Es gibt Orte im Netz, die wirken nicht wie Webseiten, sondern wie schwarze Altäre. Räume, in denen Sprache sich in Kälte verwandelt und Bilder nicht mehr provozieren, sondern beschwören. Einer dieser Orte nennt sich «kinder-essen.com» – eine Plattform, die behauptet, mit drastischer Satire gegen Massentierhaltung und Fleischkonsum aufzubegehren. Satire als Skalpell. Offiziell versteht sich die Seite als radikale Satire. Ziel: Fleischkonsum anprangern. Moralischer Spiegel. Provokation als Aufklärung. Ein Weckruf an die gefühlskalte Gesellschaft. So zumindest die Selbstbeschreibung.

In der Praxis sieht das so aus: Bilder von Säuglingen und Kleinkindern, versehen mit Rezeptvorschlägen und pseudo-didaktischen «Tötungsanleitungen». Textpassagen, die selbst in satirischer Absicht wie eine kalte Gebrauchsanweisung aus der Hölle klingen. Alles natürlich ironisch gebrochen. Rein theoretisch. Ganz bestimmt nicht ernst gemeint. Auszug aus dem Bereich «Nutzung von Hilfsmitteln»:

Das Bolzenschussgerät kommt in verschiedensten Variationen mit Feder-, Elektro- oder gar Pressluftantrieb und kann so die Schädeldecke Ihres Kindes schnell und mühelos zertrümmern, um die notwendigen Areale im Hirn zu zerstören. Damit ist das Kindlein bewegungsunfähig und das Zerteilen kann losgehen!

Doch was geschieht, wenn das Skalpell nicht mehr seziert, sondern geniesst? Wenn der Schock nicht aufklärt, sondern verfinstert? Wenn das Abstossende nicht nur Spiegel ist, sondern langsam zur Faszination wird?

Die Betreiber erklären, sie wollten das Leid der Tiere sichtbar machen. Also zeigen sie Bilder von Babys, Kleinkindern, zerstückelten Körperteilen – versehen mit «Rezepten» und «Tötungsanleitungen», die selbst in ihrer ironischen Verpackung wie kalte Liturgien klingen. Man distanziert sich formal vom realen Töten. Juristisch sauber. Moralisch? Eine andere Frage.

Wer Tierleid sichtbar machen will, könnte das geschundene Kalb, das geschredderte Küken, das eingesperrte Schwein zeigen. Blutige Schlachthöfe. Es gäbe genug reales Material, das Empörung auslöst. Stattdessen entscheidet man sich für das maximal Tabuisierte: Das Bild des Kindes. Das schwächste, verletzlichste Symbol unserer Gesellschaft wird zum satirischen Werkzeug erklärt. Das ist kein Zufall. Das ist Kalkül.

Denn hier wird ein altes okkultes Prinzip berührt: Was du wiederholt visualisierst, rufst du ins Bewusstsein. Und was du ins Bewusstsein rufst, formt das Feld.

Satire kann ein heiliger Spiegel sein. Sie kann das Grauen überzeichnen, um es unübersehbar zu machen. Doch sie kann auch zur Maske werden – zur Maske eines Zynismus, der nicht mehr erlösen will, sondern entwürdigt. Warum die jüngsten, verletzlichsten Wesen der eigenen Spezies als Projektionsfläche? Hier beginnt das Unheimliche.

Die Logik lautet: «Wenn ihr Tiere esst, warum nicht auch Kinder?» Eine moralische Gleichsetzung durch Schocktherapie. Wer Fleisch isst, soll sich fühlen, als würde er Babys grillen. Problem gelöst. Gewissen gerettet. In alten Mysterienlehren galt das Kind als Symbol des Unschuldigen, des noch Ungeprägten, des göttlichen Funkens im Werden. Das Kind war nicht nur biologisch jung, sondern metaphysisch rein. Wer dieses Bild entweiht, spielt nicht nur mit Geschmacklosigkeit. Er berührt archetypische Tiefenschichten. Und genau darin liegt der Zynismus.

Man behauptet, man wolle Empathie erzeugen – indem man sie zerstört. Man will Mitgefühl für Tiere wecken – indem man das Mitgefühl für Kinder schockartig missbraucht. Man setzt auf Ekel als spirituelles Werkzeug. Doch Ekel ist kein Licht. Er ist ein Nebel. Moral funktioniert nicht über Entwürdigung. Und Empathie entsteht nicht dadurch, dass man sie mit dem Vorschlaghammer zertrümmert.

Es gibt eine Grenze zwischen radikaler Provokation und ritueller Entmenschlichung. Wenn man beginnt, detaillierte «Anleitungen» zu formulieren, auch ironisch gebrochen, dann verlässt man den Raum der Metapher und betritt den Raum der Symbolik. Worte erschaffen Bilder. Bilder erschaffen Schwingungen. Und Schwingungen prägen das kollektive Feld. Was hier geschieht, ist nicht Aufklärung. Es ist eine Verdrehung.

Es ist bemerkenswert, wie viel Aufwand hier betrieben wird, um «aufzuklären». Texte, Bildmontagen, Inszenierungen. Jahre der konsequenten Grenzüberschreitung. Man investiert enorme kreative Energie – nur eben nicht in konstruktive Lösungen oder differenzierte Argumente, sondern in das Ausschlachten des grössten Tabus. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass der Tabubruch selbst die eigentliche Faszination ist.

Der Zynismus dieser Seite liegt nicht nur in den Bildern. Er liegt in der Energie dahinter. In der fast obsessiven Inszenierung des Tabubruchs. In der Lust am Schock. In der wiederholten Ästhetisierung des Undenkbaren. Satire sollte nach oben schlagen – gegen Macht, gegen Strukturen, gegen Systeme. Hier schlägt sie nach unten. Auf die Schwächsten. Symbolisch, ja. Aber Symbole sind nie harmlos.

