Noch schwerer zu fassen ist offenbar die Idee der Wechselwirkung von Ursachen: Die Möglichkeit, dass die Wirkung einer Ursache von einer anderen abhängt. Vielleicht profitiert jeder vom Üben, aber talentierte Menschen profitieren mehr. Was wir brauchen, ist ein Vokabular, mit dem wir über mehrere Ursachen sprechen und nachdenken können.
Ereignisse haben mehr als eine Ursache, die alle statistisch bedingt sind. Die Idee scheint einfach, aber sie wird im öffentlichen Diskurs oft missachtet. Allzu oft wird so getan, als hätte jedes Ergebnis eine einzige, unumstössliche Ursache: Wenn sich A nachweislich auf B auswirkt, beweise das, dass C keinen Einfluss haben kann. Erfolgreiche Menschen verbringen zehntausend Stunden damit, ihr Handwerk einzuüben, dies zeige, dass Leistung eine Frage der Übung sei, nicht des Talents. Männer weinen heute doppelt so oft wie ihre Väter, dies zeige, dass der Unterschied im Weinen zwischen Männern und Frauen sozial statt biologisch bedingt sei. Die Möglichkeit mehrerer Ursachen – Anlage und Umwelt, Talent und Übung – scheint unvorstellbar.
– Steven Pinker, 1954, US-amerikanisch-kanadischer Experimentalpsychologe, Kognitionswissenschaftler, Linguist und populärwissenschaftlicher Autor

(via Hugin & Munin)

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