Es gibt diese wundervollen Worte in der politischen Folklore. Worte wie freiwillig. Oder transparent. Oder Sie müssen sich keine Sorgen machen. Sie klingen beruhigend. Warm. Fast wie eine Umarmung aus Papier. Und dann macht man den Fehler, sie ernst zu nehmen.
Die E-ID wurde am 28. September 2025 angenommen. Im Abstimmungsbüchlein, in Erklärvideos, auf offiziellen Webseiten wurde uns feierlich versprochen: freiwillig, gratis, analog bleibt, niemand wird benachteiligt. Alles ganz entspannt. Keine Sorge, Bürger. Vertrauen Sie uns.
Also dachte ich mir: Gut. Dann lassen wir uns das doch bestätigen. Schriftlich. Sauber. Schweizerisch. Spoiler: Schlechter Plan.
Ich fragte höflich beim EJPD (Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement) nach. Und bei den zuständigen Kommissionen SGK-N und SGK-S (Sicherheit und Gesundheit der Eidgenössischen Räte – sprich Nationalrat als auch der Ständerat). Keine wilden Forderungen, kein Aluhut, kein Drama. Nur eine simple Frage:
Ist die E-ID freiwillig – auch morgen noch?
Die Antwort war bemerkenswert ehrlich, wenn auch unfreiwillig entlarvend:
Das könne man nicht bestätigen, solange es nicht im Gesetz stehe.
Aha.
Freiwillig also.
Aber nur verbal.
Provisorisch.
Gefühlt.
Ungefähr.
Das ist ungefähr so, als würde ein Autohändler sagen: «Die Bremsen funktionieren. Aber garantieren kann ich das erst, wenn Sie gegen die Wand gefahren sind.»
Also schrieb ich an Bundesrat Beat Jans. Eingeschrieben. Notariell bestätigt. Nicht, weil ich Drama liebe, sondern weil Erfahrung lehrt: Versprechen verdampfen schneller als ne Kugel Ice-Creme im Hochsommer.
Meine Forderung war radikal in ihrer Biederkeit. Vier Punkte. Kein Hexenwerk:
- Die E-ID ist und bleibt freiwillig
- Keine Mehrkosten oder Nachteile ohne E-ID
- Uneingeschränkter Internetzugang auch ohne E-ID
- Keine Sanktionen gegen Menschen ohne E-ID
Kurz: Leben ohne digitales Halsband muss möglich bleiben.
Die Begründung? Eigentlich banal. Aber offenbar erklärungsbedürftig:
Wenn diese Punkte nicht gesetzlich verankert werden, entsteht eine neue Klasse von Menschen: Jene ohne E-ID. Mit schlechterem Zugang, höheren Kosten, mehr Reibung. Man nennt das nicht Digitalisierung. Man nennt das soziale Selektion.
Zweitens: Vertrauen. Dieses seltene Tier. Es ist ohnehin angeschlagen. Wenn Versprechen aus dem Abstimmungskampf im Gesetz plötzlich verschwinden, stirbt es endgültig. Und nein, das liegt nicht an «Desinformation», sondern an Gedächtnis.
Drittens: Juristisch wird es unerquicklich. Wer Dinge verspricht, um Zustimmung zu erhalten und sie danach relativiert, bewegt sich gefährlich nahe am unlauteren Wettbewerb. Auch wenn man dabei eine Krawatte trägt und «Bundesrat» auf dem Türschild steht.
Viertens: Die Sache mit dem Geld. Wenn die E-ID künftig mit Wallets, Zahlungsfunktionen oder Bankzugängen verschmilzt und Bargeld schrittweise verschwindet, ist «freiwillig» plötzlich ein philosophischer Begriff. Wer ohne E-ID nicht mehr an sein Geld kommt, wird nicht motiviert. Er wird genötigt. Das ist kein Fortschritt. Das ist ein alter Trick in neuem Design.
Wir kennen das Muster. Bei der «freiwilligen» Covid-Impfung hiess es auch: Niemand wird gezwungen. Gleichzeitig hiess es: Ohne Impfung kein Zugang, kein Job, kein Leben. Das nennt man indirekten Zwang. Und der bleibt Zwang, auch wenn er lächelt.
Ich habe ein Recht, ohne E-ID zu leben. Nicht als Sonderfall. Nicht als Widerständler. Sondern als Bürger. Und dieses Recht gehört ins Gesetz, nicht in PowerPoint-Folien.
Darum dieser Appell:
Schreibt an den Bundesrat. Höflich. Klar. Hartnäckig. Nicht, weil ihr Technik hasst. Sondern weil Freiheit nicht digitalisiert werden darf, ohne sie vorher zu garantieren.
Freiwilligkeit ist kein Marketingwort.
Sie ist eine Verpflichtung.
Und die gehört schwarz auf weiss ins Gesetz – nicht ins Kleingedruckte der Zukunft.


«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








