-Exposition? Die naheliegende Antwort wird nicht in Leitmedien diskutiert.
Barium, Strontium, Aluminium – alle drei tauchen in der Geoengineering-Literatur auf. Alle drei haben dokumentierte physiologische Wirkungen. Alle drei sind als homöopathische Arzneimittel bekannt, weil ihre Toxikologie ausreichend erforscht ist, um Symptombilder zu beschreiben. Die Materia Medica ist eindeutig. Die Verbindung zwischen dem, was am Himmel versprüht wird, und dem, was in Praxen zunehmend auftaucht, ist noch keine bewiesene Kausalität – aber sie ist eine Frage, die gestellt werden darf.
Was die Bundesregierung angeht: Der wissenschaftliche Dienst des Bundestags hat zugegeben, dass Wolkenimpfung – also die gezielte Einflussnahme auf Niederschlag durch ausgebrachte Substanzen – ein reales Verfahren ist, das praktiziert wird. Das ist keine neue Erkenntnis. Das ist dokumentierter Konsens. Wer das «Chemtrail» nennt, wird belächelt. Wer es «Wolkenimpfung» nennt, hat den wissenschaftlichen Dienst auf seiner Seite.
Das eigentliche Problem ist nicht, dass diese Technologien existieren. Technologien existieren. Das Problem ist die vollständige Abwesenheit öffentlicher Debatte über Substanzen, die – wenn die vorliegenden Dokumente korrekt sind – täglich über Millionen Menschen ausgebracht werden, ohne deren Wissen, ohne deren Zustimmung und ohne Regulierung, die dem Normalbürger verständlich gemacht wurde.
Wer die Zulassungsunterlagen für Stadis 500 lesen kann, liest sie. Wer das Unterrichtsmaterial der Militärakademie lesen kann, liest es. Wer die Forenbeiträge von Militärangehörigen lesen kann, liest sie. Das alles ist öffentlich. Es wartet nur darauf, gelesen zu werden…
Geoengineering: Was da oben gesprüht wird, steht in den Unterlagen – man muss nur nachschauen
Raphael Bonelli, Wiener Psychiater und einer der wenigen Akademiker, die noch laut denken dürfen, ohne sofort als Extremist etikettiert zu werden, hat fünf Denkstörungen unserer Zeit diagnostiziert. Fünf. Man könnte meinen, das sei zu wenig – wer die Tagesschau einschaltet, kommt schnell auf zwanzig. Aber fangen wir mit den fünf an, die er identifiziert hat, denn sie reichen bereits aus, um zu erklären, warum eine Zivilisation, die den Mond erreicht hat, heute ernsthaft darüber diskutiert, ob Sprache Gewalt ist und ob Bauern Klimafeinde sind.
Denkstörung Nummer eins: Die Individuelle
Der Mensch beschliesst, dass er nicht schuld sein kann. Fertig. Vollständig. Unverhandelbar. Was auch immer passiert – die Frau, der Chef, das System, das Klima, der Kapitalismus — er selbst ist raus. Bonelli begegnet dieser Spezies täglich in der Paartherapie, wo das Muster so zuverlässig auftaucht wie der Sonnenaufgang: Beide sitzen gegenüber, beide sind Opfer und der Täter ist immer der andere. Was diese individuelle Denkstörung besonders gefährlich macht, ist ihre Verwandtschaft mit digitaler Leichtgläubigkeit. Wer sich für unwiderstehlich hält, glaubt auch, dass Britney Spears sein Facebook-Profil bewundert und jetzt nur noch 5000 Euro Kerosingeld braucht. Die Gerichte sind voll davon.
Denkstörung Nummer zwei: Die Kollektive
Hier wird’s gesellschaftlich relevant – und unangenehm. Der Lehrer sagt, die blaue Tasche sei rot, alle nicken, und wer widerspricht, ist das Problem. Des Kaisers neue Kleider, neu aufgelegt mit Faktencheckern und Haltungsjournalismus. Bonelli beobachtet mit zunehmender Sorge, wie Menschen ihr Denken nicht mehr an der Realität orientieren, sondern an der Frage: Was muss ich sagen, um dazuzugehören? Was muss ich glauben, um nicht Nachteile zu bekommen? Das ist keine Meinung mehr – das ist kognitives Überleben in einer Gesellschaft, die Konformität mit Konsens verwechselt und Widerspruch mit Aggression beantwortet. Wer in einer Fernsehdebatte sitzt und merkt, dass sein Gegenüber nicht an Wahrheit interessiert ist, sondern am besten Sager – der hat die kollektive Denkstörung live erlebt. Sie ist längst nicht mehr die Ausnahme. Sie ist das Geschäftsmodell.
Denkstörung Nummer drei: Die Digitale
TikTok hat gewonnen. Nicht militärisch, nicht politisch – kognitiv. Die Aufmerksamkeitsspanne einer Generation, die mit Endlosscrolling aufgewachsen ist, gleicht einem Scheinwerfer, dessen Akku nach zehn Sekunden leer ist. Lehrer berichten, dass Schüler einer einstündigen Erklärung nicht mehr folgen können – sie warten, dass die Lehrerin «wegswipet». Der Extremfall sitzt zu Hause, spielt Tag und Nacht Rollenspiele und wenn er kurz aufsteht, ist das die Unterbrechung – nicht das Spiel. Die Realität ist das Irritierende. Das Virtuelle ist Heimat. Ein junger Wiener, der täglich mit Deutschen online spielt, kommt irgendwann in die Praxis und redet wie jemand aus München. Das klingt nach Anekdote. Es ist Diagnose.
Denkstörung Nummer vier: Die Pädagogische
Schulen lehren nicht mehr, zu denken – sie lehren, was zu denken ist. Der Unterschied ist fundamental, wird aber systematisch verwischt. Moral, erklärt Bonelli präzise, ist die Orientierung der eigenen Handlungen am objektiv Guten. Moralismus hingegen ist die Vortäuschung von Moral zum eigenen Vorteil. Wer die Strasse blockiert und danach nach Bali fliegt, wer Autoreifen aufschlitzt «für die Umwelt», wer Gegenargumente als unmoralisch bezeichnet, um sie nicht beantworten zu müssen – der moralisiert. Und das Perfide an dieser Strategie: Wer gegen ein moralisches Argument argumentiert, ist automatisch unmoralisch. Das Denken wird nicht widerlegt. Es wird abgewürgt. Die Schule liefert dafür die Vokabeln, die Universität den Abschluss.
