Zunehmend erleben wir, dass Familien, die aus anderen Herkunftsländern in die Schweiz ziehen, Unterstützung brauchen, um sich in den ungewohnten Strukturen und Systemen zurechtzufinden. Den Schmerz, den die Entwurzelung mit sich bringt, ist gross, das Gefühl am falschen Ort zu sein, nicht dazuzugehören, schafft Orientierungslosigkeit, das Fehlen des grossen Familienclans, von dem man von früh an wusste: «ich bin eine von denen» fehlt völlig, das Gefühl von Heimat und Identität, welches früher auch in der Schweiz noch sehr bekannt war, ist heute Schall und Rauch.
Das, was sich so viele heute wünschen. Wovon viele träumen und visionieren: Eine Sippe, eine Gruppe von Menschen die die «eigenen» sind. Menschen sind sogar biologisch darauf ausgerichtet, in Rudeln zu leben. Doch kann auch so viel Unheil genau dort entspringen. Die unheile Sippe kann dann zur grossen Last werden. Zum Ursprung jegliches seelischen Leides. Zum verseuchten Umfeld, welches noch mehr Isolation verursachen kann, als das Leben in einer Grossstadt, in den eigenen vier Wänden alleine zu leben. Die traumatisierte Gruppe kann dem Einzelnen jegliches Wachstumspotenzial abschneiden, die Flügel stutzen und die eigenen Grenzen beschädigen.
Der Verrat schmerzt dann am meisten, wenn er von jenen kommt, denen man blind vertraut hätte. Vielleicht braucht es dann diese komplette Entwurzelung, damit etwas ganz Neues entstehen kann. Um neue Werte zu schaffen, sich selber kennenzulernen. Das eigene überhaupt wieder zu spüren und neue Bahnen zu legen für nächste Generationen. Um Möglichkeiten zur Heilung zu entdecken.
Vielleicht wird das Sippenleben, so wie es sich so viele von uns wünschen, erst dann möglich sein, wenn wir unsere Bindungswunden in Heilung gebracht haben und wissen/fühlen wie Verbindung wirklich geht. Bis dahin bleibt nur abzuwarten, was daraus werden wird und die Ungewissheit der Wege, die das Leben schreibt auszuhalten, sie sein zu lassen… sich vielleicht sogar darin entspannen zu können. Mit dem Schmerz des Verlustes in einem Teil des Herzens und der Dankbarkeit für das Neugewonnene im anderen Teil.
Sie sind die Dirigenten der Matrix – diejenigen, die hinter der Illusion die Fäden ziehen.
Blutlinienfamilien, die die Macht nie aufgaben.
Zentralbanker, die beide Seiten des Krieges finanzieren.
Architekten von False Flags und Resets.
Think Tanks, die globale Narrative entwerfen.
Medienmogule, die die Realität verzerren und umschreiben.
Tech-Lords, die Gedanken und Aufmerksamkeit ernten.
Schattenregierungen hinter jeder Marionette.
Bildungskartelle, die den Gehorsam fördern.
Pharmasyndikate, die Krankheiten verkaufen.
Unterhaltungsmaschinen, die die Massen ablenken und unterhalten.
Sie dienen nicht Nationen – sie dienen der Kontrolle.
Das ist keine Verschwörung.
Es ist Struktur.
Und es funktioniert nur, wenn man schläft…
Man kennt das Muster inzwischen ziemlich gut. Es beginnt immer mit Kindern. Kinder sind politisch das perfekte Argument: Wer widerspricht schon, wenn etwas angeblich «zum Schutz der Kinder» eingeführt wird? Niemand möchte schliesslich öffentlich der Typ sein, der gegen Kinderschutz argumentiert. Und genau hier beginnt die kleine, elegante Operation namens Internet-Alterskontrolle.
In Grossbritannien arbeitet die Regierung derzeit daran, das Internet ein kleines bisschen «sicherer» zu machen. Offiziell geht es darum, Minderjährige vor schädlichen Inhalten zu schützen. Pornografie, gefährliche Inhalte, all diese Dinge, die Politiker in Interviews gern mit ernster Miene aufzählen. Klingt vernünftig. Klingt verantwortungsvoll. Klingt wie etwas, das niemand infrage stellen sollte. Nur hat diese Geschichte einen kleinen Haken.
Der Schutz der Kinder ist offenbar nur das hübsche Geschenkpapier. Darunter liegt etwas deutlich Interessanteres: eine de-facto-Ausweispflicht für das gesamte Internet. Das funktioniert erstaunlich simpel. Neue Gesetzesänderungen im Vereinigten Königreich erlauben es der Regierung, Internetanbieter dazu zu verpflichten, Zugriffe von Minderjährigen auf bestimmte Plattformen zu blockieren oder zeitlich einzuschränken. Gleichzeitig können praktisch alle Plattformen mit nutzergenerierten Inhalten gezwungen werden, Altersverifikation einzubauen.
Und «Altersverifikation» bedeutet im Jahr 2026 natürlich nicht mehr: «Klick hier, wenn du über 18 bist.» Nein. Heute bedeutet es: Ausweis hochladen. Selfie mit Gesichtserkennung. Kreditkarte verifizieren. Kurz gesagt: Willkommen im Zeitalter des digitalen Personalausweises fürs Surfen. Der Trick ist dabei ziemlich elegant. Wenn Plattformen nicht mitspielen, drohen Bussgelder von bis zu zehn Prozent des Umsatzes oder sogar komplette Sperren durch Internetanbieter.
Man könnte sagen: Kooperation ist freiwillig. So freiwillig wie Steuerzahlen. Die Konsequenz ist ziemlich offensichtlich. Wenn ein Haushalt nur einen Internetanschluss hat, kann der Provider nicht unterscheiden, ob gerade der Teenager oder der Vater vor dem Bildschirm sitzt. Also passiert etwas Wunderbares: Die Alterskontrolle trifft einfach alle. Kinder sollten geschützt werden.
Ergebnis: Erwachsene müssen sich identifizieren. Eine beeindruckende logische Leistung.
Bürgerrechtsgruppen schlagen inzwischen Alarm. Sie warnen davor, dass solche Regeln das anonyme Surfen praktisch unmöglich machen könnten und das gesamte Internet eingeschränkt wird. Aber natürlich ist das alles nur ein Missverständnis. Es geht nicht um Kontrolle. Es geht um Sicherheit. Zumindest offiziell. Inoffiziell entsteht gerade etwas, das Regierungen schon seit Jahrzehnten heimlich lieben würden: eine Infrastruktur, in der jeder Internetnutzer eindeutig identifizierbar ist.
