Ethan Hawke erwacht in «24 Hours to Live» von den Toten und bekommt noch genau einen Tag zum Leben, bevor seine Zeit endgültig abgelaufen ist. Als ehemaliger Auftragskiller setzt er nun alles daran, Rache zu nehmen an den Menschen, die für seinen Tod verantwortlich sind. Ein actionreiches und blutiges Katz-und-Maus-Spiel beginnt. Bis zu dem Punkt, an dem der Film leider auf zu viel Testosteron und operative Dummheiten setzt, macht «24 Hours to Live» eigentlich ziemlich viel Spass.
Es müssen nicht immer Zombies sein, auch als lebende (Fast-)Tote können ganz normale Menschen angesichts ihres unausweichlichen Endes zu den Protagonisten einer spannenden und dramatischen Story werden. So wie Ethan Hawkes Figur im Action-Thriller «24 Hours To Live», der genau ein Tag bleibt, um alles Wichtige zu regeln, bevor sie garantiert tot umfällt. So ganz neu ist die Idee nicht, bereits 1950 wurde ein Collegeprofessor mit einer langsam wirkenden tödlichen Substanz vergiftet und zeigte in «Opfer der Unterwelt» den Mord an sich selbst bei der Polizei an. 1988 wurde die gleiche Story mit Dennis Quaid in «D.O.A. – Bei Ankunft Mord» noch einmal verfilmt. Aber während der Held im klassischen Film Noir ein letztlich hilfloses Opfer war, was die fatal-bedrückende Atmosphäre noch unterstrich, gibt in «24 Hours to Live» die Action den Ton an und Hawke ist auch als Leiche in spe noch ziemlich gefährlich. Brian Smrz (Hero Wanted) brennt in seiner erst zweiten Regiearbeit nach 30 Jahren Erfahrung als Stuntman ein beachtliches Feuerwerk aus Verfolgungsjagden und Schiessereien ab und liefert damit zufriedenstellende Genrekost.
Ethan Hawke gehört zu den wenigen Hollywood-Stars, dem das Publikum sowohl den sensiblen Schöngeist wie etwa in Richard Linklaters «Before»-Trilogie, als auch den kräftig zuschlagenden Actionhelden wie in «Das Ende – Assault on Precinct 13» abnimmt. In «24 Hours To Live» ist er eindeutig in der zweiten Eigenschaft unterwegs, auch wenn er seinen müden, melancholischen Killer durchaus mit Zwischentönen anlegt. Wie John Wick hat auch Travis Conrad einen Ehrenkodex, nach dem er lebt – und zur Not eben auch stirbt. Leider ist er die einzige Figur im ganzen Film, die einen Hauch von Tiefe bekommt, der Rest der Besetzung, wie die Chinesin Qing Xu (Looper) oder der deutlich unterforderte Liam Cunningham (Hunger), darf nur wandelnde Klischees verkörpern. Und auch die Story bleibt abgesehen von der recht originellen Grundidee komplett überraschungsarm.
Dennoch unterhält «24 Hours To Live» recht gut, was zum einen an der Stunterfahrung von Regisseur Brian Smrz liegt. Denn der bringt sowohl Autoverfolgungsjagden, als auch heftige Schusswechsel und den Kampf Mann gegen Mann gut und dynamisch auf Leinwand. Dabei inszeniert er seine Action nicht ganz so virtuos, aber ähnlich brachial wie die Kollegen Chad Stahelski (John Wick) und David Leitch (Atomic Blonde) und lässt reichlich Blut fliessen. Zum anderen gibt es in den (zu) wenigen ruhigen Passagen einige Dialoge, die den Film von belangloser Actionmassenware abheben lässt. So ist vor allem das Gespräch zwischen Travis und Frank, kurz bevor sie die Asche von Frau und Sohn ins Meer streuen, mit einer gelungenen Mischung aus trockenem Humor und Herz gewürzt und damit bekommt dann auch «Blade Runner»-Altstar Rutger Hauer wenigstens eine schöne Szene.



«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