Denkstörung Nummer fünf: Die Generative
Kinder? Wozu? Die Rente zahlt irgendwer. Den Planeten schont man besser ohne Nachwuchs. Diese Denkstörung ist vielleicht die subtilste, weil sie sich als Vernunft verkleidet. Seit fünfzig Jahren gebären westliche Gesellschaften zu wenig Kinder, um sich zu erhalten. Das ist kein Zufall, kein Trend, kein Lifestyle – das ist nach Freud der Todestrieb in gesellschaftlicher Form. Thanatos, jener innere Hass auf das Gute, das Wahre, das Schöne, der sich einschleicht und das Glück systematisch demoliert – im Kleinen bei jedem Ehebrecher, der sich fragt, warum er das tut, im Grossen bei einer Zivilisation, die aufgehört hat, sich fortzupflanzen und es «Selbstverwirklichung» nennt.
Was alle fünf Störungen verbinden? Der Abbruch des Kontakts zur Wirklichkeit. Bonelli nennt es Noos – die spontane Erkenntnis dessen, was evident ist, was sichtbar vor einem liegt, bevor die Ideologie sich dazwischenschiebt und sagt: «Nein, das siehst du falsch.» Der Grieche nannte es Weisheit. Die heutige Gesellschaft nennt es Verschwörungstheorie.
Kahneman unterscheidet schnelles und langsames Denken – Bonelli nennt es Oberflächen- und Tiefendenken. Das Oberflächendenken funktioniert auf Autopilot, braucht keine Energie, hinterfragt nichts und übernimmt Pferdemist für Gold, solange die Verpackung gut aussieht. Der Spiegel als vertrauenswürdige Quelle eingestellt – und schon ist das Gehirn, laut Bonelli, «wegzuschmeissen.» Nicht als Beleidigung. Als Diagnose.
Die gute Nachricht: Das Gehirn ist plastisch. Es verändert sich mit jedem Gedanken, den man denkt, mit jeder Entscheidung, die man trifft, mit jeder Quelle, der man vertraut oder eben misstraut. Wer aufhört, alles zu glauben, was ihm serviert wird, wer innehalten kann zwischen Reiz und Reaktion – Viktor Frankls berühmter Raum der Freiheit – wer Quellen nach Wahrheitsgehalt bewertet statt nach sozialer Akzeptanz, der beginnt, aus dem kollektiven Irrenhaus auszutreten.
Psychiater spricht Klartext: Wir leben in geisteskranken Zeiten
Die Zukunft des Kinos ist da. Sie heisst «PI HARD», kommt von einer Produktionsfirma namens «AI OR DIE» und wurde – Überraschung – vollständig von einer künstlichen Intelligenz zusammengewürfelt. Der Trailer wirkt wie ein Meisterwerk des KI-Filmemachens.
Das Konzept: Die Gesetze der Physik werden zerstört, jemand hat einen Backdoor ins Universum eingebaut, und der arme Held namens Neil droht, durch null dividiert zu werden. Klingt nach einem Abend mit zu viel Koffein und einem offenen ChatGPT-Fenster – ist aber angeblich «ein modernes Update von The Matrix mit einer Multiverse-kollabierenden Note, die sich einzigartig nach 2026 anfühlt.» Man muss diese Formulierung würdigen: Einzigartig nach 2026. Das Benchmark liegt also inzwischen bei «hat ein Veröffentlichungsdatum.»
Hervorzuheben sind die «kohärente Narrative», die «erschütternden Visuals» und – natürlich – der emotionale Tiefgang, der sich darin äussert, dass ein KI-generierter Wissenschaftler verzweifelt dreinschaut, weil die Mathematik nicht stimmt. Das Highlight: Der Trailer endet mit einem Witz über eine Nutella-Allergie. Das ist der Beweis, dass KI-Schöpfer ein Gespür für Timing und Ton haben.
Was niemand laut sagt: Das Ganze ist ein Trailer für einen Film, der nicht existiert. Kein Drehbuch, keine Schauspieler, keine Produktion. Nur ein zweiminütiger KI-Clip. Hollywood hat Jahrzehnte gebraucht, um den Blockbuster zu erfinden. Die KI braucht offenbar nur einen Nachmittag — und einen unkritischen Blogger…
Es klingt so edel: Die Völker der Welt, vereint gegen unsichtbare Feinde, Viren schonungslos bekämpfend, Impfstoffe gerecht verteilend, das grosse Leid der nächsten Pandemie gemeinsam schulternd. Die WHO hat im Mai 2025 nach jahrelangem Verhandlungsmarathon tatsächlich einen Kerntext für ein Pandemieabkommen verabschiedet. Applaus, bitte. Nur: Der entscheidende Teil fehlt. Der Anhang, der regelt, wer eigentlich was bekommt – verschoben auf Mai 2026. Oder später. Oder nie. Wer sich fragt, warum, muss sich nur anschauen, um was genau man streitet. Dann wird schnell klar: Es geht um Geld. Sehr viel Geld.
PABS: Das kleine Wort mit dem grossen Preisschild
Das Herzstück des Abkommens heisst PABS – Pathogen Access and Benefit Sharing. Es regelt, wie Staaten Daten und Proben gefährlicher Krankheitserreger teilen und wie Impfstoffe, Medikamente und Tests später verteilt werden sollen. Die Idee dahinter ist so simpel wie vernünftig: Du schickst deine Virenmuster nach Genf, die Pharmaindustrie entwickelt einen Impfstoff, und du bekommst am Ende etwas zurück. Ein fairer Tausch. Oder zumindest sollte es einer sein.
Nach bisherigen Entwürfen müssten Hersteller 20 Prozent ihrer pandemierelevanten Gesundheitsprodukte bereitstellen – mindestens die Hälfte davon als Spende, den Rest zu Vorzugspreisen. Zwanzig Prozent. Das klingt nach einem Akt der menschlichen Grosszügigkeit. Dabei ist es der Minimalkompromiss nach jahrelangem Gerangel. Und selbst dieser Minimalkompromiss ist Westeuropa und den USA offenbar zu viel.
Rohstoff Virus: Erst nehmen, dann die Hand wegziehen
Länder des globalen Südens werfen westlichen Industriestaaten vor, während der Corona-Pandemie von gemeinsam geteilten Virusdaten profitiert zu haben, ohne Impfstoffe später fair zu verteilen. Das ist keine Verschwörungstheorie. Das ist Protokoll. Als COVID-19 auftauchte, flossen die genomischen Sequenzen brav nach Westen, die Pharmariesen entwickelten ihre Vakzine – und dann zogen die reichen Staaten sämtliche Vorräte auf ihre Seite des Verhandlungstisches. Biontech und Pfizer lieferten der Afrikanischen Union 50 Millionen Dosen – während Moderna gerade mal 0,2 Prozent seines gesamten Impfstoffangebots an einkommensschwache Länder schickte, waren es bei Pfizer/Biontech 0,4 Prozent. Afrika dient als Rohstofflieferant für den nächsten Impfstoffboom, kassiert aber nicht mal das Trinkgeld.