Ein Traum für Behörden. Ein Traum für Regulierung. Ein Traum für jeden, der der Meinung ist, dass Bürger im Netz eigentlich genauso registriert sein sollten wie beim Einwohnermeldeamt. Parallel dazu arbeitet Grossbritannien an einem digitalen Identitätssystem. Offiziell freiwillig, versteht sich. Freiwillig in dem Sinne, dass man natürlich darauf verzichten kann. Man muss dann nur damit leben, dass man große Teile des Internets nicht mehr nutzen kann. Die klassische Wahlfreiheit moderner Demokratien.
Und natürlich bleibt dieses Experiment nicht auf Grossbritannien beschränkt. Auch in der EU wird bis Ende 2026 eine European Digital Identity Wallet eingeführt, die ebenfalls als Grundlage für Altersverifikation dienen soll. Mit anderen Worten: Die technische Infrastruktur für eine globale digitale Identität wird gerade aufgebaut. Stück für Stück. Gesetz für Gesetz. Immer mit der gleichen Begründung. Kinder. Sicherheit. Schutz.
Es ist ein bisschen wie beim Bau einer Autobahn, die angeblich nur für Fahrräder gedacht ist. Zuerst kommen ein paar harmlose Radwege. Dann ein paar breitere Spuren. Und irgendwann merkt man plötzlich, dass dort Lastwagen fahren. Die Ironie ist kaum zu übersehen. Das Internet wurde einst als Raum gedacht, in dem Ideen frei zirkulieren. Ein Ort, an dem Menschen diskutieren konnten, ohne sofort mit ihrem echten Namen, ihrer Adresse und ihrer Passnummer aufzutreten.
Ein chaotischer, manchmal anstrengender, aber erstaunlich freier Raum. Jetzt verwandelt sich dieses System langsam in etwas anderes: eine digital verwaltete Infrastruktur, in der jede Bewegung potenziell einer Identität zugeordnet werden kann. Natürlich passiert das alles aus den besten Gründen. Zum Schutz der Kinder.
Denn wenn die Geschichte der Politik eines zeigt, dann dieses: Wenn Regierungen mehr Kontrolle wollen, beginnen sie selten mit der Wahrheit. Sie beginnen mit einem sehr emotionalen Argument. Und danach kommt der Rest fast von selbst…
Es gibt diese faszinierende Spezies Mensch, die morgens aufwacht, sich im Spiegel betrachtet und denkt: Heute rette ich wieder die Welt. Nicht vor Krieg, nicht vor Armut, nicht vor echtem Hass. Nein. Vor einem Satz. Einem einzigen, geradezu kriminellen Satz: «Wo kommst du her?» Willkommen im Zeitalter des Phantom-Rassismus.
Der moderne Moralathlet erkennt Diskriminierung mittlerweile in denselben Dimensionen, in denen früher Gespenster gesichtet wurden. Schatten? Rassismus. Neugier? Rassismus. Smalltalk? Hochgradig verdächtig. Man stelle sich vor: Zwei Menschen unterhalten sich, einer fragt nach der Herkunft des anderen. Skandal. Alarmstufe Rot im Seminarraum für angewandte Empörung.
Diese neue Empfindlichkeit trägt die Selbstgewissheit wie ein Designer-Accessoire. Endlich steht man auf der richtigen Seite der Geschichte. Endlich darf man sich als moralischer Endgegner des Bösen inszenieren. Der historische Bezug ist dabei nie weit. Man hat das Gefühl, je länger das Dritte Reich zurückliegt, desto heroischer wird der Widerstand im Bioladen.
Und während man sich mit Hafermilch und Haltung ausstattet, werden Begriffe wie «Rassismus» inflationär verteilt, als wären es Rabattcoupons. Das Problem ist nur: Wenn alles Rassismus ist, ist irgendwann nichts mehr Rassismus. Und dann verlieren jene, die tatsächlich Opfer sind, ihre Sprache.
Mein Lieblingsbeispiel: «Wo kommst du her?» Laut manchen universitären Oberseminaren ist diese Frage ein kolonialer Übergriff in Satzform. Man unterstelle damit, dass jemand nicht dazugehört. Dass er nicht «wirklich» hier sei. Dass seine Existenz erklärungsbedürftig ist. Interessant nur: In der Realität passiert etwas ganz anderes.
Ich reise viel. Und ich habe mir irgendwann den Spass erlaubt, genau diese angeblich toxische Frage bewusst zu stellen. Nicht aggressiv. Nicht bohrend. Sondern interessiert. Neugierig. Menschlich. Was dann geschieht, ist erstaunlich unspektakulär: Menschen erzählen. Von Syrien, von Spanien, von Serbien. Von Heimweh, von Neubeginn, von Chaos und Hoffnung. Man lacht. Man tauscht Geschichten aus. Man merkt, dass Identität kein Minenfeld ist, sondern ein Gesprächsanlass.
Kein einziges Mal wurde ich empört angefaucht. Kein einziger Vortrag über Mikroaggressionen. Stattdessen offene Augen und oft ein Lächeln. Vielleicht, ganz vielleicht, liegt der Unterschied nicht im Satz, sondern in der Haltung.
Jüngstes Beispiel: Hotel. Frühstück. Der Portier hat dunklere Haut als der Durchschnitt der Umgebung. Ich frage nach seinem Namen. Yussuf. Ich frage, woher er kommt. Syrien. Er fragt zurück. Ich erzähle von meiner Herkunft. Wir geben uns die Hand. Zwei Menschen. Kein Tribunal, kein moralisches Schnellgericht.
Und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Wer mir in diesem Moment Rassismus unterstellt, unterstellt Yussuf implizit, er sei nicht in der Lage, selbst zu entscheiden, ob er eine Frage als respektvoll oder verletzend empfindet. Man erklärt ihn zum ewigen Schutzobjekt. Zum permanent Gefährdeten. Das ist keine Wertschätzung. Das ist paternalistische Bevormundung im moralischen Kostüm.
Der Phantom-Rassismus funktioniert wie eine Nebelmaschine. Er erzeugt Sichtbehinderungen. Plötzlich werden Unbeteiligte zu Tätern erklärt, während echte Opfer im Dunst verschwinden. Wer sich nicht an das jeweils aktuelle Sprachregelwerk hält, gilt als verdächtig. Wer eine Frage stellt, die nicht durch drei Diversity-Workshops gelaufen ist, steht unter Generalverdacht.
Dabei wäre Demut angebracht. Die schlichte Möglichkeit, sich zu irren. Die Einsicht, dass nicht jede unbeholfene Formulierung ein ideologisches Manifest ist. Dass Menschen reden, stolpern, nachfragen, lernen.
