Das Gute trägt keine Fackel vor sich her. Es benötigt keine Zeugen, keine Bühne, keinen Applaus. Es wirkt im Verborgenen, still, unsichtbar. Und genau daran erkennst Du es: Was schreien muss, um gesehen zu werden, ist niemals das Gute gewesen.
Die Kabbalisten sprachen vom Or ha-Ganuz, dem verborgenen Licht der ersten Schöpfung. Es war zu rein für diese Welt, also wurde es weggeschlossen, aufbewahrt für jene, die es zu erkennen vermögen. Nicht ausgelöscht. Verborgen. Das ist kein Rückzug aus Schwäche, sondern das Wesen der Sache selbst. Das Gute drängt sich nicht auf, weil es sich seiner sicher ist. Es weiss um sich. Und Wissen benötigt keine Bestätigung von aussen.
Das Böse hingegen bauscht sich auf. Es leuchtet grell, es fordert Blicke, es will bestätigt werden, immer und immer wieder. Nicht ohne Grund heisst der Gefallene Luzifer, der Lichtträger: Ein Glanz, der gesehen werden muss, weil er sonst nichts ist. Was aufblendet, um zu blenden, verrät sich in genau dieser Geste. Das Böse lärmt, weil es hier, auf dieser Erde, in Wahrheit keinen Ort hat. Es ist ein Gast, der so tut, als gehöre ihm das Haus.
Wo denn das Gute sei, fragen sich alle in dieser aus den Fugen geratenen Welt. Es operiert im Stillen. So war es immer. Täte es das nicht, wäre es nicht das Gute. Wer es nicht zu sehen vermag, dem fehlt nicht das Gute, ihm fehlt der Blick dafür. Er hat sich so lange vom Grellen faszinieren lassen, dass das Feine, das Leise, das im Verborgenen Wirkende unter seiner Wahrnehmungsschwelle verschwindet. Der Schleier liegt nicht über der Welt. Er liegt über den Augen.
Und hier kommt der älteste Trick von allen, der Kunstgriff, mit dem der Widersacher seit jeher arbeitet: Die Behauptung, es sei bereits verloren, die Menschheit dem Untergang geweiht, jeder Widerstand vergeblich. Diese Einflüsterung ist die eigentliche Waffe. Sie tötet nicht den Leib, sie tötet die Zuversicht. Und mit der Zuversicht stirbt die Mitwirkung. Wer glaubt, alles sei verloren, legt die Hände in den Schoss und wird so selbst zum Vollstrecker der Prophezeiung.
Also glaube es nicht. Sei Dir absolut gewiss, dass das Gute siegt. Und Du wirst an jeder Ecke die Bestätigung dieser Gewissheit finden. Mehr noch: Du wirst, ohne es zu bemerken, an seiner Erfüllung mitwirken. Denn Gewissheit ist keine Meinung, sie ist eine Kraft. Sie zieht an, was ihr entspricht.
Das Gute war, ist und wird immer sein. Aber es will erst erkannt werden, in einer bestimmten Reihenfolge: Zuerst in Dir selbst, dann in allen anderen. Wer es in sich trägt und weiss, sieht es plötzlich überall. Wer es in sich verleugnet, wird es nirgends finden – und läge es direkt vor ihm.
Über dem Tor zu Delphi stand ein einziger Satz, älter als jede Kirche: Erkenne Dich selbst. Darin liegt alles. Erkenne Dich selbst. Sei voller Zuversicht. Und werdet unregierbar!









«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.







