Ich halte grundsätzlich nichts von Meinungen, denn sie sind wie Fertiggerichte: Unreflektiert übernommene Ansichten, die oft ohne Wahrheitsgehalt und meistens mit Lügen, Halbwahrheiten oder frei erfundenen Behauptungen gepanscht sind. Meinungen dienen meiner Beobachtung nach hauptsächlich dazu, Menschen in ein Pseudogefühl des vermeintlichen Wissens zu ziehen. Und sie nähren das künstliche Selbstwertgefühl dieser Menschen, indem diese sich mit ihrer Meinung zu einer Gesinnungsgruppe zugehörig fühlen dürfen. Meistens sind das Gesinnungsgruppen, die sie wiederum aus unreflektierten Gründen als respektabel einstufen. Meinungen zu vertreten ist ebenfalls ein Teil des Hamsterrades des Scheinens und Gefallenwollens. An Meinungen interessieren mich, wenn überhaupt, nur die Aspekte, die in der Wahrheit wurzeln.
Nun höre ich schon die Frgae: Hast du keine Meinungen? Nein, nicht im definierten Sinne. Ich differenziere, wie ich über etwas denke. Beispielsweise: Ich kann mir vorstellen, mag sein, sehr wahrscheinlich ist da etwas dran, ich halte das aktuell für real, wahr… Es ist die Aggressivität in Meinungsäusserungen vieler, die mich stört. Der Anspruch, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Denn wenn hinter einer Meinungsäusserung so eine Aggressivität steht, empfinde ich es als unangenehm, weil da dann ein sehr, sehr lautes Ego dahintersteckt. Wenn ich spüre, dass es nur unreflektierte Meinungsäusserungen sind, wird jeder Austausch im Keim erstickt. Ich erkenne eine Korrelation zwischen der Aussage «Das ist meine Meinung» und den fehlenden Bereitschaft, diese infrage zustellen. Weil ich selber keine «Meinungen» zu haben pflege, bin ich offen für neue Perspektiven. Es ist immer interessant, jemandem zuzuhören, was er weiss, kennt, usw. Irgendwie impliziert «meine Meinung», dass andere Meinungen weniger bedeutend oder wert sind.







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