Die Finnen kommen alle drei Jahre mit einem neuen Album daher, um ihre schwerttragenden Fans aus aller Welt wieder um sich zu scharen. Bereits zum sechsten Mal stürzen sich „Ensiferum“ nun ins Schlachtgetümmel, dieses mal mit dem Album „One Man Army“. Bei dem Quintett hat sich im Hintergrund einiges getan, sodass man vermuten könnte, dass sich auch musikalisch viel bei den Folk-Metallern verändert hat. „One Man Army“ bietet ein für die Band typisches Arsenal an illustren Ideen und Melodien. Die Band scheint wieder die Angriffslust anfänglicher Schlachten gepackt zu haben und kommt nicht so kriegsmüde daher wie der unsägliche Vorgänger „Unsung Heroes“ mit seinem pinken Cover, dass nach wenigen Durchläufen bei mir im Regal verstaubt! Bei „One Man Army“ stimmt nicht nur das Cover, auch musikalisch kann die Scheibe voll und ganz überzeugen!

Ensiferum - One Man Army

Wenn man sich die Rahmenbedingungen des sechsten Streiches anschaut, hat sich bei „Ensiferum“ viel verändert. Bis vor kurzem war die Band noch bei „Spinefarm Records“ unter Vertrag, heute darf sich nun „Metal Blade“ glücklich schätzen, die Finnen in ihren Reihen begrüssen zu dürfen. Drehte für den Vorgänger „Unsung Heroes“ noch Hiili Hiilesmaa als Produzent die Knöpfchen, war auf „One Man Army“ nun Anssi Kippo dafür zuständig, der im Übrigen einen mehr als ordentlichen Job an den Tag gelegt hat. Selbst der Artwork-Künstler wurde ausgetauscht: Wo der berühmte Kristian Wahlin alias Necrolord zwar einen lässigen, wenn auch perspektivisch fast schon infantilen Stil pflegte, darf man mit dem Ergebnis von Gyula Havancsák äusserst zufrieden sein. Zwar weniger originell, aber passend wie die Faust aufs Auge, heroisch, mächtig und auch klischeehaft ist das Cover ausgefallen. So könnte man die Vermutung haben, dass sich auch musikalisch viel bei den Folk-Metallern getan hat.

Ensiferum - Band

Eins gleich vorweg, alle Fans können aufatmen und sich auf eine Stunde beste Unterhaltung einstellen, denn „Ensiferum“ geben wieder mächtig Gas und liefern einige der besten Songs ihrer Karriere ab. „One Man Army“ ist eines der stärksten Alben der Finnen, welche seit 2009 ein stabiles Line-Up haben. Das Quintett hat glücklicherweise den Härtegrad wieder ordentlich angezogen und klingen mächtiger als je zuvor. Auch ist die Produktion dieses Mal exzellent, die Tracks kommen wuchtig daher, strahlen eine enorme Energie aus und das Songwriting ist absolut erstklassig. Zwar kennt man manche Songstrukturen und Melodien aus früheren Alben, aber die Lieder wirken frisch, in sich geschlossen und haben schlicht geniale Refrains, die niemals zu kitschig werden. Auf ein stimmungsvolles Intro folgt mit „Axe Of Judgement“ ein speediger Opener, „Heathen Horde“ bezirzt mit einem schönen folkig angehauchten Hauptthema und macht mit seinen Chören und den melodiösen Gitarren einfach richtig Spass! Auch die vorab veröffentlichte Single und Titeltrack „One Man Army“ vermag durchs Band weg zu überzeugen.

Vorschaubild

„Burden Of The Fallen“ stellt im weiteren Albumverlauf den Ruhepol dar, bevor sich auf „Warrior Without A War“ und „Cry For The Earth Bounds“ die Melodiebögen wieder weiter spannen und der heroische Epic-Anteil wieder deutlich nach oben geschraubt wird. Danach geht es sprichwörtlich rund und die Folk-Party nimmt voll Fahrt auf. „Two of Spades“ (eine Motörhead Verneigung?) ist der ideale Soundtrack, kommt mit viel Speed daher und mit Western/Disco-Reminiszenzen knallen uns „Ensiferum“ ganz grosses Kino um die Ohren. Die Banjoklänge und „Dschingis Khan“-Anleihen sind einfach grossartig und durchaus keine Überraschung bei den Suomis und zaubert den Hörern mit seinem discohaften Mittelteil ein breites Grinsen aufs Gesicht. „My Ancestor’s Blood“ bildet einen geschickt aufgebauten und spannungsvollen Zweiklang und „Descendants, Defiance, Domination“ beginnt sehr ruhig und wird vom Keyboard, klaren Gitarren und einem mächtigen Bass getragen. Charmant baut sich der Song langsam auf, Klargesang und metallische Screams wechseln sich ab und „Ensiferum“ vermischen auf intelligente Weise all ihre bekannten Trademarks. „Neito Pohjolan“ hingegen ist das schon fast zu erwartende „experimentelle“ Stück des Albums geworden. Ein Country-Song der einen Abstecher in den (finnischem) Tango unternimmt und von der zarten weiblichen Stimme von Netta Skog (Ex-Turisas) veredelt wird. Ein ungewöhnlicher wie würdiger Abschluss der Scheibe, der den Humor der Band zeigt.

