Frank Castle ist zurück. Nicht weil die Welt ihn braucht. Nicht weil irgendjemand gebeten hat. Sondern weil die Unterwelt von New York offenbar noch nicht vollständig ausgeblutet ist – und Castle dieses Problem auf seine Weise löst.
«The Punisher: One Last Kill» erscheint am 12. Mai 2026 auf Disney+ – in Deutschland einen Tag später, weil der Algorithmus offenbar auch beim Rachefeldzug auf Bürokratie besteht. Es ist das dritte sogenannte «Marvel Special Presentation», also jenes Format, das Marvel immer dann aus der Schublade zieht, wenn eine Geschichte zu brutal, zu dunkel oder zu erwachsen für das übliche Serienformat ist. Oder schlicht zu gut, um in neunzehn Folgen zur Bedeutungslosigkeit gestreckt zu werden.
Jon Bernthal kehrt zurück als Frank Castle – ein Mann, der in der Summe seines Seins aus Trauma, Schuldgefühlen und einer bemerkenswerten Fähigkeit besteht, Feinde durch Wände zu werfen. Der Trailer zeigt Castle in dem Versuch, jenseits der Rachsucht einen Sinn zu finden – bis ihn eine unerwartete Macht wieder in den Kampf zieht. Dass dieser «Sinn» vermutlich wieder in Form einer zertrümmerten Kinnlade endet, versteht sich von selbst. Der Trailer zeigt Bernthal unter anderem in Flammen stehend, während ihn Halluzinationen heimsuchen – was gleichzeitig die brutalste und die psychologisch ehrlichste Darstellung eines PTSD-geplagten Kriegsveteranen ist, die das MCU je gewagt hat.
Die Antagonistin: Ma Gnucci. In den Comics ist sie die skrupellose Anführerin der Gnucci-Verbrecherfamilie – im Rollstuhl, körperlich verwundbar, aber intellektuell und organisatorisch eine der gefährlichsten Figuren in Castles Geschichte. Dass ausgerechnet sie als Gegnerin gewählt wurde, ist kein Zufall. Ma Gnucci steht für das, was Castle am meisten hasst: Strukturierte, institutionalisierte Gewalt. Keine Chaos-Schläger, sondern ein ganzes System, das zertrümmert werden will.
Das Special wurde im Sommer 2025 in New York City gedreht und bereits das verrät die Absicht: Kein CGI-Fantasyreich, keine kosmische Bedrohung, keine Infinity-Stones. Nur Beton, Blut und Bernthal. Regie führt Reinaldo Marcus Green, das Drehbuch haben Green und Bernthal gemeinsam verfasst – und das ist der vielleicht wichtigste Satz des gesamten Projekts. Weil es bedeutet, dass jemand hinter der Kamera steht, der die Figur nicht als Verwertungsmaschine begreift, sondern als Charakter mit echtem moralischen Gewicht.
Zeitlich ist das Special zwischen dem Finale von «Daredevil: Born Again» Staffel 2 und «Spider-Man: Brand New Day» angesiedelt – womit Marvel eine erzählerische Brücke baut zwischen dem Dunkelsten, was die Plattform anbietet, und dem Freundlichsten. Ironie hat ihren eigenen Terminkalender.
Was bleibt: Marvel hat verstanden, zumindest vorübergehend, dass nicht jede Geschichte mit einem Gruppenumarmungsbild enden muss. «One Last Kill» klingt nicht wie ein Versprechen. Es klingt wie eine Drohung. Und Frank Castle macht keine leeren Drohungen.

«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








