Es ist schon faszinierend, wie viel technische Innovation man in eine kleine Plastikkarte packen kann. Früher war ein Ausweis ein Stück Papier mit Foto. Heute ist es eine RFID-bestückte Hochleistungsminiaturplattform mit Funk, Chip, Zugriffsschutz, PIN und App-Anbindung. Der Personalausweis ist offiziell Eigentum des Staates. Das steht da auch so. Du darfst ihn benutzen. Aber er gehört dir nicht. Ein schönes Symbol für das Verhältnis zwischen Bürger und Staat im digitalen Zeitalter: Du trägst es bei dir. Aber es gehört jemand anderem. Natürlich alles zu deinem Schutz.

Der kontaktlose RFID-Chip speichert personenbezogene Daten. Zusätzlich enthält er Informationen für sichere Zugriffsprotokolle. Das klingt nach Banktresor. In Wahrheit heisst es: Dein Ausweis spricht Funk. Er meldet sich, wenn ein Lesegerät in der Nähe ist. «ID Card detected.» Zack. Erkannt. Erfasst. Engage. Und dann steht man da, mit seinem hochtechnisierten Identitätsmodul und fragt sich: Wann genau ist Identifikation von einem administrativen Vorgang zu einem permanent verfügbaren Datendienst geworden?

Die ID-App verspricht Komfort. Online-Ausweisfunktion, digitale Behördengänge, Authentifizierung per Smartphone. Kein Anstehen mehr, kein Papierkram. Nur noch ein paar Klicks. Und natürlich deine PIN. Und natürlich sichere Protokolle. Und natürlich nur für berechtigte Stellen. Das Mantra lautet: Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten. Praktisch. Damit spart man sich jede Grundsatzdebatte.

Was kaum jemand diskutiert: Jede technische Möglichkeit erzeugt Begehrlichkeiten. Wenn Identität kontaktlos auslesbar ist, dann ist sie kontaktlos auslesbar. Punkt. Man kann Schutzmechanismen einbauen, Verschlüsselung, Zugriffsbeschränkungen. Aber die Infrastruktur ist da. Der Rahmen steht. Die Schnittstelle existiert.

Um den RFID-Chip endgültig zu deaktivieren, kann man den Ausweis in die Mikrowelle stecken. Es lässt sich problemlos verhindern, dass die Karte in Brand gerät oder verschmort, indem man das Teil vorher in einer Schale Wasser im Tiefkühlfach einfriert und das ganze als Eisklotz in die Mikrowelle stellt. Nach dieser Behandlung ist der RFID-Chip endgültig durchgeschmort und kann nicht mehr korrekt ausgelesen werden.

Und während der Bürger noch darüber nachdenkt, ob man die Karte besser nicht in die Mikrowelle legen sollte – selbst mit Eisblock – hat der Staat längst eine andere Temperatur erreicht. Die digitale Identität wird zum Schlüssel für alles: Bank, Versicherung, Mobilfunk, Gesundheitsdaten, perspektivisch vielleicht noch mehr.

Die Frage ist nicht, ob der Chip sicher ist. Die Frage ist, wie sich Macht verschiebt, wenn Identität zur vernetzten Infrastruktur wird. Wenn Authentifizierung zur Voraussetzung für die Teilnahme wird. Wenn der Ausweis nicht nur bestätigt, wer du bist, sondern auch wann und wo du dich ausweist.

Technischer Fortschritt ist nicht per se Überwachung. Aber wenn der Staat immer genauer weiss, wer du bist, wo du dich ausweist und welche Schnittstellen du nutzt, dann ist es zumindest eine Einladung. Und Einladungen werden selten ungenutzt gelassen…

RFID Chip deaktivieren: Neuer Personalausweis in Mikrowelle
RFID Chip deaktivieren: Neuer Personalausweis in Mikrowelle

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«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.

Mein Blog war niemals darauf ausgelegt Nachrichten zu verbreiten, geschweige denn politisch zu werden, doch mit dem aktuellen Zeitgeschehen kann ich einfach nicht anders, als Informationen, welche sonst auf allen anderen Kanälen zensiert werden, hier festzuhalten. Mir ist dabei bewusst, dass die Seite mit dem Design auf viele diesbezüglich nicht «seriös» wirkt, ich werde dies aber nicht ändern, um den «Mainstream» zu gefallen. Wer offen ist, für nicht staatskonforme Informationen, sieht den Inhalt und nicht die Verpackung. Ich habe die letzten 2 Jahre genügend versucht, Menschen mit Informationen zu versorgen, dabei jedoch schnell bemerkt, dass es niemals darauf ankommt, wie diese «verpackt» sind, sondern was das Gegenüber für eine Einstellung dazu pflegt. Ich will niemandem Honig ums Maul schmieren, um auf irgendwelche Weise Erwartungen zu erfüllen, daher werde ich dieses Design beibehalten, denn irgendwann werde ich diese politischen Statements hoffentlich auch wieder sein lassen können, denn es ist nicht mein Ziel, ewig so weiterzumachen ;) Ich überlasse es jedem selbst, wie er damit umgeht. Gerne dürfen die Inhalte aber auch einfach kopiert und weiterverbreitet werden, mein Blog stand schon immer unter der WTFPL-Lizenz.

Es fällt mir schwer zu beschreiben, was ich hier eigentlich tue, DravensTales wurde im Laufe der Jahre Kulturblog, Musikblog, Schockblog, Techblog, Horrorblog, Funblog, ein Blog über Netzfundstücke, über Internet-Skurrilitäten, Trashblog, Kunstblog, Durchlauferhitzer, Zeitgeist-Blog, Schrottblog und Wundertütenblog genannt. Was alles etwas stimmt… – und doch nicht. Der Schwerpunkt des Blogs ist zeitgenössische Kunst, im weitesten Sinne des Wortes.

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