Sehr treffender Erlebnisbericht von Nico DaVinci:
Gestern im Baumarkt
Ich hatte gestern einige Dinge im Baumarkt zu besorgen.
Unser Baumarkt ist ziemlich gross.
Und weil es zeitlich nicht anders ging war ich zu einer Zeit, in der relativ viel Publikumsverkehr war.
Vor allem ältere Herrschaften mit viel Zeit.
Risikogruppe.
Wie Ihr ja wisst gehe ich schon seit längerem nicht mehr mit einer dieser Masken durch die Welt. Und – soweit ich erinnere – was das mein erster Besuch in diesem sehr freien Zustand.
Nun kam es, dass ich ein paar speziell zugeschnittene Bretter benötigte, was man hinten rechts und dann wieder links im Holzzuschnitt bekommt.
Ich war der zweite in der Reihe.
Vor mir ein Paar in Vollausrüstung FFP2.
Sie schauten immer mal wieder zu mir und ich hatte mir im Kopf schon ein paar Worte zurecht gelegt.
Doch es kam irgendwie alles anders als erwartet.
Auf einmal zog sie die Maske unters Kinn.
Atmete frei und man sah ihr an, dass es ihr sehr gut tat. Und dann schimpfte sie etwas vor sich hin, das ich nicht sofort verstand.
Oder vielleicht trickste mich meine Erwartungshaltung aus und es passte nicht zu dem, wovon ich ausging.
«Diese Scheiss-Maske. Ich hab keinen Bock mehr auf das Ding!», rief sie auf Nachfrage in meine Richtung.
«Dann lassen Sie sie doch weg?», antwortete ich. «Laut Bundesjustizminister gelten seit gestern sowieso keine Massnahmen mehr…»
«ECHT?!» – Dieser Moment von Erleichterung und Hoffnung zugleich… Und das in dieser Stärke im Ausschlag. Unerwartet.
Und ich musste das dann leider auch noch relativieren:
«Naja, die Landesregierung hält trotzdem dran fest…»
«Ich hab so keine Lust mehr auf den Scheiss. Die können mich bald mal…»
«Kann ich gut verstehen. Zwei Jahre, und zwei Jahre zu lang…»
«Ja, und dann sind da so viele Sachen komisch…»
«Was zum Beispiel?», fragte ich.
«Naja, wir haben uns impfen lassen. Und hatten trotzdem Corona!»
«Ja, das habe ich öfters gehört.»
Jetzt schob auch er die Maske unters Kinn. Ich war gespannt.
«Das war sowieso der grösste Beschiss. Wir haben das nur mitgemacht, weil wir unsere Ruhe haben wollten. Johnson und Johnson. Voll der Kalte… Puff, galt es nicht mehr. Und dann noch Biontech obendrauf und trotzdem Zack – Corona…
Man weiss ja nicht einmal, ob man überhaupt einen Stoff bekommen hat oder nur Salzbrühe…»
Jetzt wünschte ich mir eine Videokamera und ein Mikro hätte das alles aufgezeichnet.
Ich hatte den Eindruck, das war das erste Mal, dass die beiden mit Fremden so offen über ihre Gedanken gesprochen haben.
Und ich hatte das nicht erwartet.
«Hatten Sie denn Nebenwirkungen?», hakte ich nach.
«Nein. Gar nix.», sagte er. Und sie nickte heftig.
«Nix», bestätigte sie.
«Das ist aber gut, ich habe leider auch schon viel anderes darüber gehört.»
«Ja. Wir auch. Wir kennen mehrere. Starke Nebenwirkungen. Und zwei sind sehr plötzlich verstorben in unserem Umfeld. Eine war 42…», sagte sie. Er nickte.
Wir wurden unterbrochen. Der Mann vom Holzzuschnitt kam endlich aus seiner Werkstatt zu uns.
Die beiden rasch die Masken hochgezupft. Und durch den Stoff genuschelt, was sie brauchten.
Als er ging um das Gewünschte zu schneiden nahmen sie die Masken wieder ab. Wollten wohl noch weiter reden, doch zwischenzeitlich standen zwei weitere Fremde Effeffpezweit hinter mir. Und da haben sie es leider gelassen.
Ich fand es gut. Was ich mir immer erhofft hatte, ist passiert.
Sie haben das Ding heruntergenommen. Weil ich ohne da war.
Weil Euch das interessieren könnte: Ich bin während des kompletten Aufenthaltes von anderthalb Stunden nicht ein einziges Mal angesprochen worden. Nicht vom Personal. Nicht von anderen Kunden.
Gut, ein paar sind hinter die Auslage-Inseln gehechtet als sie mich gesehen haben. Natürlich nicht wortwörtlich, aber Ihr versteht, wie ich das meine. Erweiterter Sicherheitsabstand und so. Das ist auch ok für mich. Ich respektiere ihre Angst. Und nehme das nicht persönlich.
Ich hatte andererseits aber auch eine Menge Interaktion.
Mit Personal. Mit anderen Kunden. Alles blieb freundlich und – wie gesagt – niemand sprach mich an.
Zurück zu dem Paar.
Nachdem sie ihr Schnitt-Hölzchen überreicht bekommen hatten gingen sie los. Abgang nach links. Richtung Kasse. Ohne Maske.
Ich wollte mich gerade freuen – meh – nach zwei Metern hatten beide das Ding wieder über der Nase.
Jetzt werden die Schwarzseher von Euch wieder sagen:
«Siehst Du, Nico. Diese dummen Leute… Was hat es denn jetzt gebracht? Sie haben sie wieder aufgesetzt…»
«Mag sein…», antworte ich Euch.
Vielleicht eben aber auch nicht. Vielleicht war der der erste zaghafte Ausbruch aus zwei Jahren Dauergefängnis.
Und vielleicht schaffen sie es das nächste Mal noch mutiger. Und es werden 4 Meter. Und dann 8. Und dann sogar den kompletten Weg bis zur Kasse.
2 Jahre Dauerkonditionierung ist nicht leicht wieder loszuwerden. Und sie hatte ja noch gesagt, sie habe keine Lust auf «das dumme Geschwätz von den anderen», also den vollkonformen Regeldurchsetzern.
Es war ein kleiner Lichtblick. Auf dem Weg zur Normalität.
Ab 3. April wird in Baden-Württemberg gemäss einem Bericht heute bei SWR auch die Maskenpflicht in den Innenräumen sowieso Geschichte sein. Ein Klebeband auf die Schreimünder der Massnahmen-Meute.
Und trotzdem würde ich heute schon beinahe wetten, dass wir selbst am 10. April noch welche sehen, die sich «schützen». Eben wegen der Konditionierung.
Aber es wird auch eine Menge geben, die die Dinger nicht mehr tragen werden. Denn irgendwie habe ich das deutliche Gefühl…:
Dieses Paar war sehr repräsentativ für viele anderen in Deutschland, die schweigend mitlaufen. Weil sie ihre Ruhe haben wollen.
Und sie Angst haben.
Aber nicht vor einem Virus.
Vor dem «dummen Geschwätz» der anderen…







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