Zwei Muskelberge, die sonst friedlich dieselbe Hantelbank belagern. Zwei Trikots, die sich seit anno 1814 nicht riechen können. Ein Viertelfinale, das die Arcade-Maschine mit fettem VERSUS aufblinken lässt: Erling Haaland gegen Jude Bellingham, Drachenboot gegen Empire. Und während England schon die Krönungsmesse ein probt, lädt Norwegen in aller Seelenruhe den nächsten Schlag. Willkommen zum Duell, das die Fussballromantiker feucht träumen lässt und das trotzdem nur einen Ausgang kennt.
Bellingham ist das Gesicht, das die englische Boulevardpresse seit Jahren zum Messias salbt: Real-Madrid-Glanz, Werbevertrag-Kinnlade, dieser einstudierte Torjubel mit den ausgebreiteten Armen, als hätte er gerade eigenhändig den Ärmelkanal trockengelegt. England schleppt seit 1966 dieselbe vergilbte Trophäe durch jede Turnierwoche und singt «Football’s coming home», als wäre die blosse Wiederholung ein Rechtsanspruch. Nostalgie ist keine Taktik. Und ein Mittelfeldspieler, der Instagram-Posen perfektioniert hat, stoppt keinen Stürmer, der Torhüter zum Frühstück verspeist.
Der eigentliche Witz: Haaland wurde in Leeds geboren, trägt den britischen Pass in der Tasche und hätte damals bequem für die Three Lions auflaufen können. Er entschied sich für Norwegen – für das Land mit fünfeinhalb Millionen Einwohnern, das England danach lieber gar nicht mehr sehen wollte. In der WM-Qualifikation schnürte er 16 Tore in acht Spielen, knackte die 50 Länderspieltore in unter 50 Einsätzen, und im Achtelfinale zerlegte er Brasilien im Alleingang. Fünf WM-Titel-Ambitionen der Selecao: Eingestampft von einem, der sich für sein Sechserpack-Massaker beim gegnerischen Keeper entschuldigt. Höflichkeit als psychologische Kriegsführung.
Das Wikinger-Bild ist offizielle Regieanweisung: Norwegens Team posiert grimmig im Wikinger-Kostüm, König Harald verliest die Kadernominierung wie eine Kriegserklärung und nach jedem Sieg rudern Haaland und seine Mannen mit den Fans ein imaginäres Langboot durchs Stadion. Das ist der Unterschied: England verwaltet einen sechzig Jahre alten Mythos, Norwegen baut sich gerade seinen eigenen – mit Axt, Ruder und einem Stürmer, der aus jeder erdenklichen Lage trifft. Die Statistiker geben den Skandinaviern brav 3,25 Prozent Titelchance. Süss. Genau so klingt es, kurz bevor die Aussenseiter das halbe Turnier überrennen.
Am Ende plündern die Nordmänner England genauso aus, wie ihre Vorfahren es vor tausend Jahren mit denselben Küsten taten – nur dass dieses Mal statt Klöstern eine englische Torfabrik in Flammen aufgeht. Bellingham darf danach seinen Arme-ausbreiten-Jubel für die Kameras aufsparen, während die Wikinger schon das nächste Boot beladen. Und wenn der Schlusspfiff ertönt, wird England erneut lernen, was es seit 1966 verdrängt: Der Fussball kommt nicht heim — er segelt nach Norden!



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