Zur gleichen Zeit fiel für die Konzerne buchstäblich Gold vom Himmel. Pfizer, Biontech und Moderna erwirtschafteten auf dem Höhepunkt der Pandemie zusammen rund 1000 Dollar Gewinn jede Sekunde. Jede Sekunde. Die Pandemie brachte fünf neue Milliardäre hervor, die zusammen über ein Nettovermögen von 35,1 Milliarden Dollar verfügten. Herzlichen Glückwunsch zur Seuche.
Deutschland: Lobbyist in Nadelstreifen
Besonders lehrreich ist die Rolle Deutschlands in diesen Verhandlungen. Die deutsche Bundesregierung bevorzugte in den Verhandlungen bei der WHO die Interessen der Pharmaindustrie, indem sie einen freiwilligen Technologietransfer für Hersteller forderte. Freiwillig. Das bedeutet: Die Konzerne sollen selbst entscheiden, ob sie ihr Wissen teilen. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie oft sie das tun werden. Das Ergebnis: Der Technologietransfer bleibt freiwillig. Dafür hatte sich Deutschland starkgemacht. Das Heimatland von Biontech setzt sich für Biontech ein. Wer hätte das gedacht.
Auch die sogenannte Technologietransferklausel – die es ärmeren Ländern ermöglicht hätte, Impfstoffe selbst herzustellen – wurde auf dem Verhandlungsweg entschärft. Während einkommensschwächere Länder strengere Regeln befürworteten, bestanden wohlhabendere Länder und EU-Mitglieder darauf, dass der Technologietransfer «freiwillig und in gegenseitigem Einvernehmen» erfolgen sollte. «Gegenseitiges Einvernehmen» zwischen einem Konzern mit Milliardengewinnen und einem Land, das keine Kühlkette hat. Sehr ausgewogen.
Verschoben, verwässert, versenkt
Es war zu erwarten, dass mehrere Verpflichtungen aufgeweicht oder verwässert werden würden. So wurden sowohl die Anforderungen an die Transparenz bei der öffentlichen Finanzierung von Forschung und Entwicklung als auch die Verpflichtungen der Staaten zum Technologietransfer milder formuliert als ursprünglich vorgesehen. Transparenz bei öffentlicher Forschungsfinanzierung? Weg. Technologietransfer? Freiwillig. PABS-Anhang? Verschoben.
Was bleibt, ist ein Abkommen, das gut klingt und wenig verbindet. Einkommensschwache Länder werden bei einem zukünftigen Pandemiefall erneut verzögert Zugang zu Impfstoffen, Diagnostika und Medikamenten erhalten. Das ist kein unbeabsichtigter Kollateralschaden. Das ist das Ergebnis von jahrelangem strategischem Verhandeln mit klarem Ziel: Die Gewinnverteilung der nächsten Pandemie so früh wie möglich absichern, bevor der erste Tote gezählt ist.
Das eigentliche Abkommen, das hinter dem Abkommen steht, wurde längst unterzeichnet. Es heisst Patentschutz, es heisst freiwilliger Technologietransfer, es heisst zwanzig Prozent als Almosen verpackt. Solange die nächste Seuche noch auf einem Fledermausflügel in Zentralafrika schläft, laufen in Genf bereits die Verhandlungen darüber, wer die Gewinnspanne bekommt.
Es gibt einen Moment, in dem Sprache aufhört zu funktionieren. Nicht weil die Worte fehlen. Sondern weil das, was beschrieben werden müsste, jenseits dessen liegt, was die Sprache für den normalen Gebrauch vorgesehen hat. Die Epstein-Akten sind solch ein Moment.
Was darin dokumentiert ist, ist kein Skandal. Skandale passieren. Ein Politiker lügt, ein Konzern betrügt, ein System versagt. Das sind Skandale. Was die Epstein-Akten beschreiben, ist etwas anderes. Es ist organisierter, internationaler, jahrzehntelanger sexueller Missbrauch von Kindern – systematisch, dokumentiert, von mächtigen Netzwerken betrieben, von Strafverfolgungsbehörden gedeckt, von Gerichten mit günstigen Absprachen behandelt und von der Öffentlichkeit mit einer Stille quittiert, die selbst zur Mitschuld wird.
Pädophilie. An Neugeborenen. Vergewaltigung. Ritualmissbrauch. Kinder, die als Sexobjekte behandelt wurden. Kinder, die verschwanden. Von Tausenden, die in den Akten erwähnt werden, sind etwa dreissig auffindbar. Die übrigen: Weg. Ausgelöscht. Als hätten sie nie existiert.
Das ist keine Verschwörungstheorie. Das ist Aktenlage. Dokumentiert, beeidet, vor Gericht eingereicht. Und die Reaktion der Welt darauf? Ein gähnendes Kopfnicken, ein flüchtiges Aufleuchten in den digitalen Netzwerken, einige Presseberichte, die akribisch zwischen «bewiesenen Fakten» und «spekulativen Vermutungen» jonglieren – als ob die Thematik, ob ein Kind im Alter von zehn Jahren tatsächlich entführt und sexuell missbraucht wurde, eine sei, über die man noch etwas grübeln sollte, ehe man eine klare Position bezieht.
Bekannte Persönlichkeiten werden in diesen Akten genannt. Politiker beider grossen amerikanischen Parteien. CEOs. Adel. Geheimdienstkreise. Menschen, die heute noch Ämter bekleiden, Reden halten, Auszeichnungen empfangen und sich auf Bühnen als Verteidiger des Guten inszenieren. Ihre Nähe zu Epstein, zu seinen Netzwerken, zu seinen Inseln – dokumentiert. Die Konsequenzen? Keine. Wer mächtig genug ist, ist durch die Struktur des Systems geschützt, das er mitaufgebaut hat. Das ist nicht Zynismus. Das ist die Mechanik, die aus den Akten selbst hervorgeht.
Codewörter wie «Pizza». Fotos von Abdrücken echter Kinderkörperteile als Dekoration. Missbrauch, der in E-Mails so beiläufig besprochen wurde wie Geschäftsreisen. Leid, das wie Logistik behandelt wurde. Rekrutierungsnetzwerke, in denen Kinder manipuliert wurden, weitere Kinder zu rekrutieren. Auktionen. Briefkastenfirmen. Internationale Geldflüsse, die das alles finanzierten und wuschen.
Und die Täter? Sie lachten über das, was sie taten. Sie planten zukünftige Ereignisse in derselben Sprache, in der normale Menschen Urlaube planen.