Stattdessen erleben wir eine neue moralische Hierarchie. Die selbsternannten Letztentscheider definieren, was sagbar ist und was nicht. Sie helfen der alten Dame über die Strasse, auch wenn sie gar nicht hinüberwollte. Hauptsache, man konnte helfen. Hauptsache, man konnte Haltung zeigen.
Das Tragische daran ist nicht die Komik. Die ist manchmal unfreiwillig brillant. Tragisch ist, dass durch diese Dauerempörung echte Diskriminierung relativiert wird. Wenn die harmlose Herkunftsfrage auf einer Stufe mit strukturellem Ausschluss steht, verliert das Wort «Rassismus» seine Schärfe. Und damit verlieren jene, die tatsächlich unter rassistischen Strukturen leiden, ein wichtiges Instrument.
Man kann die Welt nicht verbessern, indem man jedes Gespräch unter Verdacht stellt. Man kann sie nicht humaner machen, indem man Menschen pauschal Misstrauen entgegenbringt. Und man kann keine offene Gesellschaft schaffen, wenn man Neugier als moralisches Risiko brandmarkt.
Vielleicht ist die eigentliche Provokation heute nicht die Frage nach der Herkunft. Vielleicht ist es die schlichte Annahme, dass Menschen selbstständig denken, fühlen und antworten können. Dass sie nicht permanent von sprachlichen Bodyguards begleitet werden müssen.
Der Phantom-Rassismus ist bequem. Er kostet nichts ausser Empörung. Er erlaubt es, sich als Teil des Guten zu fühlen, ohne sich mit den harten Realitäten auseinanderzusetzen. Er ist der Aschenbecher auf dem Motorrad: Symbolisch, dekorativ, aber vollkommen wirkungslos.
Echte Opfer brauchen keine sprachpolizeilichen Debatten. Sie brauchen Sicherheit, Bildung, Chancen, Gerechtigkeit. Sie brauchen eine Gesellschaft, die Unterschiede aushält, ohne sofort den Alarmknopf zu drücken.
Und vielleicht brauchen wir alle ein wenig weniger Selbstgewissheit. Ein bisschen mehr Zweifel an der eigenen moralischen Überlegenheit. Und die Bereitschaft, eine einfache Frage wieder als das zu sehen, was sie meistens ist: Der Beginn eines Gesprächs, nicht das Ende der Zivilisation.
Die Praxis, Krähenrufe als Wegweiser oder Antworten zu interpretieren, steht im Einklang mit verschiedenen Volksglauben und Aberglauben rund um Krähen und Raben in verschiedenen Kulturen.
Krähen wurden im alten Rom zu Wahrsagungszwecken verwendet.
In vielen Legenden der amerikanischen Ureinwohner gelten Krähen als Symbole für Weisheit, Glück und Boten.
Krähen sind aufgrund ihrer Intelligenz und Anpassungsfähigkeit weithin als Symbole für Weisheit, Intuition und Verwandlung anerkannt.
Die Antwort der Krähe
Stelle laut eine Frage, wenn niemand in der Nähe ist.
Warte auf das nächste Krähenkrächzen.
Wenn es schrill klingt, handle schnell.
Wenn es langsam und rasselnd ist, warte.
Wenn Stille herrscht, weisst du es bereits.
Es gibt eine Weisheit, die nicht lehrt, sondern erinnert. Sie spricht nicht laut, sie drängt sich nicht auf, sie erklärt nichts. Sie sitzt still in jenen Menschen, die gefallen sind, liegen geblieben wären und dennoch wieder aufgestanden sind. Nicht aus Optimismus. Sondern aus Notwendigkeit. Aus einem inneren Wissen heraus, das man sich nicht aneignen kann, ohne zuvor zerbrochen zu sein.
Die Gebrochenen tragen kein spirituelles Kostüm. Sie zitieren keine Lehren. Sie haben den Abstieg erlebt. Sie kennen die dunklen Kammern des eigenen Wesens, jene Orte, an denen Masken nutzlos werden und Geschichten aufhören zu funktionieren. Dort, wo man allein ist mit dem, was bleibt, wenn alles andere wegfällt. Wer diesen Ort kennt, spricht anders. Langsamer. Wahrhaftiger.
Diese Menschen reden nicht über Verlust, sie haben ihn erlebt. Sie wissen, was endet, weil sie Abschiede durchlitten haben, die nicht verhandelbar waren. Träume, Identitäten, Sicherheiten. Sie haben erlebt, wie etwas stirbt, ohne dass etwas Neues bereitsteht. Und genau dort, im Vakuum, beginnt ihre eigentliche Einweihung.
Denn das Zerbrechen ist kein Fehler im System. Es ist ein Übergang. In alten Mysterienkulten wurde der Adept symbolisch zerschlagen, entkleidet, in die Unterwelt geschickt. Nicht zur Strafe, sondern zur Reinigung. Was nicht echt ist, überlebt den Abstieg nicht. Was bleibt, ist Essenz.
Die Gebrochenen kennen den Wert der Stille. Sie haben mit ihren Gedanken gesessen, ohne Ablenkung, ohne Flucht. Sie haben gelernt, dass man nicht allem entkommen kann. Manche Dinge müssen durchlebt werden, damit sie ihre Macht verlieren. Aus dieser Konfrontation entsteht eine leise Kraft. Keine, die imponieren will. Eine, die trägt.
Wer wirklich hören will, was wahr ist, sollte diesen Menschen zuhören. Nicht den Lauten, nicht den Unversehrten, nicht jenen, die ihr Leben wie ein Schaufenster ausstellen. Sondern denen, die offen geblieben sind, obwohl sie allen Grund gehabt hätten, sich zu verschliessen. Offenheit nach dem Bruch ist keine Naivität. Sie ist Mut auf einer anderen Frequenz.
Die Gebrochenen erinnern sich. Sie verdrängen nicht. Erinnerung ist ihr Ritual. Sie wissen, dass Heilung nicht bedeutet, nichts mehr zu spüren, sondern alles halten zu können. Licht und Schatten. Hoffnung und Müdigkeit. Glauben und Zweifel. Sie haben aufgehört, sich selbst zu belügen, und genau darin liegt ihre Klarheit.
Philosophen nennen es Erkenntnis durch Leiden. Mystiker nennen es Initiation. Die Alchemisten sprachen von Nigredo, der schwarzen Phase, in der alles zerfällt, bevor es neu geordnet werden kann. Der moderne Mensch nennt es Krise. Der Name ändert nichts am Gesetz.
Wer zerbrochen war und weitergeht, trägt ein inneres Navigationssystem. Er erkennt falsche Versprechen, leere Worte, hohle Wahrheiten. Nicht aus Zynismus, sondern aus Erfahrung. Er weiss, dass das Wesentliche leise ist und echte Stärke nichts beweisen muss.
