Fuck Big Tech — oder wie wir das Internet feierlich der Bequemlichkeit übergaben und uns dann wunderten, warum es uns nicht mehr gehört. Bewegungen entstehen angeblich aus Mut, aus Anfang, aus Menschen, die losgehen, bevor es bequem ist. In der Praxis entstehen sie meist aus einem Tweet, einem Logo und einem Sponsorenvertrag. Aber gut, bleiben wir idealistisch. Vor rund dreissig Jahren trat das Internet an wie ein digitales Myzel, versprach Vernetzung, Dezentralität, Aufklärung. Die Welt wurde ein Dorf. Die Weisheit der Vielen schlägt die Expertise der Wenigen. Demokratisierung des Wissens. Bottom-up statt Top-down. Machtverlust der Mächtigen.

Heute ist das Dorf eine Shopping Mall mit Sicherheitsdienst, personalisierter Musikbeschallung und einem Ausgang, der zufällig immer am Kassenbereich vorbeiführt.

Ja, es gibt sie noch, diese kurzen Momente der Illusion. Ein Tanz auf TikTok, der Grenzen überspringt. Ein Sound, der gleichzeitig in Seoul, São Paulo und St. Gallen läuft. Wikipedia, dieses störrische Fossil aus einer Zeit, in der Wissen noch nicht primär Klickrate war. Früher kosteten Enzyklopädien ein Monatsgehalt, heute reichen ein paar Klicks. Demokratischer ist das zweifellos. Auch wenn die Artikel auffällig vor politischen Narrativen aus der Ecke selbsternannten Philanthropen mit unerschöpflichen Geldmitteln triefen.

Das ganze Web wurde in den letzten Jahrzehnten nicht entwickelt, sondern kolonialisiert. Big Tech baute uns glänzende Geräte und noch glänzendere Apps. Intuitiv, süchtig machend, bequem. Und wir, die müden Menschen vor den Bildschirmen, sagten brav Danke. Wir wollten keine Verantwortung, wir wollten Komfort. Also gaben wir sie ab. Erst unsere Daten, dann unsere Aufmerksamkeit, dann unsere Zeit, schliesslich unsere Deutungshoheit.

Kolonialmacht Big Tech: Wer das Web besitzt, besitzt die Wirklichkeit

Das eigentlich Absurde ist: Politik, Wissenschaft, Kunst, all die angeblichen Hüter des Öffentlichen, machten begeistert mit. Statt Alternativen zu fördern, kopierten sie die Logiken der Plattformen. Reichweite statt Relevanz. Sichtbarkeit statt Substanz. Kostenloser Qualitätscontent für Konzerne, die sich gleichzeitig jeder lokalen Besteuerung entziehen. Ein Deal, bei dem alle verlieren, ausser denen, die sowieso gewinnen.

Heute entscheiden ein paar Konzerne, was sichtbar ist, was gefunden wird, was verschwindet. Die KI verschärft das Ganze noch. Antworten fallen jetzt direkt vom Himmel, geliefert von Modellen, die ihre Quellen diskret verschweigen. Warum noch klicken, warum noch lesen, warum noch vergleichen? Das freie Web stirbt nicht laut, sondern effizient. Demokratisierung ist erst dann sexy, wenn man sie selbst steuert.

Natürlich gab es Gegenbewegungen. Social Media konnte zeitweise eine Gegenöffentlichkeit sein. #MeToo, #BLM, Corona-Skepsis. Alles Beispiele dafür, dass Deutungshoheit zumindest kurzzeitig wackeln kann. Doch auch diese Räume wurden schnell wieder eingefangen, monetarisiert, algorithmisch sortiert.

Zwei Trends prägen die Nutzung heute besonders. Erstens: Privatisierung. Diskussionen verschwinden in geschlossene Chaträume. Signal-Gruppen, Telegram-Kanäle, Discord-Server. Öffentlichkeit wird anstrengend, also bleibt man unter sich. Zweitens: Diversifizierung. Die Leute springen zwischen Apps, wechseln Plattformen, suchen Nischen. Doch statt echter Dezentralität entsteht nur ein neues Patchwork aus Abhängigkeiten.

Und die KI? Sie wird kommen, sie wird bleiben, sie wird alles durchdringen. Aber auch hier deutet sich keine Befreiung an, sondern die nächste Konzentration von Macht. Daten sind das neue Öl, nur brennbarer.