Die Opfer, die überlebten, wurden durch Drohungen, Geheimhaltungsvereinbarungen, Einschüchterungen und Gewalt zum Schweigen gebracht. Diejenigen, die nicht überlebten oder spurlos verschwanden, haben niemanden mehr, der für sie spricht. Ausser vielleicht jenen, die diese Akten lesen und entscheiden, dass das, was darin steht, eine Reaktion verdient, die proportional zum Verbrechen ist. Proportional zum Verbrechen. Und was wäre das?
Nicht das, was wir bisher gesehen haben. In einer Welt, in der man sich tagelang über den Haarschnitt eines Politikers unterhält, jedoch bei systematischem Kindesmissbrauch mit Beteiligung von Regierungsbeamten und Unternehmensführern zur Zurückhaltung mahnt, ist ein unsichtbares Gut verloren gegangen, das kostbarer ist als jeder finanzielle oder politische Verlust. Diese Gesellschaft hat das Fundament verloren, auf dem jede zivilisatorische Behauptung steht, dass das Schwächste beschützt wird, koste es, was es wolle.
Kinder haben keine Lobby. Sie können keine Kampagnenbeiträge leisten. Sie sitzen nicht in Aufsichtsräten. Sie haben keinen Zugang zu Anwälten, die Staatsanwälte einschüchtern können. Sie sind auf Erwachsene angewiesen, die das, was ihnen angetan wird, nicht wegschauen, nicht relativieren, nicht in politische Kategorien sortieren.
Und genau hier liegt das eigentliche Versagen. Nicht nur das Versagen der Institutionen, die Ermittlungen behinderten und Beweise vernichteten. Nicht nur das Versagen der Medien, die abwiegelten und «Verschwörungstheorien bekämpften», statt die dokumentierten Verschwörungen zu untersuchen. Das Versagen ist universell. Es ist das Versagen einer kollektiven Wut, die schlicht nicht gross genug ist.
Wenn Krieg gegen die Abscheulichkeiten, die in diesen Akten beschrieben werden, vergleichsweise zivilisiert wirkt – und das ist eine Aussage, die jeder, der diese Akten gelesen hat, unterschreiben würde – dann müsste das etwas auslösen. Eine Reaktion, die dem Ausmass des Verbrechens entspricht. Eine Forderung nach Rechenschaft, die keine Rücksicht nimmt auf Partei, Prominenz, Reichtum oder institutionellen Status. Nicht einige Täter. Nicht die bequem Schuldigen. Alle.
Das ist keine politische Forderung. Das ist eine moralische Minimalanforderung an eine Gesellschaft, die behauptet, ihre Kinder zu lieben.
WIR SIND NICHT WÜTEND GENUG.
Das ist das Verbrechen, das zu den anderen hinzukommt. Und im Gegensatz zu den anderen können wir dieses selbst beenden – wenn wir aufhören, so zu tun, als wäre Mässigung in dieser Frage eine Tugend. Sie ist keine. Sie ist Mitschuld durch Gleichgültigkeit…
Es gibt ein Recht auf ein analoges Leben. Das klingt in der Gegenwart so absurd, dass man es zweimal lesen muss. Nicht weil das Recht absurd wäre – sondern weil es nötig ist, es überhaupt auszusprechen. Dass man im Jahr 2026 einen Kommentar schreiben muss, der erklärt, dass Menschen, die kein Smartphone besitzen, trotzdem vollwertige Bürger mit vollwertigen Ansprüchen auf vollwertige Dienstleistungen sind – das sagt alles über den Zustand aus, in dem wir uns befinden.
Das Recht auf ein analoges Leben folgt aus dem Allgemeinen Persönlichkeitsrecht und dem Gleichbehandlungsgebot. Es ist ein noch ungeschriebenes Grundrecht – und es wird täglich, millionenfach missachtet. Ungeschrieben. Das ist das Schlüsselwort. Es steht nicht explizit in der Verfassung, weil die Verfassung zu einer Zeit geschrieben wurde, in der niemand dachte, man müsse das Offensichtliche aufschreiben. Dass Menschen, die keine Technologie nutzen wollen oder können, deshalb keinen Arzttermin bekommen, keine Zugfahrkarte kaufen und kein Paket abholen dürfen – das hätte 1949 wie ein Dystopie-Roman geklungen. Heute ist es Alltag.
Die Deutsche Bahn hat ihre Bahncard vollständig auf digital umgestellt. Fahrkarten an Bord kann der Kunde nicht mehr beim Zugpersonal kaufen, sondern nur noch, wenn er die App «DB Navigator» installiert hat. Schnelle Informationen über Verspätungen, Anschlüsse oder Wagenreihung erhalten nur Handy-Nutzer. Das Staatsbahn-Unternehmen, das mit Steuergeldern subventioniert wird, behandelt Kunden ohne Smartphone als lästige Störer. Die logische Schlussfolgerung aus dieser Haltung ist so klar wie sie unangenehm ist: Wer kein Gerät hat, das ständig Daten sammelt, Updates verlangt, Ortungsdienste aktiviert und in Echtzeit mit Servern kommuniziert, hat im öffentlichen Raum nichts verloren. Er soll entweder mitspielen oder zu Hause bleiben.
Die Deutsche Post hat ihre Packstationen so umgerüstet, dass man ein Paket nur noch abholen kann, wenn man ein Smartphone mit extra installierter Post- und DHL-App besitzt. Das ist kein technischer Fortschritt. Das ist ein Ausschlussmechanismus, der mit dem Wort Fortschritt etikettiert wurde, damit niemand auf die Idee kommt, ihn so zu nennen, was er ist.
Das Bemerkenswerteste an dieser Entwicklung ist ihre Selbstverständlichkeit. Kein Parlament hat beschlossen, dass das Recht auf Paketzustellung vom Besitz eines Smartphones abhängt. Kein Volksreferendum hat entschieden, dass Bahnfahren ein digitales Endgerät voraussetzt. Es ist schleichend passiert, Schritt für Schritt, immer mit der Begründung, es sei effizienter, moderner, nutzerfreundlicher. Nutzerfreundlich für jene Nutzer, die genau das Profil haben, das das Unternehmen bedienen möchte. Für alle anderen: Pech gehabt.
Die Gruppe der Betroffenen ist dabei weit grösser als das stereotype Bild der technikfernen Senioren vermuten lässt. Die Missachtung des Rechts auf ein analoges Leben irritiert nicht nur viele alte Menschen, für die die Welt von Computer und Smartphone ein undurchdringlicher Dschungel ist – auch Technikkenner sind empört. Menschen, die aus Überzeugung kein Smartphone tragen. Menschen, die Datenschutz ernst nehmen. Menschen, die keine ständige Verbindung zu kommerziellen Plattformen wollen. Menschen, die schlicht entschieden haben, dass ein Gerät, das ihre Bewegungen trackt, ihre Kommunikation speichert und ihre Gewohnheiten an Werbealgorithmen verkauft, kein Teil ihres Lebens sein soll.
