Die WHO hat Ende April 2026 ihre zweitägige Pandemie-Simulation «Exercise Polaris II» abgeschlossen – und wer das Muster noch nicht kennt, hat die letzten sechs Jahre vermutlich unter einem besonders komfortablen Felsen verbracht.
26 Länder und Territorien, 600 Notfallexperten und mehr als 25 internationale Partner versammelten sich am 22. und 23. April, um einen Ausbruch eines fiktiven neuen Bakteriums durchzuspielen, das sich weltweit ausbreitet. Fiktiv – vorerst. Die Teilnehmerliste liest sich wie ein Who-is-Who globaler Gesundheitsbürokratie: Africa CDC, Rotes Kreuz, Ärzte ohne Grenzen, Robert Koch-Institut, UNICEF und ein Dutzend weiterer Reaktionsnetzwerke. Eine beeindruckende Gästeliste für ein Theaterstück, das man so oder so ähnlich schon einmal gesehen hat.
Das Muster kennen wir
Im Oktober 2019 fand in New York «Event 201» statt – eine Pandemie-Simulation von Johns Hopkins, an der die WHO teilnahm. Geübt wurde die koordinierte Reaktion auf einen Ausbruch eines neuartigen Coronavirus. Drei Monate später meldete China die ersten Fälle von COVID-19. Reine Vorsicht. Reiner Zufall. Kein Grund zur Beunruhigung – das versicherten dieselben Institutionen, die gerade die Übung veranstaltet hatten.
Polaris I wurde im April 2025 durchgeführt, damals noch mit einem fiktiven Virus. Polaris II ist grösser, breiter aufgestellt und diesmal bakterieller Natur. Teil des sogenannten HorizonX-Programms, dem laut WHO selbst «mehrjährigen Simulationsübungsprogramm zur Orchestrierung von Notfällen bei zoonotischen Ausbrüchen». Man beachte das Wort «Orchestrierung». Es ist selten, dass eine Institution ihre eigene Methode so präzise beschreibt.
Grösser, breiter, profitabler
Polaris II verzeichnete die Teilnahme einer grösseren Zahl von Ländern sowie die Zusammenarbeit über neue Netzwerke, darunter das kürzlich gestartete Health Emergency Leaders Network for Africa and the Eastern Mediterranean. Die WHO baut also aus. Kein Abbau nach dem COVID-Debakel, keine institutionelle Selbstkritik, kein kollektives Innehalten – sondern Expansion. Mehr Länder, mehr Netzwerke, mehr Koordinationsbedarf, mehr Budget, mehr Schreibtische, mehr Wichtigkeit.
Das ist die Logik jeder Bürokratie, die sich selbst für unersetzlich hält: Ein Versagen rechtfertigt nicht den Rückbau, sondern den Ausbau. Man habe ja gelernt. Man sei jetzt besser vorbereitet. Das nächste Mal wird alles reibungsloser ablaufen. Und «reibungsloser» bedeutet in der Sprache internationaler Gesundheitsbehörden: Schnellere Notstandserklärungen, flüssigere Lieferketten für Impfstoffe und weniger störende Rückfragen aus Parlamenten, die man sowieso für überbewertet hält.
Absolutes Versagen mit Wachstumsambitionen
Der Select Subcommittee on the Coronavirus Pandemic des US-Kongresses kam zu einem vernichtenden Urteil: Absolutes Versagen. Der Ausschuss warf der WHO vor, die Interessen der Kommunistischen Partei Chinas über globale Transparenz gestellt, internationale Verpflichtungen dem Pekinger Einfluss untergeordnet und gleichzeitig neue Vertragsbefugnisse vorangetrieben zu haben, die nationale Souveränität weiter untergraben könnten.
Was macht eine solche Organisation, wenn ein Kongressgremium ihr katastrophales Missmanagement schwarz auf weiss protokolliert? Sie übt. Und übt wieder. Und expandiert dabei die multinationale Infrastruktur für das nächste Szenario, das dann natürlich «unerwartet» und «beispiellos» eintreffen wird – genau wie das letzte.
Wer kassiert, wenn die Notlage kommt?
Man muss kein Experte für Finanzströme sein, um das Muster zu erkennen. Eine Pandemie-Notlage aktiviert automatisch Mechanismen, die Milliarden in bestimmte Kanäle leiten. Impfstoffbestellungen werden ohne normales Ausschreibungsverfahren vergeben. Notzulassungen ersetzen reguläre Prüfprozesse. Länder verpflichten sich in Panik zu Kontrakten, deren Bedingungen sie erst Monate später vollständig lesen. Das ist kein Verschwörungstheorem – das ist der dokumentierte, gerichtlich bestätigte und parlamentarisch untersuchte Ablauf der Jahre 2020 bis 2022.
Zufällig läuft derzeit bei Moderna ein klinischer Versuch an 4000 Erwachsenen mit einem modRNA-basierten Vogelgrippe-«Pandemie-Impfstoff». Zufällig kämpft die WHO parallel dazu um ein Impfstoffabkommen, das Datentransfer und Produktionskontrolle neu regelt. Und zufällig steht im Hintergrund wieder jene philanthropische Finanzierungsarchitektur, die bei COVID so ausserordentlich gut für ihre Investoren rentiert hat.
Wer Polaris II für harmlose Notfallvorsorge hält, sei daran erinnert, dass Event 201 damals ebenfalls als harmlose Übung galt. Und danach kamen Lockdowns, Impfpässe, Kontaktverbote, Milliardentransfers an Pharmaunternehmen und ein gesellschaftlicher Riss, der bis heute nicht verheilt ist.
Polaris II ist nicht Vorsicht. Polaris II ist Vorbereitung – und die Frage ist einzig, für wessen Gewinnmarge.
Die Simulation ist abgeschlossen. Die Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren kehren nach Genf zurück. Die Pharmaindustrie schärft bereits die Bleistifte für die nächste Bestellliste. Die Übung ist beendet. Der Rest kommt noch!









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