Für Jason Momoa, den Khal Drogo aus «Game of Thrones», war «Vendetta Rider» eine Herzensangelegenheit. In Interviews hat er sich häufig darüber geäussert, was ihn daran ansprach, warum er eine Geschichte erzählen wollte, die zeigt, wie Native Americans Opfer von Verbrechen werden. Das ist alles schön und gut. Ein ehrenwertes Anliegen, ein durchaus auch wichtiges Thema, aber der grosse Wurf ist Momoa nicht gelungen. Wer hier Action erwartet, wird enttäuscht. Es gibt Action, in erster Linie wirkt der Film aber wie der Versuch seines Machers, einen kontemplativen Action-Streifen zu drehen.
Der deutsche Verleih hat sich sicherlich etwas gedacht, als er den Film «Vendetta Rider» betitelte. Hauptsächlich wohl, dass das nach Action klingt, dass es markig ist, dass es die Fans von Khal Drogo anzieht. Der eigentliche Titel verspricht da schon anderes: «Road to Paloma». Das klingt nach einem Reisevideo und ganz so schlimm ist der Film nicht, aber wirklich punkten kann er tatsächlich nur bei den herrlichen Landschaftsaufnahmen. «Road to Paloma» ist weder ein Action-Streifen noch ein Suspense Thriller – jegliche in diese Richtung tendierende Erwartungen sind demnach weitestgehend fehl am Platze, möglichst zu vermeiden und dürften gegebenenfalls geradezu unweigerlich mehr oder minder schwere Enttäuschungen hervorrufen. Stattdessen liess sich Momoa von bestimmten Veröffentlichungen aus den 60ern und 70ern inspirieren – und versuchte, relativ erfolgreich, das in den einsamen Weiten der Natur vorherrschende «Freiheitsgefühl» heraufzubeschwören und es zugleich den untrennbar mit einem «Leben in der Zivilisation» verknüpften Belastungen, Sorgen, Problemen und Ungerechtigkeiten gegenüber zu stellen. Aus der Perspektive eines amerikanischen Ureinwohners betrachtete er das Land, die Leute, ihre Traditionen sowie gewisse Aspekte des ihnen auferlegten Schicksals – allen voran die herabsetzende Art, mit der sie bis heute noch vom «weissen Mann» behandelt werden – und das mit Bedacht, Respekt und Würde, wobei auch einige Mitglieder des «Fort Mojave Tribes» tatkräftig an der Entstehung mitgewirkt haben…
Der Film steigt erst eine Zeit lang nach der «Kette an Ereignissen» ein, die Robert zu einem Flüchtigen werden liessen – beleuchtet also primär die Auswirkungen und Konsequenzen dieser. Zu Beginn kann er sich noch verhältnismäßig frei bewegen – stellt beispielsweise für einen älteren Werkstatt-Besitzer Zäune auf, um mit dem Lohn die Reparatur seines Motorrads abzuzahlen – allerdings ändert sich das, als er Kenntnis des intensivierten FBI-Engagements erlangt. Sich über seine «Optionen» im Klaren, entscheidet er sich dazu, die ihm «noch übrigen» Stunden oder Tage zu nutzen, um sich von seinen Familienangehörigen zu verabschieden, die Asche seiner Mutter an einen besonderen Ort zu überführen sowie im Zuge dessen wohlmöglich eine Form von «spiritueller Erlösung» zu finden. In der Hauptrolle überrascht Jason Momoa mit einer charismatischen, selbstsicheren Performance. Seitens seines Wesens ist Robert Wolf ein friedfertiger, freundlicher, von Wut und Schmerz auf jene «Bahn» gelenkter Mann, der sich den Respekt seiner Mitmenschen allerdings auch «auf physischem Wege» erworben hat. Ein achtbarer «Antiheld», der eine Menge über seine Blicke und Körpersprache vermittelt. Robert Homer Mollohan («Bowman»), welcher ebenfalls das Skript mitverfasst hat, agiert als «Sidekick» Cash dagegen ab und an leicht «over the Top» – wie ein öfters betrunkener, streitlustiger Zeitgenosse halt – wobei sein Part definitiv ein Stück weit schwächer ausgearbeitet wurde als jener Roberts, er diesen nichtsdestotrotz annehmbar solide meistert. Generell kann sich die Besetzung sehen lassen: Wes Studi («Geronimo») ist klasse wie eh und je, Lisa Bonet («Angel Heart») gibt sich verführerisch und sieht für ihr Alter noch immer echt attraktiv aus, Sarah Shahi («Static») tritt angenehm «natürlich» in Erscheinung, Lance Henriksen («Aliens») ist bloss flüchtig in Form eines Cameos mit von der Partie und Chris Browning («Let me in») sowie Michael Raymond-Jones («True Blood») rufen jeweils keinerlei Veranlassung zur Klage hervor.