Diese Entscheidung – vollständig legitim, vollständig legal, vollständig vereinbar mit einem Leben als verantwortungsvoller Bürger – wird zunehmend mit gesellschaftlichem Ausschluss bestraft. Wer kein Smartphone hat, kann keinen Arzttermin buchen. Kein Konzertticket kaufen. Kein Paket abholen. Nicht vollwertig Bahn fahren. Das ist keine theoretische Benachteiligung. Das ist systematische Diskriminierung, die unter dem Deckmantel der Modernisierung betrieben wird.
Die Grundversorger – Behörden und Unternehmen der Daseinsvorsorge – stehen in der Verantwortung, ihre Dienste allen Menschen gleichermassen zugänglich zu machen. Die Nutzung der Infrastruktur und die Teilnahme am öffentlichen Leben dürfen nicht unter Smartphone-Vorbehalt stehen. Das ist rechtswidrig.
Rechtswidrig. Das Wort steht da und bleibt bisher folgenlos. Weil niemand klagt. Weil die Betroffenen oft nicht die Ressourcen haben, um zu klagen. Weil die Unternehmen wissen, dass die Durchsetzung dieses Rechts teuer und langwierig wäre. Und weil eine Gesellschaft, die Effizienz über Inklusion stellt, nicht besonders motiviert ist, sich selbst zu korrigieren.
Die digitale Transformation wäre kein Problem, wenn sie eine Erweiterung wäre – neue Möglichkeiten für jene, die sie wollen, bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung analoger Alternativen für jene, die sie brauchen oder bevorzugen. Das wäre technologischer Fortschritt. Was stattdessen passiert, ist Substitution mit Zwangscharakter: Das Analoge wird nicht ergänzt, sondern eliminiert. Und wer nicht mitmacht, wird eliminiert — aus dem öffentlichen Dienst, aus dem öffentlichen Raum, aus der vollen Bürgerschaft.
Das Recht auf ein analoges Leben ist kein nostalgisches Aufbegehren gegen den Wandel. Es ist die Forderung, dass Bürgerrechte nicht von der Bereitschaft abhängen, ein Überwachungsgerät in der Hosentasche zu tragen.
Das sollte man nicht mal aufschreiben müssen. Aber hier sind wir…
Es gibt Aussagen, die so offen, so unverfroren und so selbstsicher vorgetragen werden, dass man kurz überlegen muss, ob man gerade Satire liest oder Realität. Fleur Hassan-Nahoum, Israels Sonderbeauftragte für Handel und Innovation sowie ehemalige Vize-Bürgermeisterin von Jerusalem, liefert eine solche Aussage in einem Video-Interview mit dem Shirion Collective – und sie meint jedes Wort ernst: «Wir werden Sie mithilfe von Google überwachen, Ihre Sicherheitslücken aufdecken, Sie entlassen lassen oder – falls Sie ein Unternehmen besitzen – Sie in den Ruin treiben.»
Man lasse das kurz wirken. Eine offizielle Vertreterin eines Staates, der sich regelmässig auf westliche Demokratie- und Freiheitswerte beruft, erklärt in aller Seelenruhe, wie man Kritiker via digitale Überwachung, Jobverlust und wirtschaftliche Vernichtung zum Schweigen bringt. Keine hinter verschlossenen Türen geflüsterte Drohung – ein öffentliches Interview, mit erkennbarem Stolz vorgetragen. Willkommen in der neuen Diplomatie.
Was das Shirion Collective ist – und was es tut
Die Gruppe, mit der Hassan-Nahoum so demonstrativ kooperiert, bezeichnet sich selbst als pro-israelisches Überwachungsnetzwerk. Ihr erklärtes Ziel: Die Identifizierung und Blossstellung anonymer Nutzer, die sich kritisch zur israelischen Politik äussern. Die Methoden dafür sind eindeutig: Doxing – das Sammeln und öffentliche Verbreiten privater Daten – gezielte Kampagnen gegen Arbeitgeber und Geschäftspartner, und ein gestaffeltes Kopfgeld-Programm, das intern und auf X unter dem Namen «Insiders Against Antisemitism» beworben wurde.
Die Prämien sind nach sozialem Status gestaffelt – wer würde auch für einen Studenten so viel zahlen wie für einen Politiker? Studenten bringen 500 bis 1500 US-Dollar. Ärzte bis zu 7500. Politiker bis zu 10’000, teilweise 15’000 Dollar. Bezahlt wird für Insider-Informationen, die zur Identifizierung von Personen führen, welche die Gruppe als «Antisemiten» oder «Hamas-Unterstützer» klassifiziert — eine Kategorie, die in der Praxis häufig einfach Teilnehmer an Pro-Palästina-Demonstrationen umfasst. Das Kollektiv behauptete mehrfach öffentlich, diese Gelder tatsächlich ausgezahlt zu haben.
Hinter der Gruppe steckt laut einer investigativen Recherche des Guardian ein Tech-Unternehmer namens Daniel Linden aus Florida. Und weil manuelle Überwachung im digitalen Zeitalter ineffizient ist, hat das Shirion Collective vorgesorgt: Eine KI namens «Maccabee» soll Gesichter in Videos erkennen und automatisch mit Social-Media-Profilen abgleichen. Automatisierte Gesichtserkennung im Dienst organisierter Kritiker-Jagd – Innovation, wie Hassan-Nahoum sagen würde.
Die Chuzpe der Legitimierung
Was dieses Video über alles andere hinaus brisant macht, ist nicht allein das Shirion Collective selbst. Solche Gruppen existieren, in verschiedenen ideologischen Färbungen, in verschiedenen Ländern. Was es singulär macht: Eine offizielle Staatsvertreterin — Sonderbeauftragte für Innovation, wohlgemerkt — legitimiert dieses Vorgehen öffentlich, bezeichnet es als notwendige Antwort auf Antisemitismus und erklärt es damit de facto zur gebilligten Methode israelischer Interessenvertretung im Ausland.
Das ist keine Randgruppe, die eigenständig operiert und gelegentlich zu weit geht. Das ist eine Kooperation mit offiziellem Segen, demonstrativ nach aussen getragen. Wer Kritik an israelischer Politik äussert – ob in Deutschland, der Schweiz, den USA oder Grossbritannien – soll wissen: Es gibt eine staatlich tolerierte, mit KI ausgestattete, finanziell motivierte Infrastruktur, deren erklärter Zweck seine berufliche und wirtschaftliche Vernichtung ist.