Die Gebrochenen kennen den Weg, weil sie ihn nicht gesucht haben. Er hat sie gefunden. In der Nacht. Im Verlust. In der Stille. Und sie sind gegangen. Schritt für Schritt. Nicht geheilt, sondern wahr.
Vielleicht ist es nicht so wichtig, welchen Weg du gegangen bist und ob du die Welt bereist hast, sondern viel mehr, mit welcher Absicht du deine Wege wählst und ob du in die Tiefen deiner Seele vordringen kannst.
Vielleicht geht es gar nicht so sehr darum, was du erreicht hast im Leben und ob du den tollsten Job ausübst, sondern viel mehr darum, morgens gerne aufzustehen, wenigstens einem Menschen zu dienen und in Liebe zu leben.
Vielleicht ist es nicht so wichtig, wie viele Kinder du aufgezogen hast und wie viele Menschen du deine Freunde nennst, solange du deinem inneren Kind eine Heimat gegeben hast und die unterschiedlichsten Aspekte deines Seins annehmen kannst.
Vielleicht geht es gar nicht so sehr darum, die Welt zu retten und die Zukunft zu beeinflussen, sondern viel mehr darum, diesen einen Baum zu pflanzen und den heutigen Tag, den gegenwärtigen Moment bewusst zu gestalten.
Vielleicht ist es nicht so wichtig, wie oft du versagt hast, wie viele Ziele du verpasst hast und welche Träume geplatzt sind, solange du die Sehnsucht und Ausdauer in dir trägst, um neue zu schaffen und zu verfolgen.
Vielleicht geht es gar nicht so sehr darum, wie viele Fehler du gemacht hast, wie oft du verletzend und ungerecht warst, sondern ob du in der Lage bist, für dich selbst geradezustehen und zu wachsen.
Vielleicht ist es nicht so wichtig, wie oft deine Hoffnung enttäuscht, dein Vertrauen verraten und dein Herz gebrochen wurde, solange du den Mut und die Liebe in dir hast, offenzubleiben und zu heilen.
Vielleicht geht es gar nicht so sehr darum, wie viele deiner Wunden du tatsächlich heilen konntest und welche Erlebnisse Vergebung erfahren durften, sondern viel mehr darum, mit welcher Entschlossenheit du dich ihrer angenommen hast und bereit bist loszulassen.
Vielleicht kommt es nicht so sehr darauf an, was dir widerfahren ist, wie oft du verachtet und verletzt worden bist und was du getan hast, wie oft du versagt und verraten hast, solange du nur selbst nie vergisst, wie wertvoll du bist.
Menschen steigen in einen Bus, weil sie irgendwo hinmüssen. Arbeit, Einkauf, Arzttermin, Alltag. Kein heroischer Akt, kein Abenteuer, nur das banale Ritual moderner Mobilität. Einsteigen, Platz suchen, vielleicht kurz aufs Handy schauen, vielleicht aus dem Fenster. Die Erwartung ist simpel: Man steigt später wieder aus. Lebend. Am Dienstag in Kerzers lief dieses kleine, selbstverständliche Versprechen der Zivilisation nicht ganz nach Plan.
Ein Postauto ging in Flammen auf. Sechs Menschen starben. Fünf weitere wurden verletzt. Ein Bus voller Menschen verwandelte sich innerhalb weniger Minuten in einen brennenden Käfig aus Glas, Plastik und Metall. Eine jener Situationen, in denen die dünne Schicht, die wir «Gesellschaft» nennen, plötzlich wie billige Farbe von der Wand blättert. Aber keine Sorge. Die wichtigste Frage wurde schnell geklärt. Es war kein Terrorakt.
Die Behörden beeilten sich, das gleich zu Beginn klarzustellen. Keine Ideologie, kein politisches Motiv, kein radikaler Hintergrund. Stattdessen ein Begriff, der mittlerweile zuverlässig wie ein sprachliches Pflaster über jede grausame Realität geklebt wird: Der Täter war «psychisch instabil». Ein etwa sechzigjähriger Schweizer, wohnhaft im Kanton Bern, von seiner Familie als vermisst gemeldet, laut Polizei eine Person «am Rande der Gesellschaft».
Ein Mann mit Problemen. Ein Mann, der offenbar aus einem Spital verschwunden war. Ein Mann, nach dem sogar gefahndet wurde. Ein Mann, der wenige Stunden später in ein Postauto stieg. Und dann brannte ein Bus. Man könnte fast glauben, diese Ereignisse hätten etwas miteinander zu tun. Aber solche Gedanken sind vermutlich zu kompliziert für eine Welt, in der jedes Drama möglichst schnell in eine bequeme Schublade sortiert werden muss.
Psychisch instabil.
Rand der Gesellschaft.
Kein ideologisches Motiv.
Fall erledigt.
Natürlich bleibt die zentrale Frage im Raum: Wie konnte ein Mensch in diesem Zustand überhaupt in der Lage sein, sechs andere Menschen mit in den Tod zu nehmen? Aber diese Frage ist unbequem. Sie führt zu unangenehmen Diskussionen über Verantwortung, über Systeme, über Versagen. Also konzentriert man sich lieber auf etwas anderes. Zum Beispiel auf das Material. Ein Materialexperte erklärte inzwischen geduldig, warum Busse so schnell brennen können. Kunststoff, Energie, Hitzeentwicklung, physikalische Prozesse. Alles korrekt, alles wissenschaftlich, alles wunderbar technisch. Wenn genug Energie freigesetzt wird, entsteht ein grosses Feuer.
Eine Erkenntnis von fast poetischer Banalität. Feuer brennt. Hitze zerstört. Menschen sterben. Die Physik funktioniert tadellos. Der Teil der Geschichte, der weniger gut funktioniert, ist der menschliche. Denn hinter der nüchternen Formel «vorsätzliche Tat ohne ideologisches Motiv» steckt etwas, das weit unangenehmer ist als Terrorismus. Terror hat zumindest ein Ziel. Eine Botschaft, so pervers sie auch sein mag. Hier gibt es nichts davon.
Keine Parole.
Keine Forderung.
Keine Ideologie.
Nur rohe, nackte Menschenverachtung.
Ein Mensch, der offenbar so weit von jeder sozialen Verbindung entfernt war, dass sechs fremde Leben zu Brennstoff für einen letzten Akt persönlicher Verzweiflung wurden. Menschen, die zur falschen Zeit im falschen Bus sassen. Menschen, die schlicht Pech hatten, im selben Raum zu sein wie jemand, der innerlich längst abgebrannt war. Der Unterschied zwischen Terror und dieser Art von Tat ist beinahe philosophisch.