Ensiferum - Logo

Wenn man sich die Scheibe kauft, sollte man darauf achten, mindestens die Doppel-CD zu erstehen, denn was einem auf der zweiten CD an Bonustracks geboten wird, walzt nochmals einfach alles nieder! Mit der Cover Version des Western-Songs von Frankie Laine aus dem Jahre 1958, dass zugleich der Titelsong zur Westernserie „Rawhide“ (Tausend Meilen Staub) war, wurde ein Song geschaffen, der an die besten Zeiten der Leningrad Cowboys erinnert. „War Metal“ lässt dann wieder den Krieger los, der kompromisslos mit seinem Schwert alles niedermetzelt, was sich ihm in den Weg stellt. „Candour and Lies“ ist die englische Version vom oben genannten „Neito Pohjolan“, dieses mal aber nicht mit Netta Skog, sondern einer rauhen, männlichen Stimme, die dem Song eine etwas andere Facette verleiht. Mit „Bonus Song“ bekommen wir nochmals eine volle Breitseite des Humors der Band zu hören, mit den vielen Zensur „Peeps“ ist der Track ein durchaus gelungener Abschluss des Bonus Silberlings.

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Das Album „One Man Army“ überzeugt durch sorgfältig geschmiedete Waffen und solide Kampfkunst. Das Album ist ein richtiger Brecher. Wer nach „Unsung Heros“ befürchtet hat, dass es jetzt langsam bergab geht, der täuscht sich! Hier kann mit gutem Gewissen behauptet werden, dass es auf „One Man Army“ keinen Totalausfall zu beklagen gibt. Das sechste Album von „Ensiferum“ ist ein Volltreffer geworden. Die Schwertträger haben ihren Sound und ihre Qualitäten erkannt und können ihr Talent nun perfekt ausspielen. In den letzten Jahren haben nicht alle kleineren Experimente funktioniert, aber auf „One Man Army“ passt einfach alles zusammen und das Album klingt so, als wäre es mit viel Kreativität, Seele und Leidenschaft aufgenommen worden. Das ist vielleicht eines der grösste Komplimente, das man einer Band überhaupt machen kann. Wer dem Genre Fantasy-Folk-Metal etwas abgewinnen kann, für den wartet hier das erste Jahreshighlight! Die Finnen haben wieder ordentlich an Geschwindigkeit zugelegt, schmissige Songs, keine Durchhänger, schöne Melodien, Speed, Druck, heroischer Kitsch, all das zeichnet diese Scheibe aus und somit sollte das die Vorfreude auf kommende Liveaktivitäten ordentlich anfeuern. „Ensiferum“ setzen gleich mehrmals auf heroische Mitsingrefrains und so gesellen sich zur Einmannarmee also gleich mehrere Kampfgenossen, keine Söldner, sondern eine eingeschworene Gemeinschaft. „Ensiferum“ scheint die Angriffslust anfänglicher Schlachten wieder gepackt zu haben. Man sieht sich Live im März!

Das Album könnt ihr in unserem Shop kaufen.

Trackliste:
CD 1:

  1. March Of War
  2. Axe Of Judgment
  3. Heaten Horde
  4. One Man Army
  5. Burden Of The Fallen
  6. Warrior Without A War
  7. Cry For The Earth Bounds
  8. Two Of Spades
  9. My Ancestor’s Blood
  10. Descendants, Defiance, Domination
  11. Neito Pohjolan

CD 2:

  1. Rawhide
  2. War Metal
  3. Candour and Lies
  4. Bonus Song
Album Review: Ensiferum - One Man Army
9.6 / 10 Total
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Originalität10
Tempo9.5
Musikalische Fähigkeiten10
Gesang9.5
Songtexte9
Substanz9
Produktion10
Langlebigkeit9.5
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