Menschenrechtsorganisationen nennen das, was das Shirion Collective betreibt, eine systematische Einschüchterungskampagne zur Unterdrückung unliebsamer politischer Meinungen im Ausland. Hassan-Nahoum nennt es Innovation. Es ist beides – im technischen Sinne. Eine innovative Methode der Einschüchterung.
Das grössere Bild
Man sollte an dieser Stelle nicht naiv tun. Digitale Überwachung von Andersdenkenden, staatlich geduldete oder aktiv geförderte Doxing-Operationen, KI-gestützte Gesichtserkennung gegen politische Gegner – das ist kein Alleinstellungsmerkmal. Verschiedene Akteure in verschiedenen Ländern operieren mit ähnlichen Instrumenten. Der Unterschied liegt in der Unverblümtheit, mit der es hier vorgetragen wird.
Hassan-Nahoum entschuldigt sich nicht. Sie erklärt nicht, die Aussage sei aus dem Kontext gerissen. Sie stellt sich nicht als Missverständnis dar. Sie sagt, was sie sagt, und meint es. Das verdient eine entsprechende Klarheit in der Einordnung: Was hier beschrieben wird, ist das organisierte, technologisch ausgerüstete, finanziell incentivierte Zum-Schweigen-Bringen von Menschen, die eine andere politische Meinung haben – ausgeführt auf fremdem Territorium, mit dem Ziel der Existenzvernichtung.
Wer das Antisemitismus-Bekämpfung nennt, dehnt den Begriff so weit, bis er das genaue Gegenteil von dem bedeutet, was er bedeuten soll: Schutz von Menschen vor pauschaler Verfolgung aufgrund ihrer Zugehörigkeit oder Überzeugung. Was das Shirion Collective betreibt, ist pauschale Verfolgung aufgrund politischer Überzeugung – mit Kopfgeld, KI und dem Segen einer Staatsbeamtin.
Maccabee läuft. Die Gesichter werden abgeglichen. Die Konten werden angelegt.
Für den Fall, dass jemand noch der Meinung war, politische Meinungsäusserung im Internet sei ein risikofreier Akt in einer freien Gesellschaft: Das Video von Fleur Hassan-Nahoum ist die Antwort darauf.
Kopfgeld auf Kritiker: Wie eine israelische Staatsbeamtin das Doxing zur Aussenpolitik erklärt
Es gibt Themen, bei denen die Gesellschaft kollektiv beschlossen hat, nicht genauer hinzuschauen. Organspende gehört dazu – eingebettet in eine Wolke aus Altruismus, Nächstenliebe und dem wohligen Gefühl, nach dem Tod noch etwas «Gutes» zu tun. Wer Fragen stellt, ist herzlos. Wer Zweifel äussert, ist ein Egoist. Wer die medizinische Realität beim Namen nennt, ist ein Verschwörungstheoretiker. Willkommen im Diskurs.
Fangen wir also mit dem an, was niemand laut sagen soll: Damit eine Organtransplantation gelingt, muss der tote Spender noch leben. Das ist keine Provokation – das ist Physiologie. Ein tatsächlich toter Mensch liefert keine verwertbaren Organe. Nach dem klinischen Tod sind die Zellen binnen Minuten nicht mehr transplantabel. Das System braucht also etwas Präziseres, etwas Flexibleres – es braucht Menschen, die man für tot erklären kann, während der Körper biologisch noch funktioniert. Herzschlag vorhanden, Blutkreislauf aktiv, Organe durchblutet – aber rechtlich tot. Dieser elegante Spagat trägt den medizinischen Fachbegriff «Hirntod» und er ist die Grundlage des gesamten Transplantationssystems.
Nun ist der Hirntod als Todeskriterium keineswegs so unumstritten, wie der Mainstream suggeriert. Die Definition variiert je nach Land, Klinik und – man darf das denken, auch wenn man es nicht sagen soll – je nach Bedarf. Was in einem Land als unwiederbringlicher Totalausfall des Gehirns gilt, wäre anderswo ein Fall für die Intensivstation. Menschen, die als hirntot diagnostiziert wurden, haben Jahrzehnte später ihre Geschichte erzählt. Nicht viele. Aber genug, um die Frage zu stellen, die das System so ungern hört: Wie lässt sich der unumkehrbare Hirntod eines Menschen wirklich zweifelsfrei feststellen? Mit welcher Gewissheit, welchen Methoden, welcher Fehlerquote?
Diese Fragen werden nicht gestellt. Sie werden unterdrückt – sachte, professionell, mit dem Hinweis auf «wissenschaftlichen Konsens» und dem impliziten Vorwurf der Gefühllosigkeit gegenüber Wartenden auf Transplantationslisten. Stattdessen diskutiert die Politik lieber über Opt-out. Österreich und die Schweiz machen’s vor, Deutschland soll folgen: Wer nicht ausdrücklich widerspricht, gilt automatisch als Spender. Das klingt effizient. Es ist auch schlicht pervers. Denn wie soll ein Mensch, der gerade für tot erklärt wurde – oder bewusstlos in einer Notaufnahme liegt – noch widersprechen? Der Widerspruchsausweis in der Jackentasche funktioniert nur, wenn jemand nachschaut. Und wer garantiert, dass in einer überlasteten Notaufnahme, wo drei Intensivpatienten auf Organe warten, tatsächlich jemand nachschaut – und nicht zuerst rechnet?
Diese Frage ist nicht paranoid. Sie ist die logische Konsequenz eines Systems, das Organe als Ressource verwaltet und Menschen als potenzielle Lieferanten betrachtet. Der Utilitarismus ist in der Transplantationsmedizin längst eingezogen – man muss ihn nur zu Ende denken wollen. Von den Ersatzteilen deines Mannes können drei Intensivpatienten jahrelang weiterleben. Sei mal nicht so egoistisch. Wer glaubt, dieser Satz sei Satire, hat die Entwicklung der medizinethischen Debatte der letzten zwanzig Jahre verschlafen.
Im Deutschen Ärzteblatt wurde angeregt, die Todesdefinition zu erweitern. Eine «zusätzliche Option», als tot zu gelten. Man lese diesen Satz dreimal. Nicht als medizinischen Fortschritt – sondern als das, was er ist: Die schleichende Neudefinition menschlichen Lebens nach dem Kriterium seiner Verwertbarkeit. Wer nicht mehr «funktioniert», wer im Koma liegt, wer beatmet wird – ab wann ist er Spender, ab wann ist er Patient?
