Manchmal ist die Realität so elegant konstruiert, dass man fast ehrfürchtig wird. Nehmen wir die Pandemie. Offiziell ein medizinischer Notfall, zufällig global, zeitlich ungünstig, organisatorisch chaotisch – und dennoch bemerkenswert effizient. Inoffiziell, so sagt Catherine Austin Fitts, war COVID weniger Virus als Vorwand. Eine Art dramaturgischer Rahmen, um etwas durchzusetzen, das im Finanzsektor schon lange fertig geplant in der Schublade lag: Den «Going Direct Reset». Klingt nach Yoga-Retreat, ist aber Geldpolitik.
Fitts ist keine Telegram-Kommentatorin mit Aluhut-Abo. Sie war Assistant Secretary im US-Wohnungsministerium, Investmentbankerin und gründet seit Jahren Berichte, die man höflich als «unbequem» bezeichnet. Sie behauptet nicht, dass das Virus erfunden wurde. Das wäre zu plump. Sie sagt etwas viel Subtileres – und deshalb Unangenehmeres: Die Pandemie sei die perfekte Ausrede gewesen, um ein ohnehin geplantes Finanzexperiment umzusetzen. Gesundheitspolitik als PR-Abteilung der Zentralbanken. Wer würde da schon widersprechen?
Die Geschichte beginnt, wie gute Thriller beginnen: Im Sommer 2019, Jackson Hole, Wyoming. Zentralbanker, gepflegte Hemden, seriöse Mienen. Dort, so Fitts, wurde ein Plan diskutiert, vorbereitet vom BlackRock Investment Institute und einer Runde pensionierter Zentralbanker. Titel: «Going Direct Reset». Schon der Name klingt wie ein Shortcut in einem Strategiespiel. Direkt. Ohne Umwege. Ohne Banken als lästige Zwischenhändler. Geldschöpfung auf direktem Weg.
Normalerweise läuft das so: Zentralbanken pumpen Geld in den Reservekanal, Banken verteilen es weiter, irgendwo dazwischen passiert angeblich Realwirtschaft. «Going Direct» sagt: Lassen wir das Theater. Wir gehen direkt rein. Kaufen Wertpapiere von Nicht-Banken, schütten Geld aus, wo es politisch und strategisch passt. Effizient. Radikal. Und natürlich vollkommen alternativlos.
Dann kam der Herbst 2019. Erste Interventionen der Fed. Repo-Märkte zickten herum. Und kurz darauf, wie bestellt, die Pandemie. Was folgte, war monetäre Schwerindustrie. Fünf, sechs Billionen Dollar. Direkt ins System. In jeder anderen Zeit hätte man das Inflation genannt. Aber keine Sorge: Die Inflation sei «eingepreist», sagte ein ehemaliger Unterstaatssekretär. Man werde sie nur nicht sofort spüren. Warum? Weil gleichzeitig etwas Geniales passierte.
Man schloss Main Street. Kleine Läden, lokale Betriebe, Familienunternehmen. Nicht systemrelevant, versteht sich. Gleichzeitig liess man börsennotierte Grosskonzerne offen. Amazon durfte liefern, der Buchladen nicht. McDonald’s systemrelevant, der Wirt um die Ecke ein Risiko. Das Ergebnis war kein Unfall, sondern eine mathematische Notwendigkeit: Deflation unten, Geldschwemme oben. Wall Street bekam Geld, Main Street bekam Regeln.
Wer Geld hat, geht einkaufen. Wer geschlossen ist, wird aufgekauft. Überraschung. Laut Schätzungen schlossen in den USA rund 35 Prozent der kleinen Unternehmen, in manchen Städten fast die Hälfte. Gleichzeitig entstanden – welch Wunder – hunderte neue Milliardäre. Man könnte es Umverteilung nennen. Oder Marktkonsolidierung. Oder einfach: Business as usual, nur mit Maske.
Fitts sagt, aus finanzieller Sicht sei das alles bemerkenswert stimmig gewesen. Zu stimmig. Die Pandemie habe wie ein gigantischer Puffer gewirkt, der die unmittelbaren inflationären Effekte der Geldflut abgefedert habe. Lockdowns als geldpolitisches Dämpfungselement. Wer das für Zufall hält, glaubt vermutlich auch, dass Zentralbanken überrascht von ihren eigenen Entscheidungen sind.
Und dann wäre da noch das Thema Digital ID. Laut Fitts der eigentliche Hauptgewinn. Kein Bonus-Feature, kein Komfort-Upgrade, sondern das Fundament eines neuen Systems. Identität, Überwachung und programmierbares Geld in einem Paket. Einmal installiert, lässt sich so etwas nicht mehr zurückbauen. Warum auch? Es funktioniert ja.
Digitale Identität verbindet alles: Wer du bist, was du darfst, wohin du darfst, wofür du bezahlen darfst. Zugang wird bedingt, Verhalten wird belohnt oder sanktioniert. Nicht durch Polizisten, sondern durch Code. Elegant. Sauber. Effizient. Das System muss dich nicht mehr zwingen. Es zwingt sich selbst durch deine Teilnahme.
Das Gefährliche daran ist nicht die Bequemlichkeit, sondern die Endgültigkeit. Wenn digitale Identität Voraussetzung für Alltag wird, ist Verweigerung kein Protest mehr, sondern Selbstisolierung. Du kannst nicht «aussteigen», wenn Geld, Mobilität und Kommunikation an dieselbe Infrastruktur gekoppelt sind. Das ist kein Science-Fiction-Szenario. Das ist Systemarchitektur.
Natürlich wird all das als Schutz verkauft. Sicherheit. Gesundheit. Effizienz. Niemand sagt: Kontrolle. Niemand sagt: Konditionalität. Niemand sagt: Ausschluss. Aber Systeme sagen nicht, was sie tun. Sie tun es einfach. Und erst im Rückblick nennt man es dann «notwendig».
Fitts‘ Warnung ist deshalb keine Panikmache, sondern eine strukturelle Analyse. Sie sagt nicht: Das ist passiert, weil alle böse sind. Sie sagt: Das ist passiert, weil es vorbereitet war, weil es opportun war und weil niemand ernsthaft gebremst hat. Der Reset kam nicht mit Paukenschlag, sondern mit Pressekonferenz.
Ob man ihr zustimmt oder nicht, ist fast nebensächlich. Interessanter ist die Frage, warum solche Stimmen reflexhaft als «Verschwörung» entsorgt werden müssen, statt sich mit ihren Argumenten auseinanderzusetzen. Vielleicht, weil sie nicht emotional sind, sondern technisch. Und Technik ist gefährlich, wenn sie moralische Fragen ersetzt.
Denn am Ende bleibt eine unbequeme Erkenntnis: Die Pandemie war für viele eine Gesundheitskrise. Für andere eine Wirtschaftskatastrophe. Für wieder andere ein sozialer Bruch. Und für manche offenbar die perfekte Gelegenheit, ein System umzubauen, das man schon lange umbauen wollte.
Nicht heimlich. Nicht chaotisch. Sondern effizient. Going direct eben.
Und das wirklich Beunruhigende daran ist nicht die Theorie, sondern wie gut sie zur Realität passt…


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