Der Terrorist glaubt an etwas.
Der Nihilist glaubt an gar nichts.
Und nichts ist manchmal gefährlicher.
Währenddessen läuft der vertraute gesellschaftliche Reflex an. Blumen am Tatort. Kerzen. Kondolenzbücher. Ein improvisierter Gedenkplatz. Menschen legen Rosen nieder, schreiben ein paar Worte, stehen schweigend da und versuchen, aus dem Chaos eine Form von Bedeutung zu destillieren. Auch der Bundespräsident erschien, sprach von Solidarität, von Zusammenhalt, von Mitmenschlichkeit. Worte, die bei jeder Tragödie zuverlässig aus dem politischen Werkzeugkasten geholt werden. Worte, die korrekt sind, würdevoll, angemessen.
Und gleichzeitig ein wenig hilflos. Denn während wir Kerzen anzünden und über Zusammenhalt sprechen, bleibt eine unbequeme Wahrheit bestehen: Unsere Gesellschaft wird nicht nur von Ideologen bedroht. Nicht nur von Extremisten. Nicht nur von organisierten Tätern. Manchmal reicht ein einzelner Mensch.
Ein Mensch, der innerlich kollabiert ist.
Ein Mensch, der aus irgendeinem Grund durchs Raster gefallen ist.
Ein Mensch, der nichts mehr zu verlieren glaubt.
Der Terror dieser Tat liegt genau darin. In ihrer völligen Sinnlosigkeit. Es gibt keinen politischen Kontext, der erklärt, warum sechs Menschen sterben mussten. Kein Manifest, das man analysieren kann. Kein Netzwerk, das man zerschlagen könnte. Nur ein brennender Bus auf einer Schweizer Strasse. Und die unangenehme Erkenntnis, dass die grösste Gefahr manchmal nicht aus fanatischem Glauben entsteht, sondern aus dem völligen Fehlen von Sinn.
Der moderne Staat ist erstaunlich gut darin, Ideologien zu bekämpfen. Geheimdienste beobachten, Polizei ermittelt, Gesetze werden verschärft. Gegen organisierte Bedrohungen hat man Strategien. Gegen menschlichen Zerfall weniger. Die Realität ist unverblümt simpel: Eine hochentwickelte Gesellschaft kann Raketenabwehrsysteme bauen, Milliardenströme überwachen und digitale Kommunikation analysieren. Aber sie schafft es nicht immer, einen einzelnen verzweifelten Menschen daran zu hindern, in einen Bus zu steigen und ihn in Brand zu setzen.
Am Ende bleibt ein Bild, das schwer aus dem Kopf geht. Ein Postauto, Symbol schweizerischer Zuverlässigkeit, ländlicher Normalität, täglicher Routine. Ein Verkehrsmittel, das Menschen seit Jahrzehnten von Dorf zu Dorf bringt. Und darin ein Feuer. Sechs Menschen, die nie wieder aussteigen.
Kein Terror.
Keine Ideologie.
Nur ein brennender Beweis dafür, wie dünn die Schicht der Zivilisation manchmal wirklich ist…
Es gibt Menschen, die versuchen Kriege zu beenden. Andere versuchen zumindest, sie für ein paar Stunden zu ignorieren. Und dann gibt es offenbar jemanden, der seit zwei Jahren versucht, in Damaskus Süd ein Sommerfest zu organisieren.
Kein politischer Gipfel. Kein Friedensplan. Einfach ein Grill. Ein paar Kisten Cola, Fanta und Mezzo Mix. Vielleicht ein Fernseher für ein bisschen Fussball. Zwei- bis dreihundert Leute, ein paar Erdnussflips, Ferrero Küsschen, Babybel. Kurz gesagt: Der verzweifelte Versuch, für einen Abend so zu tun, als wäre die Welt nicht komplett durchgedreht.
Die Gästeliste war beeindruckend. Wirklich inklusiv. Mulomo, Gaza Günther, Saudi Achin, sogar Nathan Yahudi und irgendein Trump Boy. Offenbar sollte das Ganze eine Art Nahost-Version eines Gartenfests werden. Ein Tisch, ein paar Plastikstühle, vielleicht eine Diskussion über die Power Rangers statt über Raketen.
Eine naive Idee, zugegeben.
Denn jedes Mal, wenn die Planung halbwegs steht, brennt plötzlich wieder die halbe Gegend. Raketen hier, Explosionen da, bum bum zack, Sommerfest abgesagt. Der Grill bleibt kalt, der Fernseher dunkel und irgendwo sitzt ein Typ vor einer PlayStation und merkt, dass die reale Welt inzwischen schlechter programmiert ist als jedes GTA-Level.
Man muss sich das kurz vorstellen: Während irgendwo wieder Sirenen heulen, stehen vermutlich hunderte Liter Mezzo Mix herum und niemand denkt daran. 200 Liter Softdrink. Ein logistisches Meisterwerk des Optimismus.
Das Tragische ist fast schon absurd. Menschen, die eigentlich nur grillen wollten, werden wieder einmal daran erinnert, dass sie in einer Region leben, in der selbst ein Sommerfest geopolitisch instabil ist.
Der Shisha-Tabak liegt bereit. Die Snacks auch. Vielleicht nächstes Jahr. Wenn bis dahin nicht wieder jemand beschliesst, statt Ananas lieber Raketen zu servieren…
Getränke-Salim äußert sich zum Irankrieg (seriös!)
Es begann harmlos. Wirklich. Ein paar Wissenschaftler wollten herausfinden, ob im Labor gezüchtete menschliche Gehirnzellen ein simples Videospiel lernen können. Also gaben sie ihnen Pong. Zwei Balken, ein Pixelball, digitale Steinzeit. Die Zellen lernten. Die Wissenschaft jubelte. Und irgendwo im Hintergrund hörte man wahrscheinlich leise die Tür zur nächsten Katastrophe aufgehen. Denn wenn Pong funktioniert, denkt sich der moderne Forscher natürlich nicht: «Interessant, lassen wir das jetzt vielleicht ruhen.» Nein. Der nächste logische Schritt ist selbstverständlich: DOOM.
Ja, genau dieses DOOM. Der Klassiker der 90er. Ein Ego-Shooter voller Dämonen, Blutfontänen und digitalem Dauer-Gemetzel. Und genau dieses Spiel wird jetzt von menschlichen Gehirnzellen in einer Petrischale gesteuert, die mit Siliziumchips verbunden sind. Willkommen im Jahr 2026. Realität fühlt sich inzwischen an wie eine Black-Mirror-Folge, die von Koffein und schlechten Entscheidungen geschrieben wurde.