Das Komische – im bittersten Sinne des Wortes – ist die Kompatibilitätsfrage, die dabei völlig unter den Tisch fällt. Keine Autowerkstatt würde es wagen, in eine Mercedes S-Klasse ein Ersatzteil eines Kia Picanto zu verbauen, weil jeder weiss, das funktioniert langfristig nicht. In der Transplantationsmedizin hingegen gilt: Probieren geht über studieren. Einer Frau wurde ein Schweineherz implantiert. Ein Schweineherz. Und die einzigen, die dabei auf die Barrikaden gingen, waren Tierschützer. Die Frau selbst? Gestorben. Die Schlagzeile? Bereits vergessen.
Das Unbehagen, das dieser gesamte Komplex erzeugt, ist kein Zeichen von Rückständigkeit oder religiösem Obskurantismus. Es ist das gesunde Misstrauen eines Menschen, der bemerkt, dass hier Definitionen verschoben, Grenzen neu gezogen und Einwände systematisch als Emotionalität abgetan werden. Wer einen Menschen, dessen Herz noch schlägt und dessen Blut noch fliesst, als «Spender» bezeichnet, hat eine philosophische Entscheidung getroffen – und zwar eine, die niemals offen zur Abstimmung gestellt wurde.
Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, erklärte das System für ethisch vertretbar. Natürlich. Das Ethikrat ist das Gremium, das erklärt, was ethisch vertretbar ist – in dem Moment, in dem es das System verteidigt, das es bewerten soll. Der Bock als Gärtner, der Chefkoch als Restaurantkritiker. Der Ethikrat hat seine Werte unter Buyx bereits in der Pandemie verraten, den Ethisch ist, was Kohle bringt.
Organspende als Akt der Nächstenliebe — vielleicht. Als freiwillige, informierte, wirklich autonome Entscheidung: Zweifellos schützenswert. Aber als staatlich verwaltetes Opt-out-System, mit gleitenden Todesdefinitionen, wirtschaftlichem Verwertungsdruck und systematischer Unterdrückung unbequemer Fragen? Jesus, heisst es, ist am dritten Tag auferstanden. Gut, dass er keinen Organspendeausweis hatte. Heute würden sie ihn am zweiten Tag auseinandernehmen…
Es gibt eine Göttin, die blind sein soll. Justitia. Die Augenbinde symbolisiert Unparteilichkeit: Sie sieht nicht, wen sie vor sich hat. Sie urteilt ohne Ansehen der Person. Das ist die Theorie. Die Praxis der Schweiz im Jahr 2026 sieht anders aus – und die Bevölkerung weiss es. Das Gerechtigkeitsbarometer 2026 enthüllt: 81 Prozent der Schweizer empfinden es als unfair, dass Geld den Erfolg vor Gericht beeinflusst. Gegenüber 2024 ist der Prozentsatz derjenigen, die sich «eher» oder «sehr» gerecht behandelt fühlen, von 68 auf 56 Prozent gesunken. Ein Drittel der Befragten hält das System für «eher nicht gerecht», 18 Prozent sagen sogar, es sei «überhaupt nicht gerecht».
Die Unzufriedenheit hat nicht stagniert – sie hat in zwei Jahren einen Sprung gemacht, der in seiner Geschwindigkeit beunruhigend ist. Eine überwältigende Mehrheit sieht den Zugang zum Recht nur noch für Wohlhabende gesichert. Ein alarmierendes Signal.
Zwei Länder, eine Flagge
81 Prozent. Das ist keine knappe Mehrheit. Während zwei Drittel der Wohlhabenden zufrieden auf das Geschehen blicken, sehen drei Viertel der Geringverdienenden die Dinge anders. Die konkreten Zahlen sind noch schärfer: Bei Haushalten mit einem monatlichen Einkommen über 13’000 Franken sind 65 Prozent zufrieden. Bei Haushalten unter 3’000 Franken ist es gerade noch ein gutes Viertel – 27 Prozent.
Zwischen diesen beiden Gruppen liegt nicht nur ein statistischer Graben. Es liegt eine vollständig andere Gesellschaft. Das ist kein diffuses Ungerechtigkeitsgefühl. Das ist ein Klassenunterschied. Und der Graben verläuft nicht nur zwischen Arm und Reich. Er zieht sich durch Generationen und Geschlechter gleichermassen. Junge fühlen sich in Umweltfragen betrogen. Ältere sorgen sich um Recht und Ordnung. Frauen kritisieren fehlende Aufstiegsmöglichkeiten und die unfaire Verteilung von Care-Arbeit. Viele Männer reagieren auf Gleichstellungsfragen mit Achselzucken. Quer durch alle Themen tun sich Risse auf – und sie werden tiefer.
Das Leistungsversprechen bröckelt
Wer Geld hat, findet das System in Ordnung – weil es für ihn funktioniert. Wer keines hat, findet es ungerecht – weil es für ihn nicht funktioniert. Politikwissenschafterin Cloé Jans von GFS Bern fasst es so zusammen: «Ob Miete, Krankenkassenprämien oder AHV – die Kostenfrage überlagert derzeit fast alles. Während auf individueller Ebene das eigene Portemonnaie unter Druck steht, wird politisch über Milliardenprojekte gestritten.»
Die Kosten des Alltags fressen den Glauben an die Fairness des Systems. Und gleichzeitig schwindet die Überzeugung, dass Leistung automatisch zu Wohlstand führt – jener Grundpfeiler des helvetischen Selbstbilds, auf dem das ganze Narrativ vom gerechten, leistungsorientierten Kleinstaat ruht. Und der Konsens wächst. Während 2024 noch 54 Prozent der Befragten das System als «sehr gerecht» oder «eher gerecht» bezeichneten, bilden die Unzufriedenen heute mit 51 Prozent erstmals eine Mehrheit.
Die Stimmung ist nicht nur gesunken — sie hat gekippt.
Acht von zehn Menschen in der Schweiz – dem Land, das sich auf seinen Rechtsstaat so viel einbildet wie andere auf ihre Küche oder ihr Klima – glauben, dass Gerechtigkeit vom Kontostand abhängt. Und das Interessante ist: Selbst Reiche finden, dass Gerechtigkeit käuflich ist. Wenn sogar jene, die profitieren, das System als ungerecht beurteilen, ist das kein Reformsignal mehr. Das ist ein Systemurteil.
Recht kostet – und das ist kein Zufall
Prozesskosten als Zugangshürde zum Recht: In der Schweiz kann ein erstinstanzliches Zivilverfahren schnell fünfstellige Beträge kosten – noch bevor ein Urteil gefallen ist. Wer falsch liegt, zahlt zusätzlich die Gegenpartei. Das Risiko ist für einen Mittelständler existenziell. Für einen Grosskonzern ist es eine Kostenposition unter vielen. Das ist keine Benachteiligung am Rand des Systems. Das ist sein Kern.