Wer nach dem Besuch dieser Seite mehr über Tierleid spricht als über die bizarre Ästhetik des Ekels, möge sich melden. In der Realität diskutieren die meisten über die Geschmacklosigkeit. Und genau damit wird das ursprüngliche Ziel ad absurdum geführt. Zynismus ist hier kein Nebeneffekt. Er ist das zentrale Stilmittel. Und vielleicht auch das eigentliche Problem. Denn wer ständig mit dem Undenkbaren spielt, stumpft nicht nur andere ab. Er stumpft sich selbst ab.

Am Ende bleibt eine bittere Ironie: Eine Plattform, die Empathie für Tiere einfordern will, erzeugt vorwiegend Abwehr. Und eine Kampagne, die Moral predigt, operiert mit der radikalsten Form symbolischer Entmenschlichung. Vielleicht ist die unbequeme Wahrheit nicht, dass wir zu wenig schockiert sind. Sondern dass wir begonnen haben zu glauben, Schock sei gleichbedeutend mit Tiefe.

Vielleicht geht es hier weniger um Tiere. Vielleicht geht es um die Faszination am Tabu selbst. Um die Grenzerfahrung. Um das Spiel mit dem Unheiligen. Doch wer mit dem Unheiligen spielt, sollte wissen: Spiegel können brechen. Und wenn sie brechen, schneiden sie nicht nur die, die hineinschauen – sondern auch die, die sie aufgestellt haben.

Zwischen Aufklärung und Obsession liegt eine feine Linie. Und manchmal erkennt man an der Art des Schocks, ob jemand erlösen will – oder nur provozieren…

Über Zynismus, Satire und das Ritual der Entmenschlichung: Der kalkulierte Ekel von "kinder-essen.com"
Über Zynismus, Satire und das Ritual der Entmenschlichung: Der kalkulierte Ekel von "kinder-essen.com"
Über Zynismus, Satire und das Ritual der Entmenschlichung: Der kalkulierte Ekel von "kinder-essen.com"
Über Zynismus, Satire und das Ritual der Entmenschlichung: Der kalkulierte Ekel von "kinder-essen.com"


ANZEIGE: Du suchst nach dem einfachsten Weg, Bitcoin zu kaufen und selbst zu verwahren? Die Relai-App ist Europas erfolgreichste Bitcoin-App. Hier kaufst Du Bitcoin in wenigen Schritten und kannst auch Sparpläne einrichten. Niemand hat Zugriff auf Deine Bitcoin, ausser Du selbst. Relai senkt jetzt die Gebühr auf 1 %, mit dem Referral-Code REL105548 sparst Du weitere 10 %. (keine Finanzberatung). Disclaimer wg. EU-Mica-Regulierung: Die Dienste von Relai werden ausschliesslich für Einwohner der Schweiz und Italien empfohlen.

Psst, folge uns unauffällig!

Unterstütze uns!

 
«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.

Mein Blog war niemals darauf ausgelegt Nachrichten zu verbreiten, geschweige denn politisch zu werden, doch mit dem aktuellen Zeitgeschehen kann ich einfach nicht anders, als Informationen, welche sonst auf allen anderen Kanälen zensiert werden, hier festzuhalten. Mir ist dabei bewusst, dass die Seite mit dem Design auf viele diesbezüglich nicht «seriös» wirkt, ich werde dies aber nicht ändern, um den «Mainstream» zu gefallen. Wer offen ist, für nicht staatskonforme Informationen, sieht den Inhalt und nicht die Verpackung. Ich habe die letzten 2 Jahre genügend versucht, Menschen mit Informationen zu versorgen, dabei jedoch schnell bemerkt, dass es niemals darauf ankommt, wie diese «verpackt» sind, sondern was das Gegenüber für eine Einstellung dazu pflegt. Ich will niemandem Honig ums Maul schmieren, um auf irgendwelche Weise Erwartungen zu erfüllen, daher werde ich dieses Design beibehalten, denn irgendwann werde ich diese politischen Statements hoffentlich auch wieder sein lassen können, denn es ist nicht mein Ziel, ewig so weiterzumachen ;) Ich überlasse es jedem selbst, wie er damit umgeht. Gerne dürfen die Inhalte aber auch einfach kopiert und weiterverbreitet werden, mein Blog stand schon immer unter der WTFPL-Lizenz.

Es fällt mir schwer zu beschreiben, was ich hier eigentlich tue, DravensTales wurde im Laufe der Jahre Kulturblog, Musikblog, Schockblog, Techblog, Horrorblog, Funblog, ein Blog über Netzfundstücke, über Internet-Skurrilitäten, Trashblog, Kunstblog, Durchlauferhitzer, Zeitgeist-Blog, Schrottblog und Wundertütenblog genannt. Was alles etwas stimmt… – und doch nicht. Der Schwerpunkt des Blogs ist zeitgenössische Kunst, im weitesten Sinne des Wortes.

Um den Betrieb der Seite zu gewährleisten könnt ihr gerne eine Spende per Kreditkarte, Paypal, Google Pay, Apple Pay oder Lastschriftverfahren/Bankkonto zukommen lassen. Vielen Dank an alle Leser und Unterstützer dieses Blogs!
 


Wir werden zensiert!

Unsere Inhalte werden inzwischen vollumfänglich zensiert. Die grössten Suchmaschinen wurden aufgefordert, unsere Artikel aus den Ergebnissen zu löschen. Bleib mit uns über Telegram in Verbindung, spende, um unsere Unabhängigkeit zu unterstützen oder abonniere unseren Newsletter.

Newsletter

Nein danke!