Ich habe im Moment den Eindruck, all denjenigen, die gerade Privilegien für Geimpfte befürworten, ist nicht klar, welche Geister sie damit heraufbeschwören werden. Falls es wirklich zu solchen Privilegien bzw. Einschränkungen kommen sollte, (ich habe immer noch die Hoffnung, dass wir uns vorher wieder auf ein Miteinander besinnen), besteht die große Gefahr, dass es unsere ohnehin schon gespaltene Gesellschaft endgültig mit einem lauten Knall zerreißen wird. Falls Menschen, die sich – aus welchem Grund auch immer – nicht impfen lassen wollen, zum Beispiel keine Konzerte oder sonstigen Events mehr besuchen dürften, dann wäre das wahrscheinlich noch das kleinste Übel (wenn das alles noch lange so weitergeht, werden sich viele die ohnehin schon völlig überteuerten Konzertkarten eh nicht mehr leisten können).
Aber was, wenn dann Ungeimpfte – und dazu gehören auch Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können – nicht mehr arbeiten, nicht mehr einkaufen, nicht mehr reisen, nicht mehr zum Arzt und ins Krankenhaus, nicht mehr ins Alters- und Pflegeheim, nicht mehr ins Restaurant, nicht mehr ins Kino, Fitnesscenter, Schwimmbad, in Bus und Bahn, nicht mehr in die Kirche und letztlich vielleicht auch nicht mehr auf dem Friedhof bestattet werden dürften? Glauben wir wirklich, all diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen (laut ARD-Deutschlandtrend vom 04.02. derzeit ca. 41 %, Impfbereitschaft 59%), werden das so einfach akzeptieren und still in ihrem Kämmerlein dahinsiechen, wenn ihnen ihre Existenz und auch Existenzberechtigung weggenommen wird? Und steht nicht zu befürchten, dass unsere ohnehin stark angeschlagene Wirtschaftskraft, wenn plötzlich in vielen Bereichen die Ungeimpften als Konsumenten wegfallen würden, noch mehr einbrechen wird? Dass gerade durch diese Einschränkungen, und deren Konsequenzen, womöglich mehr Menschen sterben würden, als an Corona? Können wir das wirklich wollen? Wollen wir die Nötigung (nichts anderes ist es letztlich) einer ganzen Bevölkerungsgruppe (41%, 04.02.2021) als legitimes Mittel akzeptieren, Interessen durchzusetzen um danach für kurze Zeit diesen Pyrrhussieg in einer 2-Klassengesellschaft zu feiern? Wollen wir die Gesellschaft wirklich in Sieger und Besiegte aufteilen und glauben wir, das bringe irgendeine langfristige Verbesserung für unser Zusammenleben? Wollen wir wirklich schlimmstenfalls einen Bürgerkrieg und damit den endgültigen Niedergang von Wirtschaft und Kultur, den Rest von gesellschaftlichem Zusammenhalt und den Frieden riskieren? Aus der Überzeugung heraus, das einzig Richtige zu tun? In Zusammenhang mit einer Impfung über die man noch sehr wenig weiss in Bezug auf Wirkung, Wirksamkeit und eventuelle Langzeitschäden?
Diese radikalen Tendenzen erschrecken, beunruhigen und frustrieren mich zutiefst. Lasst uns mal wieder durchatmen, aus diesem kollektiven Beissreflex aussteigen und nach Lösungen suchen, die nicht spalten, aufwiegeln und radikalisieren. Und wenn es keine gibt die für alle passt, dann müssen wir auch das akzeptieren. Jedes Wahlergebnis lehrt uns das. Wir müssen wieder lernen Widersprüche und unterschiedliche Anschauungen zu akzeptieren und auszuhalten, vielleicht sogar wertzuschätzen. Auch das ist Vielfalt. WIR sollten etwas weiter schauen und diese Diskussion verantwortungsvoll und de-eskalierend führen. Argumentieren und überzeugen statt diktieren und bestrafen. Wir sollten vor allem wieder mit dem Herzen schauen, und nicht alles glauben was uns der primitive Teil unseres Gehirns gerade so einflüstert. Denn so wie es aussieht, müssen wir noch länger zusammenleben, auf immer weniger Raum, in einer globalisierten Welt.
Wir sind nicht nur DIE Menschheit. Wir sind vor allem EINE Menschheit!
– via Markus Böker








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