Regisseur Joe Lynch (Knights Of Badassdom, Everly – Die Waffen einer Frau) schmeisst in «Mayhem» kurzerhand die Konzepte von «28 Days Later», «It Comes At Night» und «The Purge» zusammen und kreuzt das Ganze zudem noch mit Greg McLeans Arbeitsplatz-Splatterorgie «Das Belko Experiment». Ergebnis ist eine nur selten bissige Gesellschaftssatire mit brutalen Büroschlachten, in der leider nur die plattesten Stammtischparolen gegen die Finanzindustrie aufgefahren werden. So ist «Mayhem» wohl am ehesten noch zum Frustabbau für ihren Job und ihren Chef verachtende Zuschauer geeignet.

In jeder Firma gibt es hinterhältige Angestellte, die für die eigene Karriere über Leichen gehen. Da werden für eigene Interessen gern mal die Kollegen in die Pfanne gehauen, die sich dann für Dinge rechtfertigen müssen, von denen sie gar nichts wissen. Leider ist es im wahren Leben schon lange nicht mehr so, dass man mit Ehrlichkeit weiterkommt. In einer Ellenbogengesellschaft, in der nur Leistung zählt, muss man ein Schwein sein, um erfolgreich bestehen zu können. Genau jene These vertritt auch der Action-Splatter «Mayhem», der schwarzhumorig vermittelt, wie sich die derzeitige Unternehmenskultur entwickelt hat. Hier wird gehörig gegen Unternehmensführer gewettert, in deren Händen das Schicksal des kleinen Mannes liegt. Damit spricht man natürlich all jenen aus der Seele, die im Job nichts zu lachen haben und sich unterwerfen müssen. Für genau diese Menschen gibt es Filme wie «Mayhem», die vermitteln wollen, dass auch boshafte Angestellte und Unternehmensbosse irgendwann mal an ihren Meister geraten.

Klingt irgendwie bekannt und einige werden vermutlich jetzt ein Déjà-vu und nein, «Mayhem» ist keine Fortsetzung und kein Remake zu «Das Belko Experiment». Beide Filme sind thematisch sehr ähnlich und zeigen streitsüchtige Angestellte, die plötzlich zu aggressiven Killermaschinen werden und dabei weder Freund noch Feind kennen. Interessanterweise nimmt sich «Mayhem» trotz brutaler Gangart gern mal selbst auf die Schippe. Die Inszenierung gleicht nicht selten einer Film-gewordenen Comicverfilmung, wo sich Protagonisten Prügel aussetzen und danach aufstehen, als ob nichts gewesen wäre. Doch damit nicht genug, «Mayhem» strotzt nur so vor Zynismus und schwarzen Humor. Obwohl sich viele Figuren ihrem Schicksal bewusst sind, haben sie stets trockene Sprüche auf den Lippen. Das mildert den Härtegrad der vielen Gewalteskapaden, die mit fortlaufender Spielzeit von Regisseur Joe Lynch genüsslich zelebriert werden. Mit Splatter, Action und boshaften Spässen hat der Filmemacher Erfahrung. Der feierte seinen Regiedebüt mit der günstig produzierten Fortsetzung zum Backwood-Slasher «Wrong Turn» und übernahm danach die Inszenierung eines Segments der zitatreichen Horror-Anthologie «Chillerama». Seither sind viele Jahre vergangen und Lynch scheint recht sicher auf seinem Regie-Posten zu sitzen. Vorbei sind die Zeiten schlechter Spezialeffekte und mässiger Low-Budget-Produktionen. «Mayhem» ist von Anfang bis zum Ende durchgestylt und macht einen professionellen Eindruck. Hinzukommt, dass der Regisseur gern mal die Speed-Taste drückt und euphorische Zerstörungslust auslebt.

Unterm Strich entpuppt sich «Mayhem» als unterhaltsamer Party-Splatter, der hemmungslos mit miesen Menschen aufräumt. Der Film besitz einen kritischen Unterton, der nicht nur mit skrupellosen Praktiken profitgeiler Unternehmensbosse aufräumt. Der Film spricht gern auch jedem Arbeitnehmer aus dem Herzen, der für seinen Job alles tut, aber dennoch ersetzbar ist, wenn es darauf ankommt. Da ist es am Ende fast schon eine Genugtuung, wenn den Bösewichten der Garaus gemacht wird und sie für ihre selbstsüchtigen Missetaten bestraft werden. «Mayhem» ist eine unsinnige Gewaltorgie, die man nicht allzu ernstnehmen sollte. Das tut der Film nämlich selbst zu keiner Minute und zeigt wie sich ein gekündigter Arbeitnehmer in einem Hochhaus, ähnliche wie im Remake zu «Dredd» oder «The Raid», von unten nach oben durchmetzelt. «Mayhem» gleicht in seiner brachialen Zerstörungs- und Wutorgie einem actiongeladenen Computerspiel. Die Figuren bestehen aus Stereotypen und viel Substanz ist nicht vorhanden. Aber intellektuell will «Mayhem» überhaupt nicht sein, sondern nur kurzweilig unterhalten. Das gelingt ihm ganz gut. In null Komma nichts befindet sich der Zuschauer im Geschehen und folgt einem gefrusteten Angestellten, der sich zynisch durch Büros metzelt.

Wer eine Leidenschaft für Filme besitzt, die kaum Handlung, dafür viel Gewalt zu bieten haben, ist mit dem Film gut bedient. In «Mayhem» geht es nicht zimperlich zu. Hier kommen elektrische Sägen und Nagelpistolen zum Einsatz, um Arbeitskollegen das Lebenslicht auszublasen. Gesplattert und geprügelt wird reichlich. Demzufolge ist der Film hierzulande erst für Volljährige geeignet. Die Grausamkeiten werden aber so überspitzt zelebriert, dass der Streifen eine ungeschnittene Fassung erhalten hat. Selbst wenn man all die verpassten thematischen Chancen beiseite lässt und «Mayhem» stur als ambitionslosen Genrespass hinnimmt, fällt das Ergebnis allenfalls mittelmässig aus. Zunächst macht es vor allem Laune, die fast schon wie Wimmelbilder funktionierenden Hintergründe zu beobachten – während die Protagonisten im Zweifelsfall unwichtiges Zeugs reden, herrscht hinter ihnen meist das blanke Chaos. Der Streifen nimmt sich selbst nicht ernst bzw. ist mit viel Ironie, Sarkasmus und bisweilen Zynismus durchzogen, doch wirklich witzig wird es nie. Dennoch wird der Klassenkampf nie langweilig und der Krieg im Büro hat mich locker unterhalten.


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