Wie soeben aus gut unterrichteten Kreisen mitgeteilt wurde, haben die Viren nach langen, nächtlichen Verhandlungen mit dem Gesundheitsexperten Lauterbach in der Talkshow von Lanz einer bedingungslosen Kapitulation zugestimmt. «Diese ständige Ankündigung eines exponentiellen Wachstums und einer noch gefährlicheren Mutante, das sind einfach Anforderungen, denen wir auf Dauer gar nicht gerecht werden können», sagte der Viren-Verhandlungsführer 5040.
«Unsere engsten Verwandten, die anderen Grippestämme, haben sich bereits totgelacht, wenn nur unser Name ausgesprochen wurde. Anfangs waren wir noch sehr motiviert. Diese Idee mit der Übersichtsgrafik des RKI, auf der alle Informationen zu uns dargestellt wurden, das war eine grossartige Sache. Man konnte direkt auf einen Blick sehen, wie erfolgreich wir waren. Aber wir haben schnell gemerkt, dass uns zunehmend Erfolge zugerechnet wurden, mit denen wir gar nichts zu tun hatten. Menschen, die wegen eines Knochenbruchs eingeliefert wurden, punkteten in der Intensivbettenquote. Menschen, die beim Sturz von einer Leiter starben, bei der Sterbequote. Das senkt auf Dauer die Moral der Truppe», erklärte 5040 gegenüber Pressevertretern.
Auf die Frage eines Journalisten, was denn schlussendlich ausschlaggebend für die Kapitulation gewesen sei, erwiderte 5040: «Es war die Asymptomatische Erkrankung. Das hat dazu geführt, dass sich manche Viren gar keine Mühe mehr gegeben haben. Sie lungerten nur noch im Hals-Nasen-Trakt herum und hofften, auf ein Abstrichstäbchen zu gelangen. Wenn das schon reicht, um die Königsklasse für sich verbuchen zu können, nämlich Menschen ohne eine Vorerkrankungen mit einem funktionierenden Immunsystem angeblich infiziert zu haben, dann ist natürlich jegliche Motivation weg. Warum sollen sich einzelne Viren auf eine gefährliche Reise begeben, gegen Antikörper und T-Zellen antreten, wenn ein Sprung aufs Teststäbchen genauso zählt?»
Der Gesundheitsexperte Lauterbach wandte ein, dass diese Bedingungslose Kapitulation, die er im Übrigen sehr begrüsse, nicht zu der Annahme verleiten sollte, dass die erfolgreiche Serie der Pandemien damit ein abruptes Ende finden würde. «Wir haben da noch einige Ideen für eine Fortsetzung, die wir derzeit prüfen. Die Bevölkerung müssen wir klar warnen. Nur weil die Viren weg sind, bedeutet dies nicht, dass die Viren weg sind. Wir dürfen jetzt das Erreichte nicht leichtfertig aufs Spiel setzen, indem wir nachlässig werden.» 5040 erklärte abschliessend in seinem Pressestatement: «Wir Viren wollen uns jetzt alle verändern. Einige denken an eine Umschulung zum Computer-Virus. Andere wollen auswandern und eine andere Spezies erkunden. In einem Punkt sind sich aber alle einig: Es muss eine Umgebung ohne Lanz und Lauterbach sein!»
Wir freuen uns über die tollen Nachrichten für den Homo Sapiens und wünschen den kleinen RNA-Strängen eine glückliche Zukunft in einer anderen Umgebung.
Diese Geschichte, in satira veritas, wurde ausgedacht und aufgezeichnet von der Ausserirdischen Intelligenz am 20.05.2021.







«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








