Über Epstein als Geheimdienstwerkzeug, Netanyahu als unkündbaren Mitarbeiter und die Frage, warum der mächtigste Mann der Welt von einem israelischen Premierminister am Nasenring durch die Geopolitik geführt wird.

Es gibt Interviews, die man einmal sieht und danach nicht mehr versteht, warum der Rest der Medienwelt über Wetter und Prominentenscheidungen berichtet. Das Gespräch zwischen Afshin Rattansi und Ari Ben-Menashe – ehemaliger israelischer Geheimdienstoffizier, Autor, Mann mit Biografie – ist so eines. Kein Skandal. Keine Enthüllung im Boulevard-Sinne. Nur ein ruhiger Mann aus Montreal, der Dinge sagt, die eigentlich jeder wissen müsste – und die trotzdem nirgendwo landen, weil der Mainstream beschäftigt ist mit der Frage, welche Farbe Meghan Markles Handtasche hatte. Also fangen wir an.

Epstein – das Werkzeug, das nicht sterben durfte
Drei Millionen Dokumente wurden veröffentlicht. Drei Millionen. Und der einzige Konsens, den die westliche Presse daraus destilliert hat, ist: Nichts Weltbewegendes. Weiterfahren. Ben-Menashe sieht das anders – und er hat Gründe dafür, die über Spekulation hinausgehen. Epstein, so seine Einschätzung, wurde von Robert Maxwell rekrutiert – dem Medienmogul, israelischen Asset und Vater von Ghislaine Maxwell – und anschliessend von Ehud Barak, damals Direktor des Militärgeheimdienstes, später Premierminister Israels. Das geht in die 1980er Jahre zurück.

Das Ziel: Kompromittierung. Systematisch, gezielt, mit Zugang zu den höchsten Kreisen der westlichen Machtelite. Politiker, Finanziers, Medienmenschen – wer auf Epsteins Inseln war, hatte ein Problem. Kein akutes. Ein latentes. Ein Problem, das schläft, bis jemand es aufweckt. Dieses Prinzip ist so alt wie die Geheimdienstgeschichte selbst. Honeypot. Erpressung als Steuerungsinstrument. Neu ist nur die Reichweite – und die Dreistigkeit, mit der das Netzwerk über Jahrzehnte ungestört operieren konnte, während Strafverfolgungsbehörden wegschauten und Medien schwiegen.

Ben-Menashe wird dabei explizit: Die sensibelsten Dokumente über Trump und andere amerikanische Regierungsbeamte sind nicht in Washington. Sie sind in Israel. Und sie werden nicht veröffentlicht – noch nicht. Sie werden gehalten. Als Reserve. Als Versicherungspolice. Als Druckmittel für den Moment, in dem Washington etwas tut, das Tel Aviv missfällt.

Netanyahu – der Unkündbare
Man stelle sich vor, ein Angestellter hätte Aktenmaterial über seinen Chef, mit dem er ihn jederzeit vernichten könnte – und der Chef wüsste das. Wie sieht dieses Arbeitsverhältnis aus? Genauso sieht die Beziehung zwischen Donald Trump und Benjamin Netanyahu aus, wenn man Ben-Menashes Analyse folgt.

Trump verlangt einen Deal mit dem Iran. Das ist keine neue Erkenntnis – er hat es in seiner ersten Amtszeit versucht, ist gescheitert und ist mit dem erklärten Ziel angetreten, es dieses Mal durchzuziehen. Die Gespräche in Oman, die Witkoff-Kushner-Aragchi-Runde – all das sind Versuche, das zu realisieren, was geopolitisch eigentlich naheliegend wäre: eine Normalisierung der US-iranischen Beziehungen, die den Nahen Osten stabilisieren und Amerika aus einem kostspieligen Dauerengagement befreien würde.

Netanyahu ist strikt dagegen. Ein iranisch-amerikanisches Abkommen würde Israels strategische Sonderstellung untergraben, die Drohkulisse gegen Teheran entwerten und den gesamten eschatologischen Kriegsplan der israelischen Rechten – mit Unterstützung amerikanischer Evangelikaler – zum Einsturz bringen. Also hält Netanyahu die Karten. Und wenn die Verhandlungen ernsthaft werden, so Ben-Menashe, wird er sie auf den Tisch legen – neues Material, bisher unveröffentlicht, über Trump und andere US-Regierungsbeamte. Nicht aus Rache. Als Operation. Als chirurgischer Eingriff in den amerikanischen Innenpolitikbetrieb, um ein Abkommen zu sabotieren, das Israels Machtposition schwächen würde.

Der gewählte Führer der mächtigsten Nation der Erde – gesteuert durch kompromittierende Akten in den Händen eines ausländischen Regierungschefs. Das ist keine Verschwörungstheorie. Das ist Machtpolitik, wie sie seit Jahrzehnten funktioniert – nur selten so offen benannt.

Tony Blair, Peter Mandelson und der globale Klub der Diskreten
Wer dachte, das Epstein-Netzwerk ende an amerikanischen Küsten, wird im Gespräch eines Besseren belehrt. In den veröffentlichten Dokumenten taucht eine Konversation zwischen Epstein und Ehud Barak auf, in der Tony Blair besprochen wird – mit Andeutungen über Geldsummen von fünf bis zehn Millionen Dollar, die teilweise an Dritte weitergeleitet worden sein sollen. Blair, der inzwischen als möglicher Gouverneur eines Nachkriegs-Gaza im Trump-Plan gehandelt wird, hat auf diese Passagen nicht reagiert. Keine Stellungnahme. Kein Dementi. Nichts.

Dazu passt der Fall Peter Mandelson – britischer Botschafter in Washington, Vertrauter Epsteins, zurückgetreten wegen eben dieser Verbindung. MI6, so Rattansi, hatte die Ernennung geprüft. MI6 kannte Mandelsons Epstein-Kontakte. MI6 sagte nichts. Ben-Menashes Antwort darauf ist von einer Schlichtheit, die mehr erklärt als jede Analyse: Die wussten es wahrscheinlich. Aber sie arbeiten zusammen. Mit den Israelis. Das ist in Ordnung für sie.

Grossbritannien, das für die Ukraine blutet und sich als Wertegemeinschaft vermarktet, dessen Geheimdienst Botschafter mit Verbindungen zu einem dokumentierten Kompromittierungsnetzwerk unbeanstandet in Position bringt. Das nennt sich in Westminster strategische Partnerschaft.

Die Struktur des Schweigens
Was Ben-Menashe beschreibt, ist kein Skandal im klassischen Sinn. Skandale enden. Das hier endet nicht, weil es keine Fehlfunktion des Systems ist – es ist das System. Epstein tot. Akten geschwärzt. Netzwerk intakt. Druckmittel in Tel Aviv archiviert. Deals blockiert. Kriege verlängert. Und drei Millionen Dokumente, die die Weltpresse als wenig Neues zusammenfasst, bevor sie weiterzieht zur nächsten Pressekonferenz.

Ben-Menashe sitzt in Montreal und sagt Dinge, die niemand hören will – ruhig, präzise, ohne erkennbare Agenda ausser der scheinbar altmodischen Überzeugung, dass die Wahrheit irgendwo gesagt werden muss. Er ist 71. Er war dabei. Er weiss, wie es funktioniert. Und er lebt in Kanada. Das sagt alles…

Der Mann, der zu viel weiss – und deshalb in Montreal lebt
Der Mann, der zu viel weiss – und deshalb in Montreal lebt

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