Die Schweiz wird mir peinlich. Das Land, in dem ich aufwuchs, das Exportweltmeister war, das beste Technologie produzierte und in manchen Zukunftsbranchen sogar den Weltmarkt führte, ist nicht mehr dasselbe. Seine Entwicklung ist in den 90ern steckengeblieben, seine Produktion ausgelagert, sein Potenzial an China verkauft, seine Infrastruktur veraltet, sein Schienennetz verrottet und seine Autobahnen kilometerlange Baustellen, auf denen nichts vorangeht. Warum? Weil es schon damals keine Strategie gab, sondern nur Selbstgefälligkeit. Weil man keinen Plan hatte für ein Morgen, in dem sich die Welt verändert, sondern sich ausruhte auf dem Heute, in dem es halt noch lief. Und sparte. Und verwaltete. Und nichts tat.
Die Schweiz wird mir peinlich. Seine Bevölkerung, der man einst Fleiss, Erfindungsreichtum und Disziplin nachsagte, ist wehleidig und bequem geworden, missgünstig und reizbar und hat ihren Zusammenhalt längst dem Eigennutz geopfert. Seine Dynamik ist der Stagnation gewichen, seine Innovationskraft einer trägen, einfallslosen Bestandsverwaltung. Und einfallslos ist auch der ästhetische Rahmen, den sich dieses Land gibt. In der neoproletarischen Verachtung formaler Standards schwindet jede Lebensqualität, jeder Stil und alles Schöne, die trotzige und doch nur scheinbar individualistische Selbstbehauptung gegen jede vermeintliche Regel schafft die totale Einheitlichkeit einer schleissigen Sneakers-Jeans-Hoodie-Gesellschaft, in der Diversität und Vielfalt zwar gepredigt, Unterschiede jedoch verleugnet und letztlich sogar bekämpft werden.
Zu diesem Land passt auch seine Regierung, eine kleinkarierte Beamtentruppe, die phantasielos vorgefertigte Protokolle abarbeitet, keine Vision hat, kein grosses Bild sieht und immer nur reagiert statt zu agieren, die kein Abweichen vom Trampelpfad kennt, jedes eigene Risiko scheut und niemals einen kühnen Regelbruch wagt, wo es die Situation geböte – engstirnige Verwalter, wo es aufgeschlossene Macher bräuchte. Sie pflegen ihre bürokratische Mentalität statt auf Vereinfachung und Beschleunigung zu setzen, erfinden neue Gesetze, treiben die Überregulierung zu immer neuen Höhen und gängeln den letzten Rest Unternehmergeist aus uns heraus, wo Freiheit und Vertrauen unsere einzige Chance wären.
Die Schweiz wird mir peinlich und es beginnt mehr und mehr, mich zu empören und meine Duldsamkeit als Staatsbürger, Unternehmer und Vater zu strapazieren – in meinem Alltag wie auch im Beamtenapparat, der uns zu Tode verwaltet, unser Geld sinnlos verbrennt und nichts bewegt. Und das sage ich aus Liebe, aus einem unerregten Patriotismus und dem glühenden, unbedingten Wunsch nach einer guten und lebenswerten Zukunft für dieses Land, alle, die friedvoll darin leben, und unsere ganze wunderbare Welt.







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