Es gibt diese herrlich unbequemen Menschen, die einem das Gefühl geben, als hätte man sein ganzes Leben mit einer Blindfold-Challenge verbracht. Eddie gehört definitiv dazu. Ein Ex-Bodybuilder, Ex-psychiatrischer Krankenpfleger und Vollzeit-Ernährungs-Grossinquisitor. Der Mann, der dir mitten ins Gesicht sagt: «Alles, was du kochst, ist eigentlich kein Essen!» Und man sitzt da, kaut auf seinem Haferflocken-Bagel rum und denkt: Verdammt, der Typ hat leider recht.
Sein Weg dorthin? Der Mann hat Jahrzehnte in psychiatrischen Stationen gearbeitet und dort «Diätpläne» erlebt, die wahrscheinlich selbst Sadisten Schamgefühle bereiten würden: Cornflakes mit Zucker und fettfreier Milch – ein Menü, das Patienten zuverlässig entweder ins Koma oder in die Hypergalaxie katapultierte. Und wenn sie völlig «durchdrehten»? Kein Problem. Eine Dosis PRN-Medikamente und zack: Ruhe im Karton. Wer braucht schon Therapie, wenn Insulin und Sedierung alles regeln.
Irgendwann hatte Eddie genug. Pflege ade, Muskelkult olé. Bodybuilding der 80er: Rohe Eier, rotes Fleisch, Lebertabletten, Muttermilch, wenn man sie irgendwie organisieren konnte. Nicht hübsch, aber effektiv. Keine Proteinriegel, die schmecken wie das Ergebnis von Laborhochwasser. Keine Whey-Shakes, die mehr Emulgatoren enthalten als ein Autopflegesortiment. Nur echtes Essen – nahrhaft und funktional.
Und dann kam die Moderne. Proteinriegel mit Farben, die in der Natur nicht vorkommen. Cereal Bars, die aussehen wie Polierpads mit Nährwertangabe. Whey-Shakes, die angeblich «von der Kuh kommen», aber eigentlich nur eine aromatisierte Streicheleinheit der Lebensmittelchemie sind. Kids laufen ins Gym, trainieren, nehmen einen halben Kilo Zucker in Proteinform zu sich und wundern sich über Depressionen, Akne und Verdauung, die nach bioterroristischer Aktivität riecht.
Eddie beobachtet das, schüttelt den Kopf und denkt sich: «Ich war in den 80ern vielleicht irre, aber so irre war ich dann doch nicht.»
Als selbsternannte Ernährungs-Messiasse und Social-Media-Gurus plötzlich die Fitnesswelt eroberten und predigten, man könne Muskeln auch mit Bagels, Skyr, Barista-Haferdrink und Protein-Cornflakes aufbauen, platzte Eddie irgendwann der Kragen. Seine Tochter überredete ihn, Videos zu machen und siehe da: Viralität durch Wut, Fluchen und gesunden Menschenverstand. Endlich mal jemand, der nicht mit Blender-Smile vor einer Schüssel Chia-Pudding posiert, sondern mit Leidenschaft erklärt, warum moderne Ernährung uns mental und körperlich zerlegt.
Die Community wuchs, teilweise mit Wundergeschichten, die heute offiziell «anektodal» heissen, weil sie nicht von jemandem stammen, der ein CNN-Mikrofon im Gesicht hat. Menschen, die 40 Jahre Medikamente schluckten und plötzlich symptomfrei sind. Eine Frau, die zehn Jahre im Rollstuhl sass und heute wieder läuft – nur durch Ernährungsumstellung. Laut offizieller Doktrin unmöglich. Laut Eddie: Alltag.
Kein Wunder, dass man ihn nicht ins Fernsehen einlädt. Wie soll das funktionieren? Eddie sagt «McDonalds bringt dich langsam um», und direkt danach läuft der Big-Mac-Spot. Das lässt sich schwer koordinieren.
Sein Ansatz? Brutal simpel: Iss echte Lebensmittel. Kein Pulver, kein Labor-Snack, kein «High-Protein»-Wunder aus der Folienverpackung. Iss saisonal. Iss logisch.
Und hör auf, zu glauben, dass Pflanzen, die man ohne Kochen nicht essen kann, das Rückgrat unserer Spezies seien.
Der Mann sagt es, wie es ist: Wir sind Tiere. Tiere essen andere Tiere. Punkt. Keine Kuh hat jemals einen Proteinriegel gemolken. Kein Wolf hat jemals einen Linseneintopf gekocht.
Die Wahrheit ist so simpel wie beleidigend: Wir sind so weit von natürlicher Ernährung entfernt, dass wir inzwischen Allergien gegen Avocados haben, weil sie für Europa in Pestiziden gebadet und unnatürlich herangezüchtet werden. Und dann wundern wir uns, warum die Lippen explodieren und der Hals juckt.
Eddies Schlusswort – und es trifft leider ins Mark:
Wir sind die einzige Spezies, die Pflanzen vor Tieren schützt, indem sie sie mit Gift einsprüht – und dann isst. So dumm sind wir.

«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