Das Drehbuch, an welchem zudem noch Jonathan Hirschbein («Bad Country») beteiligt war, bietet dem Publikum eine Story, die frei von Innovationen oder herausragenden Eigenschaften daherkommt – unabhängig dessen aber dennoch zufrieden zu stellen vermag, sofern man «per se» mit einer derart gestrickten und dargebotenen Geschichte einigermassen etwas anzufangen weiss. Weder die porträtierten Personen noch die konkrete Handlung sind allzu komplex oder originell geraten – viel gewichtiger geht es um die mit diesen Individuen, ihren Begegnungen, Entscheidungen und Taten verbundenen Empfindungen und Konsequenzen, also die daraus entstehenden «Gemütsregungen» und «inneren Entwicklungen». Auf ein hohes Tempo und eine straffe Plot-Entfaltung wurde zugunsten verschiedener «Schlenker» verzichtet – unter ihnen die entspannte, geradezu unbeschwerte Zeit, die Robert mit Magdalena verlebt. Momoa hat sein Werk mit geringen Ressourcen und einem erstaunlich kleinen Team realisiert – welches teilweise nur aus acht seiner Freunde bestand. Mit einigen seiner Co-Stars hatte er bereits mal in der Vergangenheit zusammengearbeitet – mit Lisa Bonet ist er bekanntermassen seit Ende 2007 verheiratet. Ein höchst persönliches Projekt also, das durch gewisse dieser Umstände bzw. Gegebenheiten auf jeden Fall profitiert hat: Die Locations in den betreffenden Städtchen sind absolut authentisch in ihrer «Unglamourösität», künstliche Beleuchtung wurde nur selten verwendet und die atemberaubenden Landschaften dieser Region Amerikas (u.a. Monument Valley) warten ohnehin «ganz für sich allein» mit mehr als genügend Atmosphäre und Schauwerten auf. Majestätische Berge, fantastische Sonnenuntergänge, Nächte am Lagerfeuer unterm Sternenhimmel – dazu noch das «Freiheitsgefühl» auf den entlegenen Strassen: Alles überaus stimmig.
«Road to Paloma» ist eine ambitionierte Kombination aus Drama, Thriller, Biker- und Buddy-Roadmovie, in Gestalt derer Jason Momoa auf beiden Seiten der Kamera eine Menge «ungeschliffenes Talent» und Potential beweist. Ein ruhiger, reflexiver, abseits des Mainstreams zu verortender Film, der deutlich mehr Wert auf visuelle und emotionale Eindrücke legt als auf solche Dinge wie Action, Suspense oder selbstschöpferische Inhalte. Die Arbeit des Kameramanns ist das Beste am Film, die des Cutters durchaus auch. Mit Hilfe schneller Schnitte wird kaschiert, dass die Actionsequenzen eher schwachbrüstig inszeniert sind. Wenn Schläge meilenweit am Kopf vorbei und einfach ins Leere gehen, dann kann das nur stakkatoartiger Schnitt verbergen. Zum Teil zumindest, wer genau hinsieht, merkt schon, dass Momoas Stärke Action nicht ist. Das ist umso erstaunlicher, da er sowohl als Khal Drogo als auch als Conan und natürlich als Gegner von Sylvester Stallone in «Shootout» mehr als genügend Erfahrung in Sachen Action gesammelt hat. Es ist aber ohnehin nicht so, dass „Vendetta Rider“ ein reinrassiger Actionfilm wäre. So richtig kann sich «Vendetta Rider» nie entscheiden, was er eigentlich sein will. Er prangert an, dass Verbrechen an Indianern nicht verfolgt werden, wenn aber ein Weiwwer im Reservat sein Leben aushaucht, dann kommt die Staatsmacht mit aller Gewalt daher. Das funktioniert halbwegs, häufig scheint der Film aber zu vergessen, dass er sich eigentlich dieses Themas annehmen wollte. Da wird er dann eher zu einer indianischen Version von «Easy Rider», ohne natürlich jemals dessen Brillanz zu erreichen. Stattdessen gibt es zahlreiche Szenen, die einfach ins Nichts führen, bis zu dem völlig unerwarteten Ende, auf das nichts in diesem Film hingedeutet hat.





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