Die Geburt des biologischen Computers
Das australische Biotech-Unternehmen Cortical Labs hat etwas gebaut, das sie relativ nüchtern einen «biologischen Computer» nennen. Die Zutatenliste klingt wie aus einem Frankenstein-Handbuch: 800’000 bis 1’000’000 menschliche Neuronen, gezüchtet im Labor, verbunden mit Siliziumchips, stimuliert durch elektrische Signale, gesteuert von Software.
Diese Zellansammlungen bilden sogenannte «Mini-Gehirne». Und diese Mini-Gehirne spielen jetzt Videospiele. Nicht metaphorisch. Nicht symbolisch. Wirklich. Die digitale Welt von DOOM wird in elektrische Muster übersetzt. Diese Signale stimulieren die Neuronen. Die Aktivität der Zellen wird wiederum in Spielaktionen umgewandelt. Feuert das neuronale Muster A → die Figur schiesst. Feuert Muster B → sie bewegt sich. Im Grunde ist es ein neuronales Gamepad aus lebenden Zellen. Wenn man das laut ausspricht, klingt es exakt so absurd, wie es ist.
Living Human Brain Cells Play DOOM on a CL1
Von Pong zu DOOM – der kleine Schritt zur dystopischen Zukunft
Bereits 2022 liess Cortical Labs Schlagzeilen produzieren, als ihre Zellkulturen Pong lernten. Das wurde damals als wissenschaftlicher Durchbruch gefeiert. Adaptives Lernen, biologische Informationsverarbeitung, Echtzeit-Anpassung. Alles sehr beeindruckend. Aber Pong ist eben Pong. Jetzt jedoch reden wir über ein Spiel, das komplexer ist:
dreidimensionale Umgebung
Gegner
Navigation
Entscheidungen unter Druck
Kurz gesagt: Eine primitive Form von Handlungskompetenz. Noch wirken die Neuronen wie Anfänger. Aber der Lernprozess ist messbar. Und genau hier beginnt der Teil, bei dem man als normal denkender Mensch kurz innehält und sich fragt: Ist das wirklich eine gute Idee?
Der transhumanistische Traum
Offiziell verkauft man diese Technologie natürlich als Fortschritt. Biologisches Computing. Effizientere Informationsverarbeitung. Neue medizinische Anwendungen. Alles klingt wunderbar.
Doch gleichzeitig taucht ein Begriff immer häufiger auf: Transhumanismus. Die Idee, dass Technologie und menschlicher Körper zunehmend verschmelzen. Vor einigen Jahren klang das noch nach Science-Fiction oder nach den Visionen eines etwas übermotivierten Davos-Panels. Heute verschmelzen menschliche Neuronen mit Siliziumchips, um Videospiele zu steuern. Und plötzlich wirkt diese Zukunft nicht mehr ganz so hypothetisch.
Wenn Neuronen online gehen
Der sogenannte CL1-Biocomputer von Cortical Labs kann sogar remote genutzt werden. Entwickler können über eine Online-Plattform mit den lebenden Zellen interagieren. Man muss das kurz sacken lassen. Menschen greifen über das Internet auf lebende Gehirnzellen zu, die mit Maschinen verbunden sind. Was heute ein Forschungsprojekt ist, könnte morgen ein skalierbares System sein.
Biologische Prozessoren. Neurale Cloud-Systeme. Organische Rechenzentren. Wenn Silicon Valley einen Traum hat, dann genau diesen. Die offensichtliche Frage: Wofür noch? Natürlich argumentieren Befürworter, dass solche Technologien enorme Chancen bieten:
medizinische Forschung
neurologische Therapie
neue Formen von KI
Alles plausibel. Aber Technologie entwickelt sich selten nur in eine Richtung. Und wenn wir ehrlich sind, kennt die Menschheit ein ziemlich zuverlässiges Muster: Alles, was gebaut werden kann, wird irgendwann auch militärisch genutzt. Man stelle sich vor:
Plötzlich wirkt ein Mini-Gehirn, das DOOM spielt, weniger als ein Spielzeug und mehr wie ein Prototyp.
Ethik im Rückspiegel
Das eigentliche Problem liegt nicht einmal in der Technologie selbst. Das Problem ist die Geschwindigkeit, mit der sie entsteht. Innovation rast nach vorne. Ethik joggt hinterher. Und Regulierung sitzt noch im Startblock und diskutiert Formulare.
Währenddessen wachsen im Labor neuronale Zellkulturen heran, die lernen, reagieren und mit Maschinen interagieren. Niemand weiss genau, wo die Grenze liegt.
Die unbequemen Fragen
Deshalb tauchen zwangsläufig ein paar Fragen auf, die erstaunlich selten gestellt werden:
Wer finanziert diese Forschung?
Welche Regeln existieren für biologische Computer?
Was passiert, wenn solche Systeme militärisch eingesetzt werden?
Und vielleicht die grundlegendste Frage:
Wann hört ein neuronales Netzwerk auf, nur ein Werkzeug zu sein?
Willkommen im Experiment
Die Forscher betonen gerne, dass ihre Neuronen noch weit davon entfernt sind, komplexe Aufgaben zu meistern. Sie sind Anfänger. Sie lernen gerade erst. Das stimmt vermutlich.
Doch jede Technologie beginnt genau so. Mit einem Spiel. Mit einem Experiment. Mit einem «interessanten Prototyp». Und irgendwann schaut man zurück und merkt: Der Moment, in dem man hätte innehalten können, war längst vorbei.
Heute spielen menschliche Gehirnzellen DOOM. Morgen steuern sie vielleicht Maschinen. Und übermorgen wird jemand sagen: «Das war doch von Anfang an absehbar.»
Was daran besonders ironisch ist. Denn genau das sagen wir schon jetzt.
Wenn ein Land damit beginnt, seine Bevölkerung genetisch zu verändern, werden andere nicht tatenlos zusehen. Es wird ein globales Wettrüsten auslösen – nicht mit Raketen oder Drohnen, sondern mit DNA, um herauszufinden, wer die intelligenteste und fortschrittlichste Generation von Menschen auf dem Planeten erschaffen kann.
– Steve Watson
Es gibt gerade einen neuen moralischen Trend. Er funktioniert ungefähr so: Man zeigt Bilder mutiger Frauen im Iran, spricht über Unterdrückung, Empörung steigt – und plötzlich steht irgendwo im Raum ein Satz, der sich anhört, als hätte ihn ein Rüstungslobbyist mit einem Moralprediger gekreuzt: «Vielleicht braucht es eben doch militärische Lösungen.» Natürlich sagt das selten jemand so direkt. Das wäre ja plump. Stattdessen läuft es subtiler. Erst Empörung. Dann Feindbild. Dann moralische Dramaturgie. Und am Ende fliegt irgendwo eine Bombe – angeblich im Namen der Freiheit.
