In seinem Spielfilmdebüt «Hounds of Love» verlegt Regisseur Ben Young den australischen Horror aus dem Outback in die oberflächlich betrachtet ruhige Vorstadt. Young setzt bei seinem Werk auf ein realistisches Grauen, das ohne grosse Exzesse nur umso intensiver unter die Haut geht und noch lange nachwirkt. Die Geschichte über ein sadistisches Serienmörder-Paar, das im Perth der Achtziger Jahre junge Frauen entführt und in ihrem Haus quält und tötet, basiert laut dem Newcomer auf keinem spezifischen Vorfall, doch erinnert das erschütternde Geschehen deutlich an die sogenannten Moorhouse-Morde, die im etwa gleichen Zeitraum von David und Catherine Birnie begangen wurden.

Bei «Hounds of Love» wird man sich mit einem Gefühlsspektrum zwischen ernsthafter Beklemmung und tiefer Wut – ähnlich wie die Protagonistin Vicki – vor der Leinwand gefesselt finden, ohne den Blick von dem erschütternden Szenario abwenden zu können. Ben Young inszeniert seinen Genre-Paukenschlag mit einer ähnlich ätzenden Spannung wie seinerzeit Tobe Hooper seinen Klassiker «Texas Chainsaw Massacre». Der Ekel ist physisch spürbar, der Terror trifft in den Magen. Dabei entscheidet sich der Autor und Regisseur dafür, seinem Publikum die direkte Darstellung der Gewalt vorzuenthalten. Entweder zeigen die Aufnahmen einen anderen Ausschnitt der Szene oder die Kamera fährt während der Tat aus dem Raum und nur die Geräusche und verzweifelten Schreie sind zu vernehmen. Vor allem letztere sind an einer besonders eindringlichen Stelle kaum erträglich und man windet sich im Sessel, während Young einem buchstäblich die Tür vor der Nase zuschlägt. Das ist auch richtig so, denn mehr als die abgrundtief widerwärtigen Bilder sexuell motivierter Grausamkeit vor dem geistigen Auge sollte wirklich niemand in einem Film sehen.

Wer mal aus dem behüteten Leben einen Blick in menschliche Abgründe werfen will, um danach wieder befreit in die heile Welt zurückzukehren, sollte sich «Hounds of Love» ansehen. Das starke Ende unterstreicht nicht zuletzt nachdrücklich, worum es hier im Kern geht: Unter all den Dämonen, Schlitzern und Kettensägen-Schwingern im Genre-Kino verleiht «Hounds of Love» dem leider hochaktuellen Thema «Gewalt gegenüber Frauen» eine überaus widerwärtige Fratze zum Hassen und Fürchten. Im Gegensatz zu stumpfen Vertretern der Rape-and-Revenge-Gattung geht Youngs Film mit der nötigen Zurückhaltung und Ernsthaftigkeit vor. In den Rollen des Killer-Paares verkörpern Emma Booth und Stephen Curry nicht etwa comichaft überzeichnete Antagonisten, sondern gefährliche Psychopathen mit wahrhaft scheusslichen Neigungen, die zu keinem Moment relativiert werden. Durch die Augen ihres von Ashleigh Cummings ergreifend gespielten Opfers durchlebt man ein unfassbares Martyrium, in dem das schwache Licht der Hoffnung mit jeder Minute zu schwinden scheint.

«Hounds of Love» ist schockierend, ungemütlich und dennoch ergreifend und zeigt den erschütternden Weg in die Freiheit, doppelbödig und tiefgründig. Den suchen im Film zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Während die eine das Opfer ist und versucht aus den Fängen eines Psychopathenpaars zu entkommen, entpuppt sich die andere als personifiziertes Böse und sucht ebenfalls einen Weg, um sich Fesseln entledigen zu können. «Hounds of Love» braucht keine Hochglanzbilder und makellose Jungschauspieler. Der Streifen schockiert mit ungeschönter Bilderflut und depressiver Grundstimmung. Das lässt das Psychodrama authentisch wirken und erinnert daran, zu was Menschen fähig sein können, wenn sie geliebt werden wollen. Hinter «Hounds of Love» steckt das Psychogramm einer emotional abhängigen Frau, das definitiv nicht kalt lässt. Kein einfach verdaulicher Stoff, sondern harter Tobak mit Tiefgang, Hintergrund und Anspruch. Letzterer hat sich seit einiger Zeit im Genrefilm sehr rar gemacht. Gut, dass er wieder da ist. Der tut nämlich dringend Not. Für «Hounds of Love» braucht man ein extrem starkes Nervenkorsett, denn das Grauen aus der Nachbarschaft beschäftigt einen wesentlich nachhaltiger als Freddy, Jason und Co.


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