Ob ein Mensch spirituell ist, erkennst du nicht daran, wie gut er esoterische Floskeln einstudiert hat und auswendig rezitieren kann, wie lange er im Lotus-Sitz aushält, wie viele Räucherstäbchen er täglich verbraucht, wie oft er meditiert und/oder Yoga, QiGong oder TaiChi macht, ob er sich vegan, frutarisch, von Rohkost oder nach Ayurveda ernährt, wie viele Buddhafiguren seine Wohnung zieren, welche und wie viele Bücher er gelesen hat, wie oft er nach Indien gereist ist oder wie viele Schweigewochen in einem Kloster oder Dunkelretreats er absolviert hat.
Die spirituelle Entwicklung eines Menschen erkennst du daran, dass er nicht mehr Opfer seiner eigenen Launen und Stimmungen, seines Eigendünkels und seiner Befindlichkeiten ist, wie selten er vom Gestern erzählt und wie unbedeutend für ihn das Morgen ist, wie sehr ihn seine Ideen beflügeln und wie wenig er sich mit Problemen beschäftigt, sondern viel lieber Lösungen findet, wie leicht ihm loslassen und vergeben fallen, wie weit seine Liebe für seine Nächsten geht, wie selten er sich selbst leid tut und wie grosszügig er teilt.
Du erkennst die spirituelle Entwicklung zudem auch daran, dass der spirituelle Mensch nicht mehr als Sklave arbeiten (gehen) muss, sondern dass ihn sein eigenes Tun erfüllt und er dafür brennt, dass er sich selbst nicht mehr ständig wichtig nehmen muss und deshalb häufig auch über sich selbst lachen kann. Der Mensch ist tief spirituell, wenn er total natürlich ist, keine Maske trägt und sich nicht verstellt, wenn er zwar manchmal auch Angst hat und doch handelt, wenn er nicht alles glaubt, was er denkt, und wenn er selten urteilt und doch entscheidet.
Du erkennst den spirituellen Menschen auch daran, dass er sich nicht bemüht, Beweise dafür erbringen zu müssen, dass er spirituell sei und daran, dass er alles Leben als wertvoll und in jedem Moment als kostbar erachtet. Der spirituelle Mensch vergleicht sich nicht mit anderen, steigt auf keine Debatten ein und glaubt nicht mehr daran, dass das Leben ihm irgendetwas schulde.
Er fühlt sich nicht ungerecht behandelt und handelt deshalb auch nicht ungerecht.
Er haftet nicht an eigenen Traumata, sondern befreit andere aus der Verhaftung ihrer trotzigen und verwundeten Egos.
Er ist frei von der Angst, was andere über ihn denken könnten.
Ein spiritueller Mensch teilt die Menschen nicht mehr in Opfer und Täter ein, und er spielt beim Spiel «Wir gegen Die» nicht mit.
Er verschiebt seine ungelösten Themen nicht auf das Aussen, sondern löst sie in sich selbst.
Er bringt seine Erkenntnisse zum gelebten Ausdruck und ist sich bewusst, dass seine eigene Freiheit in seiner Eigenverantwortung liegt.
Ein wirklich spiritueller Mensch grüsst nicht mit «Namasté» und faselt nicht von «Licht & Liebe», weil er diese Show längst erkannt und überwunden hat.
Für ihn ist der Begriff «Universum» nicht besser oder höher als «Gott», «Allah», «Buddha», «Jahwe» oder «Krishna».
Er ist nicht laut, sondern leise.
Gedanken haben keine Macht mehr über ihn, denn er hört auf seinen Bauch und sein Herz und vertraut sich selbst. Alles in seinem Dasein ist in sich bereits ein spiritueller Akt, ob er kocht, putzt, wäscht, näht, etwas flickt, bügelt, Staub saugt, einkauft, spaziert, Bahn, Rad oder Auto fährt, malt, schreibt, liest, denkt, plant, rechnet, fühlt, empfindet, badet, duscht, sich pflegt, ausruht, tanzt oder singt. Für ihn ist alles heilig, weil er sich dessen bewusst ist, dass alles ein Teil des Prozesses ist, den man «Erleuchtung» nennt.

(via Fonta U. Nialas)

«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