Ein erstaunlicher Trick. Wenn ich diese Frauen im Iran sehe, sehe ich vor allem Mut. Menschen, die sich gegen ein System stellen, das sie kontrollieren will. Menschen, die für Würde kämpfen. Für Selbstbestimmung. Für ein Leben ohne Angst. Das verdient Respekt. Wirklich. Was es nicht verdient, ist als moralische Eintrittskarte für Krieg missbraucht zu werden.
Die Religion des Krieges: Töten im Namen der Freiheit
Denn genau das passiert regelmässig. Man nimmt den Schmerz eines Volkes, legt ihn auf den geopolitischen Operationstisch und erklärt anschliessend: «Jetzt müssen wir handeln.» Mit anderen Worten: Man instrumentalisiert Leid.
Der alte Propagandatrick
Die Methode ist übrigens keineswegs neu. Wer glaubt, diese moralische Dramaturgie sei ein modernes Phänomen, sollte sich kurz mit Edward Bernays beschäftigen – dem Mann, der Propaganda praktisch zur Wissenschaft erhoben hat. Bernays wusste etwas Entscheidendes: Menschen handeln selten aufgrund von Fakten. Sie handeln aufgrund von Emotionen.
Also erzeugt man Emotionen. Ein berühmtes Beispiel ist Guatemala in den 1950er-Jahren. Die United Fruit Company hatte dort ein Problem: Eine demokratisch gewählte Regierung wollte plötzlich Landreformen durchführen. Nicht ideal für ein Unternehmen, das grosse Teile des Landes kontrollierte. Also begann eine Kampagne.
Angst wurde geschürt. Feindbilder wurden aufgebaut. Medienberichte formten langsam eine Realität, in der Guatemala plötzlich eine Bedrohung darstellte. Drei Jahre Propaganda später war es politisch akzeptabel, einen Putsch zu unterstützen. Das Ergebnis? Vierzig Jahre Bürgerkrieg. Aber hey – zumindest war das Narrativ sauber.
Freiheit wächst nicht aus Bomben
Wenn ich also heute höre, dass Kriege angeblich im Namen der Freiheit geführt werden sollen, dann habe ich eine sehr einfache Frage: Wann hat das jemals funktioniert?
Irak?
Libyen?
Afghanistan?
Das sind keine Freiheitserzählungen. Das sind Lehrbücher darüber, wie man Staaten destabilisiert und anschliessend Jahrzehnte Chaos produziert. Bomben bauen nämlich tatsächlich etwas.
Trümmer.
Hass.
Rache.
Freiheit gehört erstaunlicherweise nicht dazu. Und trotzdem wird jedes Mal dieselbe Geschichte erzählt: Diesmal ist es anders.
Der moralische Spagat
Es gibt noch einen zweiten Trick in dieser Debatte. Er funktioniert besonders gut in sozialen Medien. Wenn du sagst: «Ich bin gegen Krieg», kommt sofort der Vorwurf: «Also verteidigst du Unterdrückung.» Eine bemerkenswerte Logik. Als gäbe es nur zwei Optionen:
Bomben werfen
Unterdrückung akzeptieren
Alles dazwischen scheint für manche Menschen unvorstellbar. Doch genau da liegt der entscheidende Punkt: Frieden bedeutet nicht, Leid zu ignorieren. Frieden bedeutet, sich zu weigern, Leid mit noch mehr Leid zu beantworten.
Freiheit ohne Leichen
Ich bewundere Menschen, die für ihre Rechte kämpfen. Egal ob im Iran, in Europa oder an einem anderen Ort. Mut verdient Respekt. Aber ich werde niemals akzeptieren, dass ihr Kampf als moralische Rechtfertigung benutzt wird, um ganze Länder zu zerstören.
Denn wenn Städte brennen und Zivilisten sterben, ist niemand frei geworden. Dann ist einfach nur ein weiteres Kapitel menschlicher Dummheit geschrieben worden.
Der Mut zum Frieden
Der vielleicht grösste Irrtum unserer Zeit ist der Gedanke, dass Antikriegshaltungen naiv seien. In Wahrheit ist es genau umgekehrt. Naiv ist der Glaube, man könne mit Gewalt Gerechtigkeit herstellen. Naiv ist der Glaube, geopolitische Interessen hätten plötzlich moralische Motive. Naiv ist der Glaube, Bomben würden irgendwo Freiheit pflanzen.
Der Wunsch nach Frieden ist nicht naiv. Er ist schlicht der Versuch, aus der Geschichte zu lernen.
Ein einfacher Wunsch
Die Frauen im Iran verdienen ein Leben ohne Angst. Ohne Zwang. Ohne Unterdrückung. Genauso wie jeder Mensch auf dieser Erde. Doch wenn wir ehrlich sind, gibt es nur zwei Wege, darauf zu reagieren.
Der erste ist der alte Weg: Empörung in Waffen übersetzen.
Der zweite ist schwieriger: Sich zu weigern, Gewalt als Lösung zu akzeptieren.
Ich habe mich entschieden. Ich werde niemals feiern, wenn Städte brennen und Menschen sterben – egal welche Flagge über den Bomben steht. Denn Freiheit, die aus Trümmern wächst, ist keine Freiheit. Sie ist nur der nächste Krieg…
Oder: Die Befreiungsbombe: Wie man Menschen tötet, um sie zu retten. Denn in diesen Zeiten gibt es einen Satz, der erstaunlich viel Ärger produziert: «Ich bin gegen Krieg.» Eigentlich klingt das wie etwas, das man in der Grundschule lernt. Frieden gut, Krieg schlecht. Ende der Lektion. Doch sobald man diesen Satz heute ausspricht, passiert etwas Merkwürdiges. Plötzlich steht man vor einem moralischen Tribunal. Menschen schauen einen an, als hätte man gerade vorgeschlagen, die Feuerwehr bei einem Brand durch einen Poetry-Slam zu ersetzen.
«Naiv», heisst es dann. «Und was ist deine Lösung?» «Willst du, dass Menschen weiter leiden?» Die Logik dahinter ist faszinierend. Wer gegen Krieg ist, muss offenbar sofort einen perfekten geopolitischen Masterplan präsentieren. Sonst gilt sein Einwand nicht. Das ist ungefähr so, als dürfte man erst gegen Mord sein, wenn man gleichzeitig einen besseren Vorschlag für Konfliktlösung vorlegt. Der eigentliche Geniestreich der modernen Kriegsdebatte besteht darin, dass Bomben plötzlich als moralisches Werkzeug verkauft werden. Bomben als Therapie. Man wirft sie nicht mehr, um zu zerstören. Nein. Man wirft sie, um zu befreien. Ein beeindruckender rhetorischer Fortschritt.