Das Internet als Infrastruktur bleibt. Es ist zu tief in den Fingerrücken tätowiert, um zu verschwinden. Aber das Web als kultureller Raum wird permanent verhandelt. Von Konzernen, von Staaten, von Märkten. Eine Nutzung fern von Big Tech wirkt naiv. Und doch ist sie möglich, wenn auch unbequem.

Bewusste Nutzung bedeutet zu entscheiden, wem man seine Zeit schenkt. Sich selbst. Einer Community. Einer lokalen Nachbarschaft. Einem Zweck, der nicht in Quartalszahlen messbar ist. Kritische Masse heisst dabei nicht Millionen User, sondern genügend engagierte Menschen, die etwas beleben, statt nur zu konsumieren.

Es gibt sie, die Alternativen. Community-Plattformen für reale Nachbarschaften. Digitale Allmenden wie Open Data. Lokale Sharing-Projekte, Flohmärkte, Nachbarschaftszeitungen. Crowdsourcing für kaputte Velowege statt für Aktienkurse. Blogs, Newsletter, Selbstorganisation jenseits des Algorithmus. Unsexy, kleinteilig, langsam. Genau deshalb gefährlich für Big Tech.

Natürlich sind diese Angebote heterogen. Manche wirken wie aus dem Jahr 2009, andere wie aus einer Zukunft, die nie finanziert wurde. Und ja, auch sie stehen vor Fragen: Skalierung, Finanzierung, Abhängigkeiten. Aber sie zeigen, dass es anders geht. Nicht perfekt. Aber menschlicher.

Niemand muss komplett offline gehen oder sein Smartphone im Wald vergraben. Schon der Wechsel von WhatsApp zu Signal ist ein kleiner Akt der Rebellion. Schon ein eigener Blog statt eines LinkedIn-Posts ist ein Schritt zurück ins freie Web. Es geht nicht um Reinheit, sondern um Richtung.

Eine Web-Nutzung fern von Big Tech ist nicht naiv. Sie verlangt nur etwas, das wir verlernt haben: Bewusstsein. Engagement. Die Bereitschaft, Teil von etwas zu sein, das nicht sofort liked, misst und monetarisiert wird.

Bewegungen entstehen nicht, weil viele dabei sind. Sie entstehen, weil einige anfangen. Und andere den Mut haben, nicht nur zu scrollen, sondern mitzugehen. Dann wächst etwas, das mehr ist als eine Plattform. Dann entsteht wieder, ganz leise, eine Gemeinschaft…

Kolonialmacht Big Tech: Wer das Web besitzt, besitzt die Wirklichkeit


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«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.

Mein Blog war niemals darauf ausgelegt Nachrichten zu verbreiten, geschweige denn politisch zu werden, doch mit dem aktuellen Zeitgeschehen kann ich einfach nicht anders, als Informationen, welche sonst auf allen anderen Kanälen zensiert werden, hier festzuhalten. Mir ist dabei bewusst, dass die Seite mit dem Design auf viele diesbezüglich nicht «seriös» wirkt, ich werde dies aber nicht ändern, um den «Mainstream» zu gefallen. Wer offen ist, für nicht staatskonforme Informationen, sieht den Inhalt und nicht die Verpackung. Ich habe die letzten 2 Jahre genügend versucht, Menschen mit Informationen zu versorgen, dabei jedoch schnell bemerkt, dass es niemals darauf ankommt, wie diese «verpackt» sind, sondern was das Gegenüber für eine Einstellung dazu pflegt. Ich will niemandem Honig ums Maul schmieren, um auf irgendwelche Weise Erwartungen zu erfüllen, daher werde ich dieses Design beibehalten, denn irgendwann werde ich diese politischen Statements hoffentlich auch wieder sein lassen können, denn es ist nicht mein Ziel, ewig so weiterzumachen ;) Ich überlasse es jedem selbst, wie er damit umgeht. Gerne dürfen die Inhalte aber auch einfach kopiert und weiterverbreitet werden, mein Blog stand schon immer unter der WTFPL-Lizenz.

Es fällt mir schwer zu beschreiben, was ich hier eigentlich tue, DravensTales wurde im Laufe der Jahre Kulturblog, Musikblog, Schockblog, Techblog, Horrorblog, Funblog, ein Blog über Netzfundstücke, über Internet-Skurrilitäten, Trashblog, Kunstblog, Durchlauferhitzer, Zeitgeist-Blog, Schrottblog und Wundertütenblog genannt. Was alles etwas stimmt… – und doch nicht. Der Schwerpunkt des Blogs ist zeitgenössische Kunst, im weitesten Sinne des Wortes.

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