Innerhalb weniger Tage passiert Folgendes: Berlin erlebt den längsten Blackout seit 1945, ausgelöst durch Brandstiftung an Hochspannungskabeln, zehntausende Haushalte frieren, die Debatte kippt zuverlässig in Schuldzuweisungen und Lagerkampf. Fast zeitgleich wird in Venezuela Präsident Nicolás Maduro von US-Kräften festgenommen und in die USA gebracht, inklusive öffentlicher Inszenierung als «Drogenboss»-Narrativ. Und als Bonus friert die Schweiz per Bundesratsentscheid Vermögenswerte ein, um einen «Abfluss» zu verhindern.
Wenn dir das wie ein Drehbuch vorkommt: Willkommen im Jahr 2026, wo Politik nicht mehr erklärt, sondern gerahmt wird. Und wo «Sicherheit» und «Drogenbekämpfung» die universellen Etiketten sind, die man auf jede Geopolitik klebt, damit sie im Wohnzimmer nicht stinkt.
Das Märchen vom «Drogeneinsatz»
Natürlich kann man einen Präsidenten verhaften, in New York vorführen und behaupten, das sei alles Teil eines heldenhaften Anti-Drogen-Kreuzzugs. Reuters beschreibt genau diese Linie: Maduro plädiert auf «nicht schuldig» und nennt es Entführung, die USA verkaufen es als Schlag gegen Kartelle. Nur: Wenn «Drogen» wirklich das Zentrum der Prioritäten wären, sähe die Landkarte der Interventionen traditionell anders aus. Aber Drogen sind als Begründung perfekt, weil sie zwei Vorteile haben:
Niemand muss sich mit Völkerrecht beschäftigen.
Wer widerspricht, wirkt wie jemand, der «Drogen schützt». Praktisch.
Der Rohstoff-Reflex: Öl ist nie nur Öl
Dass Venezuela im Fokus steht, ist auch deshalb kein Schock, weil das Land gigantische Ölreserven hat und geopolitisch zwischen China, Russland und USA zerrieben wird. Neu ist eher, wie offen das Ganze inzwischen gespielt wird: Festnahme, Schlagzeilen, dann das Versprechen, US-Ölfirmen würden helfen «wiederaufzubauen». «Wiederaufbauen» ist in dieser Sprache ein flexibler Begriff. Er kann Schulen meinen. Oder Förderrechte.
Chaos als Infrastrukturpolitik
Der Berlin-Blackout zeigt, was passiert, wenn ein modernes Gemeinwesen an einem relativ konkreten Angriff auf Infrastruktur hängt: Kälte, Ausfälle, Funklöcher, improvisierte Notunterkünfte, Frust, Spaltung. Und sobald genug Menschen genug genervt sind, taucht die nächste «Lösung» am Horizont auf: Mehr Überwachung, mehr Kontrolle, mehr Zentralisierung, mehr «digitale Resilienz». Alles mit dem freundlich grinsenden Hinweis, das sei «für eure Sicherheit».
Der Trick ist nicht, dass «die da oben» nachts bei Kerzenlicht die Welt steuern. Der Trick ist banal: Krise erzeugt Bedarf. Bedarf erzeugt Akzeptanz. Akzeptanz erzeugt Macht.
Geheimdienste, Tech, Finanz: Das Dreieck, das keiner wählen kann
Zu behaupten, «die Geheimdienste steuern alles», ist als absolute Aussage bequem, aber zu grob. Was man nüchterner sagen kann: In einer Welt, in der Information die Währung ist, wachsen Sicherheitsapparate, Plattformen und Kapitalverwaltung zu einem Machtblock zusammen, der schneller handelt als Parlamente und leiser wirkt als Panzer. Und wenn dann an beliebiger Stelle ein Präsident abgeholt wird und anderswo eine Metropole friert, sind das nicht zwingend «inszenierte» Ereignisse. Aber sie sind Ereignisse, die perfekt in ein System passen, das mit Druck besser regiert als mit Vertrauen.
Willkommen 2026: Wo die Schlagzeile das Nebengeräusch ist und die eigentliche Politik im Schatten der «Notwendigkeit» passiert. Was als Sicherheits- oder Drogenoperation verkauft wird, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Kampf um Öl, Rohstoffe und Kontrolle.

«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