Bomben pflanzen keine Gerechtigkeit
Die Vorstellung, dass Bomben Gerechtigkeit erzeugen, gehört zu den langlebigsten politischen Märchen unserer Zeit. Bomben bauen tatsächlich etwas. Sie bauen Trümmerlandschaften. Sie bauen Massengräber. Sie bauen Generationen von Menschen, die gelernt haben, dass irgendwo auf der Welt jemand entschieden hat, ihr Zuhause müsse verschwinden. Was Bomben nicht bauen, ist stabile Freiheit. Aber das klingt natürlich weniger heroisch. Deshalb erzählt man lieber eine andere Geschichte: Die Geschichte der Befreiung.
Die mysteriösen «Menschen», die angeblich befreit werden wollen
Ein besonders beliebtes Argument lautet: «Die Menschen dort wollen doch befreit werden.» Eine faszinierende Formulierung. Denn diese «Menschen» sind ein erstaunlich praktisches Wesen. Sie sprechen nie selbst. Sie werden immer von aussen zitiert. Wer genau sind diese Menschen? Ein ganzes Volk? Eine Mehrheit? Eine lautstarke Minderheit? Niemand weiss es so genau. Aber irgendwo gibt es angeblich immer jemanden, der ruft: «Bitte bombardiert uns.» Und das reicht dann als moralische Eintrittskarte für Luftschläge.
Ein kleines Gedankenexperiment mit Deutschland
Um zu verstehen, wie absurd diese Logik ist, braucht man nur einen Spiegel. Nehmen wir Deutschland. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung ist mit der Regierung unzufrieden. Millionen Menschen wählen Parteien, die den politischen Kurs kritisieren. Demonstrationen, Streit, gesellschaftliche Spaltung. Kurz gesagt: Ein Land voller Meinungsverschiedenheiten. Jetzt stell dir vor, irgendeine fremde Grossmacht erklärt plötzlich: «Deutschland ist unterdrückt. Wir greifen ein und befreien euch.» Raketen auf Berlin. Bomben auf Hamburg. Trümmer in Köln. Und dann erklärt man uns freundlich, das sei alles zu unserem Besten. Niemand würde das Befreiung nennen. Man würde es Angriff nennen. Oder Terror gegen Zivilisten.
Aber wenn es irgendwo weit weg passiert, funktioniert dieselbe Logik plötzlich als moralische Heldengeschichte. Seltsam, wie flexibel Ethik sein kann, sobald die Explosionen auf einem anderen Kontinent stattfinden.
Die moralische Garderobe des Krieges
Kriege beginnen selten mit ehrlichen Begründungen. Niemand hält eine Pressekonferenz und sagt: «Wir greifen an, weil wir Einflusszonen sichern wollen.» Stattdessen bekommt jeder Krieg eine moralische Uniform. Menschenrechte. Demokratie. Befreiung. Das sind die glänzenden Etiketten auf der Verpackung. Darunter findet man oft dieselben alten Zutaten: Macht, Ressourcen, geopolitische Rivalität. Die Geschichte ist voll davon. Irak. Afghanistan. Libyen. Die Bilanz dieser Befreiungsmissionen liest sich weniger wie eine Erfolgsgeschichte und mehr wie eine archäologische Sammlung moderner Ruinen. Doch erstaunlicherweise wird die gleiche Methode immer wieder verkauft. Vielleicht klappt es diesmal.
Die atomare Grenze der Moral
Wenn Kriege tatsächlich aus moralischen Gründen geführt würden, wäre die Weltkarte ein einziges Schlachtfeld. Denn es gibt genug Länder mit Menschenrechtsproblemen. China. Nordkorea. Pakistan. Seltsamerweise werden diese Länder selten bombardiert. Warum? Ganz einfach: Atomwaffen.
Plötzlich endet die moralische Mission genau dort, wo das Risiko zu gross wird. Das ist die unsichtbare Grenze der Weltpolitik. Nicht Moral entscheidet, wo eingegriffen wird. Sondern Macht. Die Atombombe ist der Joker, der bestimmt, wer moralisch unangreifbar bleibt.
Die erstaunliche Flexibilität der Empörung
Ein weiteres kurioses Phänomen moderner Konflikte ist die selektive Empörung. Wenn Zivilisten sterben, hängt die moralische Bewertung offenbar stark davon ab, wer gerade die Bomben wirft. Wenn es in das eigene politische Narrativ passt, heisst es «Befreiung». Wenn es nicht passt, heisst es «Barbarei». Doch ein totes Kind bleibt ein totes Kind. Die Flagge über dem Schlachtfeld ändert daran erstaunlich wenig.
Krieg als Geschäftsmodell der Macht
Die unbequeme Wahrheit lautet: Die meisten Kriege entstehen nicht aus moralischer Empörung. Sie entstehen aus Interessen. Einflusszonen. Handelswege. Rohstoffe. Militärische Machtbalance. Wenn das strategische Ziel feststeht, sucht man die passende Geschichte dazu. Menschenrechte sind dafür perfekt geeignet. Sie klingen gut, sind schwer zu kritisieren und funktionieren hervorragend als moralischer Tarnmantel. Das Problem ist nur: Unter diesem Mantel liegen meistens Leichen.
Wer entscheidet eigentlich über Leben und Tod?
Am Ende bleibt eine Frage übrig, die erstaunlich selten gestellt wird: Wer entscheidet eigentlich, dass ein Krieg notwendig ist? Nicht die Bevölkerung der betroffenen Länder. Nicht die Zivilisten, die später in den Trümmern leben müssen. Es sind politische Machtapparate. Bündnisse. Strategische Interessen. Die Menschen selbst sind selten mehr als Kollateralschaden. Material im geopolitischen Spiel.
Der gefährlichste Satz der Welt
Fast jeder Krieg beginnt mit einem bestimmten Satz: «Diesmal ist es anders.» Diesmal kämpfen wir für das Gute. Diesmal sind die Bomben moralisch. Und genau an diesem Punkt wird es gefährlich. Denn die Geschichte zeigt etwas ziemlich Ernüchterndes: Die Mächtigen glauben fast immer, sie seien die Guten. Während die Zivilbevölkerung den Preis bezahlt. Deshalb bleibe ich bei einem Satz, der offenbar inzwischen als radikal gilt:
Ich bin gegen Krieg.
Nicht weil ich naiv bin. Sondern weil ich die Geschichte gelesen habe…
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