Strategie in Kontinuität – das Wort, das alles sagt
Währenddessen produziert die Schweiz fleissig Strategiepapiere. Der Bundesrat hat am 28. Januar 2026 die Strategie gegen die Korruption 2026–2029 verabschiedet – in Kontinuität zur bisherigen Strategie 2021–2024. Kontinuität. Das Wort der Wahl für ein System, das sich selbst reformieren soll, aber kein Interesse daran hat.
Die alte Strategie wurde durch eine neue ersetzt, die laut Selbstbeschreibung «neue Prioritäten» setzt. Was die alte Strategie gebracht hat, bleibt offen. Transparency International hat es nüchtern formuliert: In Korruption und Geldwäscherei verwickelte Unternehmen werden in der Schweiz bloss ganz vereinzelt strafrechtlich verurteilt. Dies liegt massgeblich auch an Nachlässigkeiten der Staatsanwaltschaften.
Vereinzelt. Das ist die Bilanz von Jahrzehnten Antikorruptionsstrategie. Nicht: Selten. Nicht: Verbesserungswürdig. Vereinzelt. Und wer ist schuld? Laut Transparency die Staatsanwaltschaften selbst – die zu weiten Teilen auf die aktive Mithilfe der fehlbaren Unternehmen angewiesen sind, wenn es gelingen soll, diese strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Die Behörde, die den Täter verfolgen soll, ist auf die Kooperation des Täters angewiesen. Das ist nicht rechtsstaatlich. Das ist Verhandlungssache.
Der Europarat mahnt – die Schweiz nickt
Der Europarat sah das ähnlich. Die Staatengruppe gegen Korruption GRECO stellte fest, dass die Strategie des Bundesrates gegen Korruption ehrgeiziger und konkreter sein könnte. Der interdepartementalen Arbeitsgruppe zur Korruptionsbekämpfung mangelt es an Unabhängigkeit und Ressourcen. Eine externe Kontrollinstanz erklärt dem Land, seine Antikorruptionsbehörde sei nicht unabhängig genug. Die Reaktion: Eine neue Strategie in Kontinuität zur alten.
Bellinzona: Das Ausmass in einem Prozess
Und während der Bundesrat seine Strategie verfasste, begann in Bellinzona ein Prozess, der das ganze Ausmass illustriert. Gulnara Karimowa, Tochter des ehemaligen usbekischen Präsidenten, soll milliardenschwere Schmiergeld- und Geldwäschegelder über ein komplexes Netz in der Schweiz verborgen haben. Privatbank Lombard Odier und ein ehemaliger Mitarbeiter sind mitangeklagt. Der Fall gilt als einer der grössten Geldwäscheprozesse der Schweiz.
Einer der grössten. In der Schweiz. Die seit Jahrzehnten erklärt, sie bekämpfe Geldwäscherei. Die Milliarden illegal erworbener Gelder aus Diktaturen verwaltete und heute stolz darauf hinweist, dass sie über zwei Milliarden Dollar in dreissig Jahren restituiert hat – bei Tausenden von Milliarden, die in dieser Zeit durch Schweizer Banken geflossen sind.
Das Fundament trägt noch – aber
Fragt man die Schweizer Bevölkerung nach dem Ausmass der Korruption im Land, so wird der öffentlichen Verwaltung keine weisse Weste bescheinigt. Politisch führt wachsende Korruption zu einem tiefgreifenden Vertrauensverlust in staatliche Institutionen, untergräbt den Rechtsstaat und schwächt seine Akteure.
Es gibt einen Lichtblick – und er ist bezeichnend für das, was noch hält. Trotz aller Kritik bleibt das Vertrauen in den Kern des Staates krisenfest: Demokratie, Bildung, Freiheit. Die Schweiz streitet heftig, aber noch auf einem gemeinsamen Fundament. Das ist kein Freispruch für das System. Es ist eine Warnung: Das Fundament trägt noch – aber die Last auf ihm wird schwerer.
Das ist der eigentliche Befund. Nicht ein Einzelfall, nicht ein Skandal, nicht ein Fehler im System. Sondern ein struktureller Vertrauensverlust, der sich in Umfragezahlen, Gerichtsurteilen, GRECO-Berichten und Strafverfolgungsstatistiken gleichermassen zeigt.
Eine Gesellschaft, in der 81 Prozent der Menschen glauben, dass Recht und Geld gekoppelt sind, hat aufgehört zu glauben, dass Justitia wirklich blind ist. Sie glauben, dass die Augenbinde nur verhindert, den Kontostand zu sehen – damit man glaubhaft bestreiten kann, dass man ihn gesehen hat.
Die Strategie 2026–2029 liegt bereit. In Kontinuität zur vorherigen. Das ist die Schweiz im Jahr 2026. Justitia schaut weg. Absichtlich…
Draven präsentiert Geschichten aus der Gruft mit allerlei Geheimnisvollem aus den unheimlichen Tiefen des Netzes und aus jeder Ecke der Welt. Seit dem Jahre 2007 wird Dir hier ein cooler Weblog-Mix aus Musik, Movies, Comics, Horror, Games, Kunst, Radio, Trash, Punk und Heavy Metal geboten – genau so wie es sein soll! Denn glaube mir, nichts ist trivial.
When there’s no more room in hell, the dead will dance on earth! Freunde, die Gruft präsentiert: Dravens Radio from the Crypt! Hier wird Euch ein handverlesenes Musikprogramm geboten, welches von Draven speziell für die besten Leser des Internetz zusammengestellt wurde. Von Punk bis Rock, von Folk- bis Thrash-Metal, für jeden finsteren Musikgeschmack das Richtige. Natürlich immer noch ein Stückchen lauter und besser!
Duldest du Leugner auf deiner Seite?
Nein.
Immunitätsleugner, Impfschädenverharmloser und diejenigen, die das unendliche Leid von Kindern und alten Menschen negieren, sicher nicht!
Stubenhockers WICHTIGER Beitrag zu Politik, Kultur, Wissenschaft und Popeln
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Dass das Betreiben von dravenstales.ch mit erheblichem Zeitaufwand und auch einigen Kosten verbunden ist, dürfte klar sein. Damit Kosten und vielleicht noch ein, zwei Freigetränke gedeckt sind, könnte ich den ganzen Laden hier mit Werbung vollkleistern. Ich mag aber meine Leser, weshalb ich ihnen ein (weitgehend) werbefreies Leseerlebnis bieten möchte. Wenn dir das und/oder das Treiben auf dieser Webseite gefällt, dann wäre es nett, wenn du den Spass hier irgendwie unterstützen würdest. Danke!