Surival Thriller mit minimalistischer Ausstattung und sehr schöner Kulisse. Die Aufnahmen vom Surfen über und unter Wasser sind extrem schön und gut eingefangen. Der Film ist durchgehend spannend und hat kaum Leerlauf. Alles in allem ein kleines feines Filmchen das mit dem ewigen Thema Hai beschäftigt, nur hier wurde meiner Meinung vieles richtig gemacht. Simpler, aber effektiver Survival-Reisser mit einer hervorragenden Hauptdarstellerin.

Dass sich der Trash-Faktor des Hai-Genres sowohl im Kino («Deep Blue Sea», «Shark Night 3D») als auch auf DVD («90210 Shark Attack in Beverly Hills») und im TV («Sharknado») in immer abgründigere Höhen schraubt, dürfte zu einem nicht unerheblichen Teil auch damit zusammenhängen, dass sich nach Steven Spielbergs Über-Meisterwerk «Der weisse Hai» kaum noch jemand an einen tatsächlich auf Spannung abzielenden Hai-Thriller herantraut. «Orphan – Das Waisenkind»-Regisseur Jaume Collet-Serra hat es trotzdem gewagt – und herausgekommen ist mit «The Shallows – Gefahr aus der Tiefe» ein trotz Hochglanz-Optik wunderbar dreckiger, trotz 17-Millionen-Dollar-Budget atmosphärisch-intimer Survival-Thriller, der mit einer ganzen Reihe inszenatorischer Finessen und vor allem mit seiner starken Hauptdarstellerin punktet.

Bereits 1975 bewies Steven Spielberg einem grossen Publikum, welche Gefahren auf den Menschen im Meer lauern können. «Der Weisse Hai» schlug nicht nur sämtliche Rekorde an den Kinokassen, sondern ging in die Filmgeschichte als der erste Blockbuster überhaupt ein. Selbst 40 Jahre, die seitdem vergangen sind, haben der Faszination an Haien keinen Abbruch getan. Obwohl nachweislich mehr Haie durch Menschenhand sterben, als Menschen durch Haie, werden die Meeresraubtiere noch immer negativ konnotiert. Den packenden Thriller um den erneuten Überlebenskampf einer Surferin, die wohl deswegen ein beliebtes Ziel von Haien sind, da sie von deren Perspektive aussehen wie eine Robbe, inszenierte der spanische Action-Regisseur Jaume Collet-Serra. In der Hauptrolle wird Blake Lively («Für immer Adaline») an ihre Grenzen gebracht, nach einem Drehbuch von Anthony Jaswinski («Die Herrschaft der Schatten»). Gedreht wurde «The Shallows» im australischen Bundesstaat Queensland, wo die Produktion einerseits in Studios mit Wassertanks arbeitete, andererseits aber auch die malerische Küste des im Nordosten des Kontinents gelegenen Landstriches für Aussenaufnahmen nutzte.

Nicht etwa der mächtige Weisse Hai, sondern Ex-Soap-Star Blake Lively dominiert diesen Film. Bei ihrer ebenso detailgenauen wie athletischen One-Woman-Show entwickelt sie eine solch überzeugende Präsenz, dass der Zuschauer sie ohne mit der Wimper zu zucken als Survival-Spezialistin ernst nimmt. Selbst eine ziemlich schmerzhaft anmutende Ohrring-Selbst-OP – eigentlich prädestiniert für unfreiwillige Komik – wirkt keine Sekunde lächerlich. Da ist es vielleicht verständlich, aber deshalb nicht weniger störend, dass sich Collet-Serra und sein Kameramann Flavio Martínez Labiano («The Gunman») offenbar einfach nicht an Livelys austrainierten Rundungen sattsehen können, womit sie zuweilen auch den Spannungsbogen beeinträchtigen. Deutlich subtiler geht das Duo hingegen vor, wenn es darum geht, die Attacken des Hais in Szene zu setzen: Wenn das aggressive Biest Nancy von ihren Surfbrett rammt, erspäht man nur durch eine Welle hindurch langsam einen Schatten herankommen. Und beim ersten ausgiebigen Biss in den Oberschenkel werden weder der Hai noch das Bein gezeigt, stattdessen umfasst der Bildausschnitt lediglich Nancys Oberkörper. So sehen wir ihre Schreie und wie sich das Wasser um sie herum blutrot färbt – mehr als genug, um sich den Rest des Schreckens selbst im Kopf auszumalen.

Zwischendrin lässt uns der Regisseur immer wieder ausreichend Zeit mit der angenehm widerständigen, geduldig ausharrenden, nie herumjammernden Protagonistin, die sich nicht nur selbst zusammennäht, sondern auch ihrem Leidensgenossen Sully «Steven» Seagull (eine Möwe) den Flügel wieder einrenkt, um tatsächlich ein Interesse an Nancys Schicksal entwickeln zu können. Collet-Serra verschafft seinen Zuschauern einen recht genauen Eindruck von dem Grundriss und den Entfernungen in der Bucht, was es einfacher macht, sich mit Nancy und ihren Plänen zu identifizieren. Die immer wieder eingeblendeten Zeitangaben stiften hingegen eher Verwirrung als Spannung. Erst zählt ein Countdown bis zur Ebbe runter, aber dann passiert zu diesem Zeitpunkt gar nichts, während der zweite Countdown bis zur Flut sehr wohl eine Bedeutung hat, weil bei Hochwasser Nancys aktueller Rettungsfelsen unter der Meeresoberfläche verschwinden wird. Ganz bis zum Ende halten die Macher ihren vergleichsweise geerdeten Ansatz dann übrigens doch nicht durch, weshalb das deutlich actionfilmartigere, fast schon ein wenig trashige Finale das Publikum sicherlich spalten wird. Grösstenteils in werbeclipartigen Hochglanzbildern eingefangenes Survival-Filmchen, das weniger auf Realismus, denn auf die übliche Tierhorrorstrategie des über weite Strecken übermächtig scheinenden Monsters setzt. Kein Hai-light, dank der überschaubaren Laufzeit, Blake Livelys Hintern und der ausweglosen Situation aber doch ganz okay.


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