Kürzlich las ich einen Artikel des Erfolgs-Coaches Tom Ferry, der einen Punkt ansprach, der mir auch auf meinem persönlichen Weg immer klarer wurde. Ferry geht davon aus, dass die meisten Menschen lieber «nach Vorlage» leben, statt ihr Leben zu gestalten. Nach Vorlage zu leben bedeutet letztendlich: aktiv zu wählen ein Opfer zu sein. Und sich darin erstaunlicherweise auch noch wohl zu fühlen. Solche Menschen leben in einem Zustand den Ferry «aktives Koma» nennt. Festgefahren, besorgt, Opfer ihrer Umstände – und trotz aller Beteuerungen viel zu ängstlich um etwas zu ändern, den Sprung ins Unbekannte zu wagen, neue Wege zu gehen.
Nach 20 Jahren Erfolgscoaching kam Ferry schliesslich zu dem Schluss, dass es eigentlich nie die Umstände sind, die Menschen daran hindern, ihr Leben bewusst zu gestalten, sondern dass es vor allem vier Süchte sind, die uns gefangen halten. Laut Ferry hat jeder Mensch mindestens eine dieser Süchte – sie zu identifizieren ist enorm hilfreich, um die permanente Selbstsabotage zu durchbrechen.
1. Die Sucht nach der Meinung anderer
Unsere ganze Gesellschaft sorgt sich darum, was andere über uns denken – und ist süchtig nach gesellschaftlicher Anerkennung. Die meisten Menschen sind gerne bereit, ihre Träume und Werte aufzugeben, wenn sie im Austausch dafür Anerkennung bekommen.
Beispiele:
- Besorgnis, was andere denken.
- Etwas tun oder sagen wollen, aber nicht den Mut haben, es zu tun.
- Sammeln von Statussymbolen (Autos, Schmuck, Klamotten etc.)
2. Die Sucht nach Drama
Viele Menschen verwechseln Erfüllung mit Intensität. Drama ersetzt in vielen Beziehungen sogar die Liebe. Auch im Äusseren scheint alles negative eine unwiderstehliche Anziehungskraft zu besitzen und hält unsere Energie und Aufmerksamkeit in negativen Gedanken gefangen.
Beispiele:
- Hang zu Übertreibungen, alles ist größer, als es eigentlich ist
- Lästern und Gerüchte verbreiten
- Ständige Lebenskrisen
- Im Dreck herumwühlen, ständig Probleme besprechen müssen
3. Die Sucht nach der Vergangenheit
Menschen mit dieser Sucht haften an vergangenen Geschehnissen an, wollen alte Geschichten nicht loslassen. Sie sind gefangen darin, wie ihr Leben oder sie selbst bisher waren.
Beispiele:
- Ständiges wiederholen alter Geschichten,
- Abneigung gegen jede Form von Veränderung, früher war alles besser
- Ständiges Hinweisen auf schlimme Erlebnisse
4. Die Sucht, sich Sorgen zu machen
Für manche Menschen sind Sorgen eine Lieblingsbeschäftigung. Sorgen haben einen Anschein von Bedeutsamkeit und Sinn, auch wenn sie uns in Wirklichkeit nur lähmen.
Beispiele:
- Ständig besorgt sein, sich beklagen über die Verhältnisse und wie schlimm alles ist/werden könnte
- Das Worst-Case-Szenario (der schlechteste und ungünstigste Fall) kommt immer als Erstes in den Sinn
- TV oder Drogen, um negativen Gedanken zu entkommen
Aber, werden viele einwerfen, es sind doch die alten Programmierungen, das Unbewusste, unsere Erfahrungen, die uns diese Verhaltensmuster in die Zellen gebrannt haben.
Das stimmt zwar irgendwie, aber damit sind wir schon wieder mitten im Opferbewusstsein und der Sucht Nummer 2. Will man das wirklich als Ausrede gelten lassen? Oder ist es vielleicht doch so, dass, wenn wir etwas nicht ändern, wir es vor allem nicht ändern wollen. Aus Angst vor dem Unbekannten und der Verantwortung, die mit dem Eingeständnis, dass wir frei sind, unweigerlich einhergeht.
Wenn es dergleichen in meinem Leben gibt, dann weil ich es will und mithelfe es zu erzeugen. Weil ich die Erfahrung interessant finde, irgendwie darin verliebt bin oder weil es so angenehm vertraut ist.
Für uns alle wird es vielleicht mal Zeit, unsere Sucht nach dem Leiden und dem Opfer-Dasein aufzugeben. Wir haben als Seelen und als Menschheit genug schreckliche Erfahrungen gemacht, haben die dunkle Seite der Schöpfung bis in ihre Extreme ausgereizt. Jetzt lasst uns doch mal gucken, wie es auf der hellen Seite ist!
David Rotter








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